Bereits die vergangenen Resultate bewiesen eindrucksvoll, dass die Handballerinnen der SG Lok Schönebeck zu Recht der ärgste Verfolger des dreiköpfigen Spitzentrios in der Sachsen-Anhalt-Liga sind. Nach dem furiosen Punktgewinn bei Spitzenreiter Gräfenhainichen erledigte die Mannschaft von Trainer Dirk Schedlo die fast schon zur Pflichtaufgabe geratene Partie gegen den Dessau-Roßlauer HV souverän und siegte mit 31:23 (13:12).

Schönebeck. Zu spekulieren, was in der Saison noch möglich wäre, wenn beispielsweise die unnötigen Niederlagen gegen Seehausen und beim Dessau-Roßlauer HV hätten vermieden werden können, ist vielleicht etwas anmaßend, doch wie die Schönebeckerinnen den Gast am Sonnabend in Schach hielten, nötigt durchaus Respekt ab. Mit einer phasenweise spielerischen Leichtigkeit bauten sie ihren Vorsprung nach der Pause kontinuierlich aus und sorgten Mitte der zweiten Halbzeit für die Vorentscheidung.

Zuvor war jedoch harte Arbeit vonnöten, um den hauchdünnen 13:12-Vorsprung in die Kabine zu retten. Lok begann zwar gut, führte schnell mit 3:0 und nach Treffern von Melanie Krause, Saskia Kalwatz und einem Konter von Lisa Wolf – es sollte nicht der letzte sein – mit 9:4, doch nach dem ersten Vorsprung schlichen sich Fehler ein, die in der Folge Konsequenzen hatten. Carolin Schedlo nahm zwei unvorbereitete Würfe, Lok spielte zweimal eine Überzahl schlecht aus, als Janka Bauer zu früh warf und ein Stürmerfoul begang, und schon stand es nur noch 11:10. Vor allem die agile Rechtsaußen der Gäste, Lisa Schröter, verwandelte sicher.

Schedlo reagierte, brachte Josephine Suchan für die glücklose Yvonne Thiel im Tor, zudem Sabrina Koeck im linken Rückraum und wechselte das Abwehrzentrum weiter gehörig durch. Doch trotz der Änderungen – neben Kalwatz und Bauer sorgten auch Melanie und Nicole Krause für Stabilität – gehörte der Innenblock zu den Stärken. Diese Vielseitigkeit eröffnete Schedlo weitere Optionen. "Durch die Wechsel waren wir in der Lage, 60 Minuten hohes Tempo zu gehen", begründete der Trainer die Maßnahme. Dass es bis zur Pause eng blieb, lag vor allem an Ballverlusten im Angriff. Karin Stagge schließlich sorgte mit einem Doppelschlag für die 13:12-Halbzeitführung.

Zu Beginn von Durchgang zwei war dann wieder alles beim Alten. Lok bestätigte den guten Eindruck aus der Anfangsviertelstunde und enteilte zum 18:13. Vor allem Carolin Schedlo traf in dieser Phase und durfte sich anschließend einer Manndeckung erfreuen. Doch das brachte die Schönebeckerinnen nicht aus dem Konzept, sie legten vor allem in der Abwehr den Grundstein für Gegenstöße. Doch auch der Positionsangriff gefiel. Kalwatz hämmerte einen Schlagwurf aus dem Lauf unter der Querlatte, die eingewechselte Katharina Depta wurde auf Linksaußen frei gespielt und "legte" HV-Torhüterin Antje Schmid den Ball über den Kopf, Koeck traf mit einem wuchtigen Wurf zum 23:16. Vor allem die Würfe aus der zweiten Reihe waren ein probates Mittel gegen Kontrahentinnen mit Größennachteilen. So sah es auch Schedlo: "Wir waren im Positionsspiel einfach besser, haben die Lücken gefunden und unsere Chancen sicher verwandelt." Lisa Wolf, die auf der halblinken Abwehrseite stets den Spielfluss des Gegners störte, vollendete schließlich einen Konter zum 25:17 – die Vorentscheidung. In der Schlussphase brannte dann nichts mehr an, Lok hatte zwar noch Glück bei Pfostentreffern des Gegners und verwarf zwei Stafwürfe, doch am Ende stand ein komplett verdienter 31:23-Heimsieg zu Buche, der vor allem der Vielseitigkeit eines starken Kaders entsprang, der bis zum Schlusspfiff das Tempo hoch hielt.

SG Lok Schönebeck: Suchan, Thiel – Wolf (7), Krause (4), Goldgraebe, Schedlo (5), Bauer, Koeck (3), N. Krause, Precht, Stagge (3), Depta (2), Kalwatz (6), Sauer

Dessau-Roßlauer HV: Bensch, Schmid – Lenz (1), Paulenz (1), Nagel (4), Lindenau (4), Ehlert (4), Lehmann, Brüsch (2), Schröter (4), Krüger (2)

Strafwürfe: Lok 3/1 – DRHV 3/1; Zeitstrafen: Lok 3 – DRHV 3