Nach vier Jahren endet das Gastspiel der Calbenser Frauen in der vierten Liga. Der Rückblick auf die Saison fällt schwer, gehört sie doch vom Ergebnis her zu schwächsten in der Geschichte des Frauen-Handballs in der Saalestadt.

Calbe l Dass es schwer werden würde, wussten im Vorfeld alle. Dass es eng wird, war nach wenigen Wochen klar. Dass es aber am Ende eine Saison mit drei Pluspunkten wird, konnte niemand im Umfeld der Mannschaft ahnen. Und so wird die Saison wohl als eine der schwärzesten in die TSG-Annalen eingehen. Am Mannschaftsgeist hat es sicherlich nicht gelegen, denn die Spielerinnen standen zusammen. Sportlich bescheinigten viele dem Team seine Qualitäten. Allerdings gelang es letztlich nicht, beides auf dem Spielfeld zusammen zu bringen.

Am vorletzten Spieltag verabschiedete sich das Team in der Heger-Sporthalle von seinen Fans, die ihm durch alle Tiefen hindurch die Treue gehalten hatten. Das vorbereitete Transparent mit dem Abschied aus der vierten Liga und dem Willkommensgruß für die Sachsen-Anhalt-Liga, es ging im Jubel der Gäste aus Markranstädt unter. Calbe stand daneben, sortierte sich noch an die vier Ecken des blau-weißen Lakens, als die ersten schon gingen. Eine Episode zwar, die aber doch so symptomatisch für den Saisonverlauf stand. Man wollte, konnte aber nicht - zeigte Top-Leistungen, aber nur in Spielen, die man im Grunde nicht gewinnen konnte. Und so bleibt am Ende der Saison eine große Unzufriedenheit auf allen Seiten und der Abstieg in die Sachsen-Anhalt-Liga. Möglicherweise hätte das Team sogar in der vierten Liga bleiben können, allerdings sind die Kräfte aufgezehrt. Zwei Jahre Kampf gegen den Abstieg, verteilt auf wenige Schultern, das geht auf Dauer nicht gut und so schaltet die TSG einen Gang zurück, konzentriert sich auf einen Neuaufbau mit erfahrenen Stammkräften und dem eigenen Nachwuchs.

Für Trainer Frank Mühlner lag der Knackpunkt in der Einstellung seiner Spielerinnen. "Das Anspruchsdenken war bei vielen nicht da. So etwas geht in dieser Liga nicht. Und wenn ich den Schalter nicht schon im Training umlege, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn es im Spiel nicht funktioniert." Er bestätigte, dass das Niveau in der Liga in den vergangenen Jahren gestiegen ist, sich der Handball verändert hat. "Ich muss Veränderungen aber auch annehmen wollen", stellte er klar.

Im Großen und Ganzen zeichneten sich die Probleme bereits in der Vorbereitung ab. So lief das Turnier beim HC Burgenland zwar recht gut, personell konnte Mühlner aber nie aus dem Vollen schöpfen. Erst beim Auftaktspiel in Seehausen waren dann mal alle da. Aus verschiedenen Gründen dezimierte sich der Kader bereits in der Anfangsphase der Saison, so dass es schließlich doch wieder personell eng wurde. "Das Problem dabei ist doch: Wir können Ausfälle nicht kompensieren", sagte er und ergänzte: "Wenn ich in dieser Liga spiele, muss ich wissen, was ich will und auch mal Verzicht üben." Eng mit der unbefriedigenden Vorbereitung hing ein weiteres Problem zusammen. Mühlner: "Es hat fast das ganze Jahr gedauert, die neuen Spielerinnen zu integrieren. Das hätte ich so nicht gedacht. Dadurch haben wir uns natürlich viel entgehen lassen."

Hinsichtlich des Saisonverlaufs resümierte er: "Die Tendenz war frühzeitig sichtbar. Immer wenn ein Gegner in Reichweite war, haben wir nicht zur Form gefunden", sagte er mit Blick auf die beiden Auftaktniederlagen gegen Seehausen und den Thüringer HC II. "Frei aufgespielt haben wir nur in den Spielen, in denen es um nichts ging." Markranstädt, Marienberg, auch Chemnitz zählten zu den Gegnern, bei denen Calbe regelrecht glänzte. In Spielen auf Augenhöhe (Haldensleben, Seehausen oder Altenburg) versagte das Team. Auch hier übte der Trainer noch einmal Kritik: "Die mentale Vorbereitung auf den jeweiligen Gegner hat völlig gefehlt. Die anderen wussten immer bestens über uns bescheid, aber bei uns hat sich keiner mal gefragt, was habe ich für einen Gegner und wie stelle ich mich auf ihn ein", unterstellte er. Nach positiven Dingen gefragt, antwortete er, dass es die sicher gab, die aber irgendwo versickerten. Und so stellte er am Ende der Saison nüchtern fest: "Wir haben gewusst, das es schwer wird. Aber dass es so aussichtslos war, hätte ich nicht gedacht."

Mannschaftskapitän Stefanie Hüls sah die Saisonleistung von zwei Seiten: "Rein sportlich war die Saison mit Sicherheit unbefriedigend. Trotz der mageren Punktausbeute konnten wir aber in vielen Partien spielerisch überzeugen und uns im Saisonverlauf weiterentwickeln. Dass es dann am Ende zumeist nicht für den Sieg reichte, lag auch an den sehr starken Gegnern." Auffällig dabei war, dass es Calbe im Grunde nie gelang, sein eigenes Spiel aufzuziehen. War der Gegner stark, war es auch die TSG - war der Gegner schwach, passten sich die Saalestädterinnen an und unterlagen. "Die Erwartungen sind das ganze Jahr nicht erfüllt worden, weil keiner wirklich das abgerufen hat, was er konnte", stellte Kristin Sroka fest und fasste zusammen: "Wir haben immer unter unseren Möglichkeiten gespielt."

Dabei sah es am Anfang der Saison ganz anders aus. "Wir sind motiviert gestartet, haben uns von den Neuzugängen viel erhofft und waren froh, dass sich endlich auch junge Spielerinnen zu uns bekannt haben", berichtete Sroka. Und doch reihten sich später die Niederlagen aneinander. Ihre Fans bewunderten bisweilen den Durchhaltewillen der TSG-Damen, der nicht von ungefähr kam, wie mehrere Spielerinnen bestätigten. Stefanie Hüls dazu: "Wir haben uns innerhalb der Mannschaft immer wieder gegenseitig gestützt und motiviert. Solch eine Spielzeit kann man nur gemeinsam durchstehen und das haben wir bestens hinbekommen."

Dennoch wurde der sinnbildliche Rucksack, den jede Spielerin mit sich herumschleppte, von Woche zu Woche schwerer. "Letztlich ging die teils heftige Kritik auch nicht spurlos an uns vorüber", gestand Hüls, "vor allem aber trotzdem eine Woche später wieder sein Bestes zu geben. Am Ende waren es die teils übermächtigen Gegner, die die grundlegende Herausforderung darstellten." Eine Herausforderung, der die Calbenser Frauen mal besser, mal schlechter widerstanden. "Großes Manko war aber letztlich immer unsere dünne personelle Decke", erklärte Sroka, dass es fast immer im Spielverlauf Einbrüche gab, die dem Team am Ende das Genick brachen.

Ausdrücklich dankt der Mannschaftskapitän dem Verein für die Unterstützung in der Spielserie: "Vor allem der Vorstand stand stets hinter uns und eröffnete zeitnah Perspektiven für alle Spielerinnen, auch bei einem Abstieg aus der Oberliga, so dass jeder stets ein Ziel vor Augen haben konnte." Dieses Ziel kann nur im Neuaufbau bestehen und zu dem sagte Abwehrspezialistin Mandy Wenzel: "Nun liegt es an uns allen, gemeinsam mit dem neuen Trainergespann und auch mit der neuformierten Mannschaft aufzustehen, nach vorn zu schauen, den einen oder anderen an die Hand zu nehmen, die gesammelten Erfahrungen mit einzubringen und gemeinsam als Team in eine neue Saison zu blicken. Ich bin mir sicher, wenn wir das schaffen, spielen wir oben mit und haben wieder eine Menge Spaß am Handball."