Schönebeck l Als sein alter Kumpel rief, kam Wolfgang "Maxe" Steinbach gerne, um die Traditionsmannschaft der "BSG Chemie Schönebeck" an der Seitenlinie zu unterstützen, wenngleich er bei einem Team, das seit 40 Jahren gemeinsam aufläuft, taktisch nicht viel ändern musste und auch nicht wollte. Lediglich zum Ende der Partie gegen eine Prominenten-Auswahl Schönebecks gelang es ihm, ein, zwei zusätzliche Spieler aufs Feld zu schicken, ohne dass Schiedsrichter Bernd Heynemann das bemerkte - oder es bemerken wollte. Die Freundschaft, die Steinbach zu Bodo Thiele, dem Organisator und Initiator des Abschiedsspiels hegt, ist lang, das Band zwischen den beiden ist dick. Und das, obwohl Steinbach selbst zugeben musste, dass ein eher negatives Erlebnis das prägsamste zwischen den beiden war.

Es war im Sommer 1972. Damals waren Steinbach und Thiele etwa 17 Jahre alt. Bei einem UEFA-Turnier in Spanien hat die Mannschaft abends gefeiert. "Da haben wir wohl etwas überzogen", erinnert sich Steinbach. Eigentlich hätte er anschließend zur Junioren-Nationalmannschaft fahren sollen, doch aufgrund der kleinen Aussschweifungen flog er aus dem Kader. "Damals waren die Regeln so streng, heute kann ich darüber lächeln."

Steinbach, der in Schönebeck aufgewachsen ist und auch das Fußball-Abc lernte, war im Alter von 14 Jahren nach Magdeburg gewechselt, hat den Kontakt und die Verbindung zu seiner Heimatstadt aber nie verloren. "Ich kenne auch heute noch alle Spieler der Traditionsmannschaft, meine Brüder haben damals auch hier gespielt. Ich habe immer versucht, die Spiele zu erleben."

Und so war die Aufgabe, die "BSG Chemie" am Sonnabend bei ihrem letzten "offiziellen" Auftritt zu betreuen, nicht nur ein schönes Erlebnis für ihn, sondern vor allem eine Ehre. "Es ist etwas besonderes, das letzte Spiel dieser Mannschaft zu erleben und persönlich integriert zu sein. Ich kenne viele Spieler schon lange, wir hatten über die Jahre immer eine herrliche Beziehung." Diese drückte vor allem der traditionelle Frühschoppen der "BSG Chemie" am ersten Weihnachtsfeiertag aus, an dem Steinbach immer teilnehmen durfte, obwohl er in Magdeburg aktiv war. Und so hat der "Coach" natürlich auch ein weinendes Auge, weil "es das letzte Spiel dieser Mannschaft war". Dennoch "sind immer noch so viele Leute dabei, das ist toll. Bodo blüht dabei richtig auf."

Dies sagt viel über die Verbindung zwischen den beiden, die nun schon seit mehr als 40 Jahren Bestand hat. "Wir haben uns nie aus den Augen verloren, werden auch weiterhin in Kontakt bleiben. Uns verbindet mehr als nur der Fußball." Und so wird "Maxe" Steinbach mit Sicherheit das nächste Mal auch wieder bereitstehen, wenn Bodo Thiele zu einem Termin ruft. Auch wenn der mit offiziellem Fußballspielen dann sehr wahrscheinlich nichts mehr zu tun haben wird.