Die Fans der SG Lok Schönebeck hatten als erste die richtigen Worte gefunden: "Lasst die Köpfe nicht hängen. Seid stolz auf euch", riefen sie gestern Abend nach der 19:23 (11:10)-Niederlage gegen Dessau-Roßlau im Achtelfinale des HVSA-Pokals der Frauen.

Schönebeck l Dirk Schedlo hatte aus der Not eine Jugend gemacht. Aufgrund fehlender Stammkräfte wie Janka Bauer oder Karin Stagge hatte er seine Sieben gezwungenermaßen sehr jung aufgestellt - mit Lena Rauschenbach, Jessica Arnold oder Lisa Marie Bullert zum Beispiel in der Anfangsformation.

Merklich nervös starteten die Gastgeber, viele Bewegungsabläufe und Kombinationen harmonierten nicht. Beleg waren die 25 Fehlwürfe, die "zumeist aus schlechten Wurfpositionen heraus resultierten", wie der Coach erklärte. 21 Paraden zeigte zudem die gegnerische Torhüterin Jennifer Nolte - wirklich viel dafür tun musste sie allerdings nicht. Insgesamt schloss Lok - zählt man die Ballverluste dazu - 59 Angriffe nicht erfolgreich ab. Ein Wert, mit dem es schwer wird, eine Partie zu gewinnen. Eindeutig ein Schritt zurück in der Entwicklung des Teams, das in den beiden Ligaspielen weitaus konsequenter im Angriff aufgetreten war. "Aber der Lerneffekt war viel wichtiger", nimmt Schedlo sein Team in Schutz. "Die Jugend hat ihre Chance genutzt und sich sehr gut verkauft."

Das galt zum Beispiel für Lisa Marie Bullert. Sie rieb sich nicht nur im Aufbau oder im Mittelblock der 6-0-Abwehr auf, sie übernahm auch Verantwortung im Angriff. Mit ihren beiden Rückraumtreffern zum 6:8 (23.) war sie maßgeblich daran beteiligt, dass die Schönebeckerinnen den 4:8-Rückstand zum 7:8 verkürzen und dann zum 10:10 ausgleichen konnte. Auch Lisa Brüggemann hat ihre Chance genutzt. Sie erzielte zwar nur einen Treffer aus dem Feld, doch trotz einiger Fehlversuche ließ sie den Kopf nicht hängen, sah immer wieder auch kleinste Lücken und zog zum gegnerischen Kreis. Und Torhüterin Liza Nowicki trumpfte mit 17 Paraden im gesamten Spiel ebenfalls auf. Sie alle haben mindestens zwei Schritte nach vorn gemacht.

Es lag auch an der Linie der Unparteiischen, dass aus dem guten Auftritt der Jugend nicht mehr resultierte. Ließen die Referees in der ersten Halbzeit noch erfrischend viel laufen, verpassten sie den Zeitpunkt, die überaus harte Gangart der Gäste zu unterbinden. Erst Mitte der zweiten Hälfte wurden sie konsequenter, ließen danach aber wieder "die Zügel schleifen". So war es für beide Teams schwer, sich darauf einzustellen.

Da auch Dessau-Roßlau mit 25 Ballverlusten haderte, blieb die Partie lange offen. Am Ende war es eine Konditionsfrage, denn "den Rückstand aufzuholen, hat Kraft gekostet". So verpuffte auch die offene Manndeckung kurz vor dem Ende, sodass die Gäste zum 23:19 davonzogen.

Trotz der Niederlage war Schedlo nicht unzufrieden. "Die positiven Eindrücke überwiegen", betonte er. Sein Team ist in der Entwicklung der Jugend schließlich zwei Schritte nach vorn gegangen, was im Ligaalltag von Vorteil ist. Das hatten auch die Zuschauer kurz nach dem Abpfiff lautstark untermauert.

Lok Schönebeck: Hecker, Nowicki - Wolf, Arnold (2), Brüggemann (1), Schedlo (5), Depta (3), Rauschenbach, Bullert (7/2), Sauer (1)

Siebenmeter: Schönebeck 3/2 - Dessau-Roßlau 6/4; Zeitstrafen: Schönebeck 3 - Dessau-Roßlau 5