Vor zwei Wochen startete der Schönebecker SC in die Tennissaison und war als Aufsteiger in die Landesober-liga beim 1. TCM im MSV 90, einem Absteiger aus der Ostliga, zu Gast. Der SSC unterlag mit 0:9. Auch morgen um 9 Uhr gegen den 1. TC Köthen sieht Kapitän Raik Deblitz eher geringe Chancen für einen Erfolg. Dennoch glaubt der 28-Jährige an den Ligaverbleib. Mit Sportredakteur Frank Nahrstedt sprach der Mitarbeiter der Forschung und Entwicklung bei der Lapua GmbH über Herausforderungen und Schönspielen.

Volksstimme: Herr Deblitz, wie haben Sie den verkorksten Saisonstart weggesteckt?

Raik Deblitz: Es war zu erwarten, dass wir in Magdeburg einige Schwierigkeiten bekommen würden. Die Spielstärke war zu hoch für uns. Die Ergebnisse waren deutlicher, als es das Spiel im Endeffekt zeigte. Wir haben zwar oft über Einstand gespielt, aber letztlich hat uns das Glück gefehlt, um es vielleicht knapper zu gestalten.

Volksstimme: War es vielleicht der Weckruf, um in den kommenden Partien ein paar Prozente herauszukitzeln?

Deblitz: Wir konnten uns vor der Saison denken, dass wir zwei Spiele gewinnen müssen, um nicht abzusteigen. Wenn man ehrlich ist, sind in dieser Liga auch nicht mehr als zwei Teams, gegen die wir gewinnen können. Das sind Bernburg und Sportpark Magdeburg. Es hängt dabei viel von der Tagesform ab. Aber wir sind motiviert, auf diese Partien werden wir uns besonders vorbereiten.

Volksstimme: Wie bereiten Sie sich darauf vor, um die nötige Lockerheit zu besitzen, wenn es darauf ankommt?

Deblitz: Wir sind gestandene Spieler, so dass ich nicht glaube, dass wir verkrampfen werden. Wir binden mit Felix Huhn gleichzeitig Nachwuchsspieler ein, mit Tobias Mahrholz haben wir einen Neuzugang aus Wernigerode. Mit ihnen wollen wir den Klassenerhalt realisieren.

Volksstimme: Ist die Landesoberliga Ihre bisher größte Herausforderung?

Deblitz: Wir haben schon mehrfach in der Oberliga gespielt, wir sind so eine Art Fahrstuhlmannschaft. Für die Landesliga sind wir meist zu stark, in der höheren Liga sind wir meist zu schwach. Aber es ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Ziel ist immer, mindestens ein Spiel zu gewinnen. Dieses Jahr sollen es dann zwei werden. (lacht)

Volksstimme: Welches sind in 15 Jahren Tennis Ihre bisher größten Erfolge?

Deblitz: Immer wieder die Aufstiege. Im vergangenen Jahr hatten wir alle Spiele bereits nach der Einzelrunde gewonnen, das war eine beeindruckende Serie, das hat großen Spaß gemacht.

Volksstimme: Gibt es neben dem Tennis weitere Interessen?

Deblitz: Ich habe früher viel Fußball und Tischtennis gespielt, auch Handball war eine Zeit lang dabei. Das hat sich irgendwann ausgeschlossen, weil es mit dem Tennis nicht mehr vereinbar war.

Volksstimme: Warum ist Tennis die Sportart, bei der Sie geblieben sind?

Deblitz: Das ist eine gute Frage. Es ist eine gestandene Sportart, die an der frischen Luft absolviert wird, aber auch in der Halle. Die unterschiedlichen Beläge und Bedingungen machen das Tennis abwechslungsreich und spannend. Man ist auf sich gestellt, braucht ein hohes Maß an Konzentration. Das ist wichtig für die Persönlichkeit. 80 Prozent der Spiele werden im Kopf entschieden.

Volksstimme: Bereiten Sie sich vor den Spieltagen besonders vor?

Deblitz: Ich habe einen geregelten Tagesablauf, da wir meistens sonntags schon um 9 Uhr anfangen. Da ich als Nummer vier in der ersten Runde spiele, muss ich zeitig auf dem Platz sein. Also frühstücke ich, fahre zur Tennisanlage, spiele mich etwas warm. Dann geht es los.

Volksstimme: Mögen Sie die frische Luft?

Deblitz: Ich bin als Kind immer gern draußen gewesen. Als ich von der Schule kam, habe ich die Hausaufgaben erledigt und bin dann nach draußen gegangen. Das hat mit dem Sport gut zusammengepasst.

Volksstimme: Haben Sie einen großen Bewegungsdrang?

Deblitz: Definitiv. Der muss immer gestillt sein, sonst fühle ich mich nicht ausgeglichen. In der vergangenen Saison hatte ich eine langwierige Handverletzung. Da war es schon schwierig, nur zuschauen zu dürfen. Da wir aber erfolgreich gespielt haben, habe ich das überwunden. Ich war froh, dass ich die letzten beiden Spiele mitmachen konnte.

Volksstimme: Gab es in dieser Phase einen anderen Ausgleich?

Deblitz. Das war schwierig. Ich war in der Reha, dort habe ich auch Sport getrieben, aber nicht in dem Maße wie üblich. Ich durfte nicht an die körperlichen Grenzen gehen.

Volksstimme: Gehen Sie gern an Ihre Grenzen?

Deblitz: Ich bin sehr ehrgeizig und lote auch schon mal meine Grenzen aus. Prinzipiell bin ich aber besonnen, kein tollkühner Mensch. Ich suche zwar gern den Wettkampf, übertreibe aber nicht.

Volksstimme: Sie spielen die einhändige Rückhand, ist das ein Vorteil zur zweihändigen?

Deblitz: Die beidhändige hat sich einfach durchgesetzt, sie dominiert unter den Topspielern in der Weltrangliste. Mit der einhändigen hat man einen Reichweiten-Vorteil, zudem sieht es eleganter aus.

Volksstimme: Sind Sie ein Schönspieler?

Deblitz: Man sagt mir nach, ich spiele technisch ganz gut. Das bedeutet aber nicht, dass man gleichzeitig erfolgreich spielt.

Volksstimme: Was sind Ihre Stärken?

Deblitz: Meine Einstellung und mein Ehrgeiz, der sich aber auch negativ auswirken kann, indem ich mich in etwas hineinsteigere. Vom Kopf her habe ich noch Entwicklungspotenzial. Ich muss ab und zu ruhiger bleiben. Ich bin ein Teamplayer, kümmere mich als Kapitän darum, dass alles funktioniert. Spielerisch denke ich, ist meine Vorhand ganz ordentlich.

Volksstimme: Wo soll es für Sie im Tennis noch hingehen?

Deblitz: Möglichst nicht mehr bergab. Ich möchte meinen Stand halten. Da ich diese Saison von Beginn an dabei bin, versuche ich, mir keinen Druck zu machen, sie zu genießen.