Aschersleben (fna) l Liebe Stefanie Jäger, Ihre Enttäuschung und Ihre Tränen sind zu verstehen, aber nicht notwendig. Wie oft haben Sie den HC Salzland 06 in der Vergangenheit zum Sieg geführt, wie oft haben Sie die Verantwortung übernommen und das Team im Spiel gehalten? Dieses Mal sollte es einfach nicht sein, aber das ist gewiss nicht allein Ihre Schuld. Die 26:27 (12:16)-Niederlage gestern Nachmittag gegen den TSV Owschlag hat viele Gründe, nicht nur Ihren vergebenen Siebenmeter (48.), Ihren Ballverlust, der zum 23:24 führt oder Ihr Offensivfoul, das in Ihrer Auswechslung mündete, wenngleich Sie sich über die vergebenen Chancen sicherlich selbst am meisten geärgert haben.

Nein, die Niederlage ist natürlich auch in den mangenden Alternativen zu suchen, weil Spielerinnen angeschlagen oder verletzt waren. Maria Häußler zum Beispiel, die viel Gefahr aus dem Rückraum ausstrahlen kann und durchaus schon mal zweistellig gepunktet hat, kam über einen Treffer nicht hinaus. Yvonne Sachse, die im Rückraum ebenfalls viel Verantwortung übernehmen musste, markierte drei Treffer, vergab aber zum Beispiel auch einen Freien nach einem Konter. Und Caroline Rosiak, die in der Defensive aufmerksam war und auch vier Treffer erzielte, produzierte eben auch drei Ballverluste, unter anderem durch riskante Anspiele.

Dies alles sind einige der Gründe, dass trotz der 23:22-Führung (52.) - der einzigen nach dem 1:0 - kein Erfolg heraussprang. Trainer Nils Lässing formulierte es so: "Wir mussten bei den Pässen hohes Risiko gehen, da wir uns im Positionsspiel sehr schwer tun, gute Würfe herauszuarbeiten. In der Defensive haben wir aufopferungsvoll agiert." Vielleicht hätte Lässing etwas früher zur 5-1-Deckung mit Thea Schwarz auf Spitze übergehen können, denn diese Variante hatte mehr Erfolg als die 6-0. "Ja, die offensive Ausrichtung hat besser funktioniert als ich geglaubt hatte. Hinterher weiß man das immer besser", resümierte der Coach. Letztlich hätte es dennoch beinahe mit einem Erfolg funktioniert.

Den Unterschied bedeutete in diesem Fall allerdings der gegnerische Rückraum mit Franziska Peters und Greta Stolley sowie Kreisläuferin Anita Ewert. Ein Trio, "das wir nur schwer in den Griff bekamen". Am Ende war Lässing ohnehin überrascht, dass "wir gegen ein Team, das besser besetzt ist als wir, so lange mithalten konnten, trotz unserer angeschlagenen Spielerinnen".

Großen Anteil daran hatte unter anderem Kristin Schüler, die immer wieder die Lücken kreierte, sie aber auch sah und fünf Treffer markierte. Ebenso erfrischend, weil frech, war der Auftritt von Christiane Retting in der ersten Halbzeit, als sie beispielsweise einen Schlagwurf zum 11:15 in die obere Ecke verwandelte oder in der Defensive gegen Alke Trceziok beherzt zupackte. In der zweiten Hälfte hingegen hatte sie Pech, als sie nur den Pfosten traf beziehungsweise einen Ballverlust produzierte (58.).

Sie sehen, Frau Jäger, nicht nur Ihnen ist einiges misslungen. Die Mannschaft wird bestimmt bereits Aufbauarbeit geleistet haben. Wir sind uns sicher, heute wird es Ihnen schon viel besser gehen. In diesem Sinne: Auf ein Neues in zwei Wochen beim SV Schwerin.

HC Salzland 06: Klauß (14 Paraden), Lorf (1) - Schwarz, Rosiak (4), Retting (2), Jäger (3/1), Farken (5), Knappe, Sachse (3), Göpel (2), Sacher, Häußler (1), Böhm, Schüler (5)

TSV Owschlag: Fasold, Becker, Wichelmann - Ewert (5), Sievert, Trceziok (1), Stolley (9/6), K. Meenke (1), H. Meenke, Behrend (1), Peters (9/3), Küppers, Zadow (1)

Siebenmeter: Salzland 4/2 - Owschlag 10/9; Zeitstrafen: Salzland 5 - Owschlag 1; Rot: Yvonne Sachse (3x2 Minuten, 43:06) -Salzland-