Haldensleben (sam) l In dieser Rolle sieht man ihn nur selten, gelöst hat er die Aufgabe mit Bravour: Der Hecklinger Leichtathlet Stephan Törmer gab bei den Mitteldeutschen Meisterschaften in Haldensleben als "Tempomacher" über 800 Meter den Takt vor. In seinem Rhythmus führte er das Feld an, stieg nach der ersten Stadionrunde aus taktischen Gründen aus und brachte seinen Teamkollegen Julius Lawnik vom SC Magdeburg in eine gute Position für die zweiten 400 Meter. Die Durchgangszeit von 52,87 Sekunden war keine schlechte.

In einem packenden Schlussspurt aktivierte Julius Lawnik seine letzten Energiereserven. Er gewann die 800 Meter vor Oliver Vogel (SC Magdeburg; 1:50,44 Minuten) in 1:49,60 Minuten. Törmer verfolgte das weitere Rennen von außen und wirkte mit sich mehr als zufrieden. Seine Stimmung sollte sich noch mehr aufhellen, als er die Zeit des Siegers hörte, die nämlich die Norm für die U 20-Weltmeisterschaften in Eugene (USA, 22. bis 27. Juli) bedeutete. "Wir trainieren seit fünf Jahren zusammen und kennen uns blind. Man gönnt dem anderen den Erfolg. Umso schöner, wenn man etwas dazu beitragen konnte", freute er sich. Zuvor hatte der Hecklinger ebenfalls ein solides Rennen über die 400 Meter abgeliefert. "Jede Zeit unter 51 Sekunden ist eine gute", betonte er. Und es wurde eine gute Zeit: Im zweiten Endlauf blieb er mit 50,97 Sekunden drei Hundertstel unter seiner Vorgabe und wurde Dritter.

Während Törmer seine Sachen langsam zusammenpackte, legten der Staßfurter Tom Behrendt (SC Magdeburg) und Jessica Graf (Mitteldeutscher Sportclub) aus Egeln erst richtig los. Letztere zuerst beim Stabhochsprung: Die 19-Jährige schwang sich zu neuen Höhen auf. Nachdem die Egelnerin im zweiten Durchgang 3,20 Meter übersprang, die die Einstellung der persönlichen Bestleistung bedeuteten, probierte sich die ehemalige Mehrkämpferin erstmals an 3,40 Metern. Es blieb beim Versuch. "Ich glaube, ich bin zu sehr Kopfmensch. Ich muss mich erst an die Höhen gewöhnen."

Zufriedenheit war ihr dennoch ins Gesicht geschrieben. Die positive Stimmung nahm sie auch mit in das 100-Meter-Rennen. Im Vorlauf erreichte sie mit 12,95 Sekunden als Achtschnellste den Endlauf. Dort wurde es dann richtig schnell. Eine neue Bestleistung zauberte Graf als Sechste mit 12,88 Sekunden auf die Bahn, sie steigerte ihre alte um drei Hundertstel. "Es lief einfach", zeigte sie sich zufrieden.

Abschließend folgte noch eine weitere Premiere. Über die 4x100-Meter ging sie mit der Startgemeinschaft Mitteldeutscher Sportclub/Dessau I an den Start. "Wir haben vorher noch nie zusammen trainiert. Das war wirklich ein Sprung ins kalte Wasser." Insbesondere der Wechsel von Sophie Lutz (Dessau I) auf Graf, von Position zwei auf drei, sollte sich als die große Unbekannte erweisen. Geprobt haben sie ihn dann "schnell mal vor dem Wettkampf". Im Rennen passte er nicht wirklich. Graf nahm den Stab fast im Stehen an und kam etwas aus dem Rhythmus. Die Zeit des Zweitplatzierten mit 51,51 Sekunden war also noch ausbaufähig.

Ebenso ausbaufähig waren die Zeiten von Tom Behrendt über die 100 und 200 Meter. Im zweiten Vorlauf über die 100 Meter reichten 11,47 Sekunden nicht für den Endlauf, obwohl er damit nur vier Hundertstel über seiner Saisonbestleistung blieb. "Mit dem Lauf bin ich nicht zufrieden, weder mit dem Resultat noch dem Lauf an sich. Das hab ich schon in Weinheim gemerkt, dass ich da zur Zeit Schwierigkeiten habe", sagte er.

Der zweite Endlauf über 200 Meter hinterließ beim 19-Jährigen mit Platz sechs und 22,98 Sekunden einen besseren Eindruck. "Die Distanz gefiel mir besser, besonders die ersten 120 Meter. Dann verließen mich leider ein wenig die Kräfte. Die Zeit ist natürlich nicht das was ich mir vorgestellt hatte, aber die Bedingungen, also Wind und Wetter, waren nicht besonders gut."