Heute startet der HV Rot-Weiss Staßfurt in die Mitteldeutsche Handball-Oberliga. Ab 19 Uhr ist das Team bei der SG Spergau zu Gast. Es gibt sicherlich angenehmere Aufgaben, als gleich zu Beginn beim Aufsteiger anzutreten. Doch Trainer Uwe Mäuer relativiert: "Der Anfang ist immer schwer. Man benötigt drei, vier Partien, um sich einzuspielen und zu harmonieren."

Staßfurt l Vielleicht braucht es auch etwas länger, bis die Abläufe sitzen und sich die Positionen eingeschliffen haben, denn mit Christoph Frank und Nilas Praest sind zwei Leistungsträger zu den Handball-Freunden nach Helmstedt-Büddenstedt gewechselt, die so einfach nicht zu ersetzen sind, vor allem nicht qualitativ. Zudem ist der Einsatz von Roman Bruchno unwahrscheinlich, da er bisher in der Bodestadt und Umgebung noch keine Arbeitsstelle gefunden hat. Mit Stefan-Victor Secara hat das Team nur einen echten Neuzugang verpflichtet, hinzu kommen zum Beispiel Kevin Engelhardt, Felix Dietze oder Martin Dittmar, die in der Jugend schon beim HVS aufgelaufen waren. "Die Jungs müssen sich aber erstmal orientieren, die Luft in der Oberliga schnuppern. Sie müssen keine Verantwortung übernehmen", betont Mäuer.

Diese lastet nun vermehrt auf den gebliebenen "alten Hasen" wie Eike Rach, Nils Hähnel oder Alexander Ernst. "Unser Kader ist nicht mehr so breit aufgestellt. Wir haben zwar Wechselmöglichkeiten, allerdings hauptsächlich mit jungen Spielern. Die Erfahrenen müssen also ihre Leistung bringen, möglichst über lange Zeit und möglichst konstant", nimmt der Trainer seine Schützlinge in die Pflicht. Dies könnte allerdings auch einen positiven Effekt mit sich bringen: Jeder muss ein paar Prozente mehr herauskitzeln. "Daran sollen sich die Jungen dann aufbauen."

"Wir haben unseren Faden gefunden, auch wenn immer wieder Spieler gefehlt haben."

Wenngleich die Personalsituation sich etwas verschärft hat, schaut Mäuer optimistisch auf die bevorstehende Saison. In der Vorbereitung haben die Ergebnisse weitgehend gestimmt, die Auftritte waren zufriedenstellend. "Wir haben unseren Faden einigermaßen gefunden, auch wenn immer mal wieder aus unterschiedlichen Gründen Spieler gefehlt hatten." So musste Staßfurt zuweilen improvisieren, lief mit Rechtsaußen Eike Rach auf halb oder Rückraumschütze Nils Hähnel auf Mitte auf. Das sei vielleicht etwas unkonventionell gewesen, doch womöglich könnten diese Erfahrungen im Saisonverlauf nützlich sein. "Es können Verletzungen oder berufliche Verpflichtungen dazwischen kommen, sodass Spieler ersetzt werden müssen."

In der Vorbereitung hatten die Staßfurter nun durchaus gute Leistungen gezeigt. Im Test gegen die HG 85 Köthen (3. Liga) lief es über die 3x20 Minuten vor allem in den ersten zwei Dritteln wirklich gut. "Wir haben auch einen ordentlichen Spielfluss abgerufen", freute sich der Trainer. Lediglich in den letzten 20 Minuten "haben wir viel durchgewechselt", sodass de Rhythmus verloren ging.

In dieser Saison geht es also nicht darum, den soliden sechsten Platz aus dem Vorjahr zu wiederholen oder zwischenzeitlich von einem Medaillenrang zu träumen, sondern so schnell wie möglich Punkte gegen den Abstieg zu sammeln. "Wir wollen einen gefestigten Mittelfeldplatz erreichen", gibt Mäuer als Zielstellung aus. "Wir wollen in ruhigem Fahrwasser schwimmen. Sollte uns das schnell gelingen, dann schauen wir, ob es nicht auch noch etwas nach oben gehen kann."

Den ersten Schritt dazu könnte das Team bereits heute gehen. Beim Aufsteiger aus Spergau, der als Zweiter der Sachsen-Anhalt-Liga vom Verzicht des unbezwungenen Landesmeisters SV Langenweddingen profitierte, werden die Bodestädter auf sich schauen, denn "Spergau ist größtenteils unbekannt". Mit einem Sieg jedoch könnte man den Grundstein legen, um nicht von Beginn an unter Druck zu stehen, denn die schwierigeren Aufgaben kommen noch. "Andere Mannschaften konnten sich gezielt verstärken", schätzt der HVS-Coach ein.

Das Plus des HVS könnte in dieser Saison die Defensive werden. In den Testspielen präsentierte sich das Team in diesem Element bereits relativ stabil. "Wir dürfen die Vorbereitung nicht überbewerten. Nach den ersten Punktspielen kann man das eher einschätzen. Man muss sehen, wie uns die Abwehrarbeit in den Pflichtspielen gelingt. Da sind die Gegner schließlich ein anderes Kaliber."

"Wir wollen versuchen, gleich beim Start in die Saison Punkte einzufahren."

Zu den Favoriten für den Staffelsieg zählt Mäuer vor allem den Drittliga-Absteiger HC Aschersleben. Mit Trainer Dimitri Filippov verbindet ihn ein gutes Verhältnis, zudem verstärkte sich das Team beispielsweise mit dem Bernburger Sven Petersohn. Die Duelle zwischen beiden Teams werden wohl die Höhepunkte in dieser Saison. Nicht von ungefähr wurde das Rückspiel am 30. Januar 2015 auf einen Freitag gelegt.

Bis dahin ist es jedoch ein weiter Weg, viele Aufgaben müssen bewältigt werden. Die erste heißt SG Spergau. "Wir haben in der Vorbereitung viele Fortschritte gemacht. Wir wollen versuchen, gleich beim Start Punkte einzufahren." Und damit meint Mäuer nicht nur die Partie beim Aufsteiger, sondern auch das Heimspiel im Rahmen der Saisoneröffnung am 20. September in der eigenen Halle gegen den HC Burgenland. Nur eine Woche später steht Teil eins der Saisonhöhepunktes bevor - das Hinspiel im Derby beim HC Aschersleben. Bis dahin möchte der HVS gern schon vier Punkte auf dem Konto haben. Und das verlangt viel Einsatz.