Der 29:27-Erfolg des HC Salzland 06 über die HSG Blomberg-Lippe II in der 3. Liga versprühte keinen handballerischen Hochglanz. Das konnte er auch gar nicht. Dafür war es ein Sieg, der vor allem aus einer taktischen Umstellung resultierte.

Aschersleben l Die Grippewelle plagt Deutschland. Selbstverständlich bleiben auch Sportler von ihr nicht verschont. Auch nicht die Salzländerinnen, die zuletzt zwar drei Wochen spielfrei blieben, sich in dieser Zeit aber nicht optimal auf die Partie gegen die HSG vorbereiten konnten. "Wir haben zwei Wochen lang nur in kleinen Gruppen trainieren können", erklärte HCS-Coach René Linkohr. Ihm blieben also nur zwei Einheiten, um seine Damen auf das Punktspiel einzustimmen.

Umso höher ist der Sieg einzuordnen, unabhängig von der erschreckend hohen Fehlerquote auf beiden Seiten. "Ich ärgere mich nicht über den Verlauf des Spiels." Am Ende ging es schließlich einzig und allein um Punkte.

Nach einer fehlerbehafteten Phase des gegenseitigen Abtastens ging der HCS in Führung, profitierte dabei von Justine Schmitz` Nervenstärke von der Sieben-Meter-Linie. Nach nicht einmal 15 absolvierten Minuten markierte sie beim Stand von 7:4 bereits vier Treffer per Strafwurf. Insgesamt versenkte sie fünf von sechs Versuchen. "Justine ist eine sichere Sieben-Meter-Schützin", sagte Linkohr.

Doch das Blatt wendete sich. In der 23. Minute war die Führung der Gastgeberinnen dahin. Linkohr sah "eine schwache Phase" seiner Mannschaft. "Es ist uns nicht gelungen, den gegnerischen Rückraum entscheidend zu stören." Er war Blombergs Herzstück. Insbesondere Gisa Klaunig und Leonie Oehme rissen das Spiel an sich. Vor allem Klaunig wusste mit 15 Treffern, davon sieben per Strafwurf, zu überzeugen. Die HSG II übernahm das Zepter, lag kurz vor der Pause mit drei Treffern vorn. Nach dem Geschmack von Gäste-Trainer Andre Fuhr "wurde diese Führung aber zu leichtfertig abgegeben". Vor allem Yvonne Sachses Wurf zum 14:15 aus beachtlicher Distanz war verhinderbar. Fuhr leitet eigentlich die Geschicke der ersten Mannschaft in der Bundesliga und vertrat die erkrankte Barbara Hetmanek.

Nach dem Seitenwechsel legte Linkohr mit einer Umstellung den Grundstein für den Sieg. Er löste die 6-0-Deckung auf und zog Thea Schwarz auf Spitze vor. Sie sollte Oehme aus der Partie nehmen, während "die anderen gebündelt auf Stefanie Schriever und Gisa Klaunig gehen sollten". Mit diesem Mittel zogen die "Wildgänse" Blomberg-Lippe den Zahn.

Die Deckung wurde so stabiler und zusätzlich von Keeperin Josephine Klauß unterstützt, die 17 Paraden zeigte und oft zur Stelle war, wenn sie es sein musste. So ging der HCS in Führung, behauptete diese bis zum Schluss. Linkohr kam schließlich zu dem Schluss, dass "wir in der Summe zurecht gewonnen haben".

Während Salzlands Coach trotz der Fehler mit dem Sieg zufrieden war, haderte sein Gegenüber. "Wir haben zu schwankend gespielt." Vor allem missfiel ihm, dass die HSG II sich zu sehr von Klaunig abhängig machte. Bis auf die 15-Tore-Frau habe sich keine Blombergerin ein Lob verdient, "das habe ich der Mannschaft auch so gesagt". Dennoch blickte er auf eine "körperbetonte und flotte Partie" zurück.

Während Hetmanek im Vorfeld äußerte, dass man nur mit einem Sieg noch Ambitionen nach oben hegen darf, spielt die Tabelle für Fuhr keine Rolle. "Die Zweite ist eine Ausbildungsmannschaft, in der Talente entwickelt werden sollen. Wir können nicht aufsteigen und wir werden nicht absteigen. Der Tabellenstand ist zweitrangig."

Ähnlich sieht es beim HC Salzland 06 aus, der dank des Erfolgs den vierten Platz festigte. "Diesen wollen wir bestätigen", erklärte Linkohr. Was weiter oben passiert, nehme er nur am Rande wahr. Schließlich warten noch schwere Auswärtsspiele auf die "Wildgänse". Entsprechend steht nun bereits die HSG Hannover-Badenstedt im Fokus, bei der Linkohr und Co. am Sonnabend ab 19 Uhr gastieren.