Wenn die Hoffnung wirklich zuletzt stirbt, musste sie der SV Germania Borne am Sonnabend endgültig zu Grabe tragen. Durch die 28:31 (17:15)-Niederlage im Heimspiel gegen den HSV Magdeburg ist der Abstieg aus der Handball-Sachsen-Anhalt-Liga auch rechnerisch besiegelt. Unter günstigeren Umständen hätte er am Wochenende aber zumindest hinausgezögert werden können.

Wolmirsleben l Es ist davon auszugehen, dass Sebastian Prosowski in der Nacht zum Sonntag Michael Jahns noch ein paar Mal im Traum erschienen ist. Wie hartnäckig sein "Schatten" am Sonnabend dem ligaweit besten Werfer zusetzte, wird beim Blick auf die Statistik deutlich: Konsequent von Prosowski per Manndeckung an die Kette gelegt, gelangen dem Ex-Bundesligaprofi in Reihen des HSV am Sonnabend nur sechs Treffer, die Mehrzahl von der Siebenmeterlinie.

Zugleich kann von der Annahme ausgegangen werden, dass auch Prosowski im Schlaf noch einmal von Erinnerungen heimgesucht wurde: Etwa jene aus der 47. Minute, als sein Versuch im Tempogegenstoß beim Stand von 22:19 um wenige Zentimeter das Tor verfehlte und geräuschvoll an den Pfosten klatschte. Etwa jene aus der 60. Minute, als ihm das nicht immer souveräne Schiedsrichtergespann Holstein/Melzer (Halberstadt/Niederndodeleben) einen Rettungsversuch als Abwehr im Raum auslegte, sich der anschließenden Diskussion eine Rote Karte mit Bericht anschloss und er von der Tribüne aus mitansehen musste, wie Magdeburgs Michel Poek von der Siebenmeterlinie das 30:28 aus Gästesicht erzielte.

Zwischen beiden Situationen lag eine Schlussphase, in welcher die Landeshauptstädter einen 24:28-Rückstand in eine eigene Führung verwandelten. Prosowski als alleinigen Sündenbock bei den Gastgebern auszumachen, würde dem guten Auftritt des Born`schen Rückraumspielers nicht gerecht werden. Doch wie das gesamte Team wurde auch er Opfer einer eigenartigen Dynamik, die den SV Germania erst den Vorsprung, dann die Belohnung und schließlich auch die Hoffnung auf den Klassenerhalt kostete.

Bis zum 28:27 (57.) hatte das Schlusslicht nämlich die Führung, die es vom Anwurf weg übernommen hatte, verteidigt. Mal komfortabel, wie bei den Stationen 12:8 (20.) und 25:22 (50.), mal knapp wie etwa beim 20:19 zehn Minuten nach Wiederbeginn. Doch während beim SVG Christian Fink letztmalig zum 28:24 (54.) traf, legten die Gäste in den in den fünf Minuten bis zur Schlusssirene einen 7:0-Lauf hin, der Bornes Widerstand ebenso brach wie äußere Einflüsse, etwa durch zumindest diskutable Strafwurf- oder Zwei-Minuten-Entscheidungen der Schiedsrichter.

Dem sicheren Abstieg zum Trotz blieb jedoch die Erkenntnis, dass in den verbliebenen drei Saisonspielen noch eine versöhnliche "Abschiedstournee" zu erwarten ist. Und wer weiß - vielleicht wird mancher Gegner selbst in der Sommerpause nachts gedanklich heimgesucht: von einem SV Germania Borne, an den man sich in der Sachsen-Anhalt-Liga erinnern wird.

SV Germania Borne: Krautwald, Brinkmann - Scholz (6), Prosowski (2), Fink (5), Dix (3), Halfpap (9), Schafflik (2), Lahne (2), Hagemeier, Süssig, Wegener, Heyer

HSV Magdeburg: Wiesner, Gleß - Schulz (2), Krüger (2), Brunsendorf, Keiser, A. Jahns (3), Piegorsch, Krug (6), Leo, Poek (10), Kostka, M. Jahns (6), Krämer (2)

Siebenmeter: SVG 3/3 - HSV 5/5; Zeitstrafen: SVG 6 - HSV 1; Rot: Benjamin Prosowski (60., Unsportlichkeit) -Borne-