Westeregeln. Motorcross oder Handball? Diese Frage stellte sich für Andy Weinhoff vor einigen Wochen. Dem Zehnjährigen fiel die Entscheidung nicht leicht. "Er wird noch ein, zwei Rennen fahren und will sich danach ganz auf Handball konzentrieren", erklärt Maurice Witt. Der Trainer der E-Jugend-Handballer des SV Wacker Westeregeln trug maßgeblich zum Wechsel bei, als er bei einem Spiel die Mutter von Andy einfach ansprach und sich mit ihr über eine halbe Stunde unterhielt. Nun gehört Andy seit drei Wochen zur Mannschaft und ist einer von 13 Kindern, die Witt zusammen mit Detlef Tiefert und Torwartcoach John Ebeling betreut.

Das Trio hat also derzeit alle Hände voll zu tun und kann sich auch über mangelnden Zulauf nicht beklagen. So wie am Mittwoch, als sich "zwei Neue" beim Probetraining vorstellten. Diese Situation freut auch Werner Kühner. Der Abteilungsleiter Handball war in den vergangenen Wochen fast schon Dauergast auf der Passstelle beim Handball-Verband Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Daraufhin wurde er seitens des Verbandes angesprochen, ob er sich nicht bei deren gemeinsamer Aktion mit E.ON Avacon "Förderpreis für hervorragende Nachwuchsarbeit" bewerben möchte. Kühner überlegte nicht lange, reichte die geforderten Unterlagen ein und erhielt Ende Januar die frohe Botschaft, dass der Verein für eine gute Nachwuchsarbeit ausgezeichnet wird. "Wir haben nicht mit dem Preis gerechnet", zeigt sich auch Witt überrascht.

Den ersten Teil des Preises löste sein Team dann am vergangenen Sonnabend ein. Dafür ging es zusammen mit den Eltern in einem Bus in die Landeshauptstadt, um beim Bundesligaspiel zwischen dem SC Magdeburg und dem TBV Lemgo dabei zu sein. Seine 14 Schützlinge waren aber nicht nur dabei, sondern auch mittendrin, denn als Aufgeh-Kinder durften sie ein Team aufs Feld begleiten. "Die Kinder waren richtig euphorisch", berichtet Witt. Als die Münze zugunsten der Lemgoer entschied, der zweite Preisträger SV Eintracht Gommern lief mit dem SCM auf, "waren die Kinder traurig", obwohl der TBV mit Weltmeistern wie Florian Kehrmann oder Carsten Lichtlein gespickt war. Für die Trainer Witt und Tiefert war dieser Moment, als ihre Schützlinge das Feld betraten, schon ein besonderer. Sie konnten auch ein wenig durchatmen, denn beide wurden immer wieder gefordert. Die strahlenden Kinderaugen ließen den Stress dann doch vergessen. Die Partie schauten sie sich dann auf der Tribüne hinter dem Tor an. Der krönende Abschluss war, so Witt, "dass der SCM überlegen gewonnen hat". Dieser Ausflug hat sich also gleich doppelt gelohnt.

Der zweite Teil des Gewinns, nämlich ein Preisgeld in Höhe von 1 000 Euro, wird zur Hälfte für die Anschaffung von Trainingsanzügen verwendet und die andere Hälfte für die Traineraus- und Weiterbildung. "Wir wollen uns persönlich weiterentwickeln", sagt Witt, der wie auch Tiefert über keine Lizenz verfügt. Beide sind aber dem Sport seit der Jugend verbunden. Witt erlernte das Handball-Abc bei der BSG Chemie Westeregeln, entschied sich dann aber im Alter von 13 Jahren zum Reitsport zu wechseln. Erst als seine Tochter Michelle die Leidenschaft zum Handball entdeckte und es Probleme bei der Trainerfindung gab, hatte den 38-Jährigen das Fieber wieder gepackt. Tiefert war über zwölfe Jahre bei der BSG Chemie aktiv, wechselte für drei Jahre nach Zwickau und widmete sich anschließend mehr der Familie und seinen Hobbies, beispielsweise Motorradfahren. Sein Enkelkind Dustin war dann der Auslöser, das er sich nun wieder, allerdings nicht auf, sondern neben der Platte engagiert. "Es macht einfach Spaß mit den Kindern zu arbeiten und sie weiter zu entwickeln", sind sich beide einig. Besonders schätzen die beiden "den Zusammenhalt innerhalb des Teams. Es gewinnt oder verliert nicht einer, sondern alle".

Das Manko in der Hinrunde, die Abschlussschwäche, bekommt das Team nun immer besser in den Griff. "Das intensive Training zahlt sich aus", weiß Witt. Ein wichtiges Spiel gegen den Tabellennachbarn HT Halberstadt steht heute um 13 Uhr auf dem Plan. Auf dieses freut sich auch schon Andy, der mit seinem neuen Team einen Erfolg anvisiert.

 

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