Staßfurt/Schmiedefeld (sam). Der Rennsteiglauf hat Kultstatus erreicht, es ist ein Volkslied nach ihm benannt ist. Der Thüringer Herbert Roth setzte dem Rennsteig vor mehr als 50 Jahren ein musikalisches Denkmal. "Diesen Weg auf den Höh´n bin ich oft gegangen, Vöglein sangen Lieder. Bin ich weit in der Welt, habe ich Verlangen, Thüringer Wald nur nach dir", heißt es im Refrain. Der Rennsteiglauf übt seit fast 40 Jahren eine ganz besondere Faszination aus, dieser sind nun auch die Bode Runners der Gaensefurther Sportbewegung erlegen. Seit Tagen steigen die Vorfreude, aber auch der Schlafmangel und der Adrena-linspiegel. Für die Läufer ist das vor einem Event jedoch nichts Ungewöhnliches. Hinzu kommt ein Gefühl von Ungewissheit, denn noch wissen Isa Höber, Jens-Uwe und Sabine Börner, Lutz Klauß sowie Heidi und Ronald Rabenstein nicht, was sie bei der 39. Auflage des GutsMuths-Rennsteiglaufs erwartet.

Er hat sich in den vergangenen Jahren zu Europas größtem Crosslauf entwickelt, der heute erneut mehr als 15 000 Aktive in seinen Bann ziehen wird. Die Starter kommen nicht mehr nur aus Deutschland, sondern mittlerweile aus der ganzen Welt. So sind bereits Meldungen aus 35 Ländern eingegangen, unter anderem aus Chile, Neuseeland oder Australien.

Isa Höber fungiert als "Antreiberin" für die Bode Runners. Sie wurde von ihrem Arbeitskollegen Paul Thüne motiviert, daran teilzunehmen. Der Egelner ist im GutsMuths Rennsteiglaufverein aktiv und nahm schon mehrfach am "Kultlauf" teil. Höber wird die Königsdisziplin, den Supermarathon über 72,7 Kilometer, in Angriff nehmen. "Ich suche mir immer wieder neue Herausforderungen", begründet sie ihren Start. In den vergangenen Tagen spürte sie eine gewisse Nervosität, die auch ihrem Laufpartner Jens-Uwe Börner nicht verborgen blieb. "Sie ist hibbeliger als sonst", stellte er fest.

Spätestens heute nach dem Startschuss, wird sich diese wohl legen. Die gebürtige Erfurterin muss allerdings sehr früh aufstehen. Auch ohne lange Anreise. "Ein Hotel in Eisenach ist bereits gebucht." Das in weiser Voraussicht, denn bereits um 6 Uhr werden die Läufer in die Spur geschickt. Höber ist dann nur eine von etwa 2000 Startern, die sich vom Marktplatz in Eisenach (Start) in Richtung Zielort Schmiedefeld in Bewegung setzt.

Die Strecke ist gespickt mit zahlreichen Anstiegen, unter anderem mit einem großen über knapp drei Kilometer über den "Oberen Beerberg" (841 Meter) zum Inselsberg (916 Meter). Auf eine Verpflegungsstation freut sich Höber ganz besonders. Es ist die "Ebertswiese", etwa bei Kilometer 37, an der die Läufer den sehr beliebten Haferschleim gereicht bekommen. Es geht weiter über den Grenzadler (837 Meter) bei Oberhof, dann folgt ein weiterer Anstieg zum Großen Beerberg, der mit seinen 982 Metern der höchste Punkt des Thüringer Waldes ist, bevor es dann zum höchsten Punkt der Strecke "Plänckners Aussicht" (973 Meter) unterhalb des Gipfels des Großes Beerbergs geht. Ist dieser erreicht, geht es fast nur noch bergab und der Zielort - der Sportplatz in Schmiedefeld - ist nicht mehr fern. Die Zeit spielt für Höber keine Rolle. "Ich will nur ankommen", betont sie.

Das gleiche Ziel verfolgen Jens-Uwe und Sabine Börner, die um 9 Uhr in Neuhaus über 43,5 Kilometer aufbrechen. Bevor allerdings der Startschuss fällt, wird erst einmal geschunkelt und gesungen, denn ohne den "Schneewalzer" wird kein Marathoni auf die Strecke geschickt. Um sich optimal auf diesen Lauf vorzubereiten, startete Jens-Uwe vor wenigen Wochen beim Kyffhäuser-Berglauf in Bad Frankenhausen über die gleiche Distanz und schwor sich danach: "Nie wieder Marathon." Sein Vorsatz hielt nicht lange, hatte er sich doch bereits für den Traditionslauf in Thüringen angemeldet und befand sich mittendrin in den Vorbereitungen. Eigentlich waren dafür zwölf Wochen angedacht, der Hecklinger reduzierte diese auf 21 Tage. "Ich bin jedes Wochenende 35 Kilometer gelaufen", betont er. Allerdings musste er bei seinen Trainingsläufen noch auf seine "geliebten Berge" verzichten. "Wir haben in Staßfurt nicht so viele Anstiege und sind eher Flachlandläufer. Daher war der Berglauf eine gute Vorbereitung."

Den Marathon heute wollen er und seine Frau genießen. "Wir möchten jede Verpflegungsstation mitnehmen und satt ins Ziel kommen", flachst Jens-Uwe. Während Sabine schon vor dem Start "die Dusche danach" herbeisehnt, ist es bei ihrem Mann die Vorfreude auf ein Original - die Thüringer Rostbratwurst.

Diese werden sich vielleicht Klauß sowie Heidi und Ronald Rabenstein nach ihren Zieleinläufen ebenfalls schmecken lassen. Das Trio startet über die Hälfte der Distanz. Der Halbmarathon erfreut sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Insgesamt haben sich knapp 7000 Läufer angemeldet, die heute um 7.30 Uhr an der Therme des bekanntesten Wintersportortes in Oberhof starten.

Klauß muss sich hingegen mächtig sputen, will er rechtzeitig am Start sein, denn er kommt aus der Nachtschicht. "Es wird eng", schaut er voraus. Dennoch will er sich dieses Event auf dem wohl traditionsreichsten Wanderweg nicht entgehen lassen.