"Hier regiert der SKV..." So jubelten die Zerbster Classic-Kegler am Sonntag in Mutterstadt lautstark, nachdem ihnen die Titelverteidigung beim DKBC-Pokalfinale gelungen war.

Mutterstadt l Doch bis zum dritten Titel der Saison nach Weltpokal und deutscher Meisterschaft gab es auf den schwer zu bespielenden Bahnen des KV Mutterstadt ein hartes Stück Arbeit zu bewältigen.

Denn die von hohen Ergebnissen weit jenseits der 600er Marke verwöhnten SKV-Stars taten sich besonders im Halbfinale am Sonnabend gegen den Ligadritten Nibelungen Lorsch recht schwer und spannten sowohl die Offiziellen des Vereins als auch die mitgereisten Fans mächtig auf die Folter. "Bis zum dritten Satz im Schluss-Durchgang war ich mir nicht sicher, dass wir das Finale erreichen", resümierte ein erleichterter SKV-Präsident Lothar Müller.

Zwar starteten die Rot-Weißen mit dem besten Spieler des Turniers, Torsten Reiser (2:2, 605), stark, doch Thorsten Gutschalk (583) auf Lorscher Seite hielt durch zwei gute Schluss-Bahnen den Kegelabstand in Grenzen. Da sich Mathias Weber (2:2, 582) dem furiosen Schluss-Spurt von Jurek Osinski (583) nach zwei Fehlwürfen kurz vor Schluss noch wegen einem weniger erzielten Kegel beugen musste, stand ein 1:1-Unentschieden bei nur 21Kegeln mehr an der Anzeige.

Im Mittelpaar ereilte Uros Stoklas (2:2, 567) das gleiche "Debakel" wie Weber, denn Michael Straub (568) traf gegen den mit dem schlechten Kegelschlag hadernden Slowenen ebenfalls einen Kegel mehr. Bloß gut für die Zerbster, dass Axel Schondelmaier (2:2, 551) gegen Holger Walter (539) nach schwachem Beginn eine 161er Topbahn gelang und so der zweite SKV-Mannschaftspunkt (MP) sicher war.

Teamchef Timo Hoffmann blieb noch immer gelassen: "Wir sind in der Breite besser als der Gegner und werden uns zum Sieg kämpfen."

"Die Pflichtaufgabe Finaleinzug ist geschafft. Ein gutes Pferd springt eben nur so hoch, wie es muss."

SKV-Sportwart Andreas Förster.

Cosmin Craciun (3:1, 581) beruhigte mit einer souveränen Leistung gegen Bernd Walter (564) dann recht schnell die Gemüter der "zitternden" SKV-Anhängerschar. Thomas Schneider (2:2, 601) hatte zum Schluss dass Glück des Tüchtigen, denn Michael Schmitt (600) traf im letzten Wurf nur eine Vier, so dass dieses Mal der eine Plus-Kegel den Ausschlag zugunsten des Zerbsters gab.

Mit diesem hart erkämpften 6:2 (3487:3437)-Sieg stand der SKV im Finale. "Die Pflichtaufgabe Finaleinzug ist geschafft. Ein gutes Pferd springt eben nur so hoch, wie es muss", meinte ein schmunzelnder und zumindest mit dem Endergebnis zufriedener SKV-Sportwart Andreas Förster.

Das zweite Halbfinale gewann Bundesligist Donauperle Straubing nach ebenso engem Spiel gegen den Bayernligisten BMW Landshut mit 6:2.

Die Zielstellung für das sonntägliche Finale war klar: "Wir sind hier, um den Pott zu verteidigen. Wir haben aber auch gesehen, dass es auf dieser schweren Bahn höchster Konzentration bei jedem Wurf bedarf, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Also reißt euch im letzten Klubspiel der Saison noch einmal richtig zusammen und spielt von Beginn an auf Angriff", motivierte Hoffmann seine Spieler.

Dies zeigte Wirkung, denn gegen die Bayern aus Straubing legten die Rot-Weißen los, wie die Feuerwehr. Reiser (3:1, 605) bewies, trotz Autopanne unmittelbar vor dem Spiel, erneut, dass auch in Mutterstadt die 600er Marke kein Teufelswerk ist. Mit konstantem Spiel wies er Rupert Atzberger (533) klar in die Schranken. Schondelmaier (3:1, 598) steigerte sich gegenüber dem Vortag enorm und ließ dem ehemaligen Zerbs- ter Radek Hejhal (574) keine Chance.

So war das Finale bei 96 Kegeln Vorsprung und einer 2:0-Führung nach MP praktisch entschieden. "Ich bin zwar immer sehr aufgeregt, aber heute konnte ich meine Nerven zeitig schonen", meinte Präsident Müller erleichtert.

Der neu ins Team gerückte Christian Helmerich (3:1, 576) dominierte über drei Bahnen seinen Gegner Robin Parkan (561), verdarb sich mit einer schlechten Schlussbahn ein noch besseres Resultat. Einzig Stoklas (0:4, 559) fand erneut keine Einstellung zur Bahn und war dem besten Straubinger, Jiri Nemec (595), in allen Belangen unterlegen.

Die Zerbster Schluss-Spieler machten dann den überlegenen Sieg perfekt. Craciun (3:1, 576) war zwar mit seinem Gesamtergebnis nicht ganz zufrieden, hatte aber gegen Manfred Herzog (540) keine Mühe. "Ich wollte heute über 600 Kegel spielen. Schade, aber es hat ja zum Sieg gereicht", meinte der Rumäne zu seinem eigenen Spiel.

Boris Benedik (4:0, 583) verpasste zwar auch die 600er Marke, spielte aber souverän sein Pensum herunter und holte gegen das Duo Manuel Lallinger, der wegen Kreislaufpro- blemen ausgewechselt werden musste und Martin Atzberger (zusammen 539) sicher den letzten Zerbster MP.

So wurde nach dem 7:1 (3497:3342)-Sieg kräftig gefeiert. Das "Immer wieder SKV...", "Hier regiert der SKV..." oder "Poookalsieger Rot-Weiß Zerbst..." hallte noch lange durch die schöne Mutterstädter Kegelanlage.

"Der Pott ist wieder in Zerbst, da gehört er auch hin", jubelte Förster nach der Siegerehrung. Und auch Müller konnte sein verschmitztes Lächeln nicht verbergen: "Das war ein toller Abschluss einer tollen Saison." Nur Kapitän Hoffmann hatte etwas zu "mäkeln": "Wir haben drei von vier möglichen Titeln geholt. Das sind `nur` 75 Prozent. Da haben wir in der kommenden Saison ja noch etwas aufzuholen."

Für fünf SKV-Kegler geht es noch nicht in die verdiente Sommerpause. Für Weber, Schondelmaier (beide für Deutschland), Craciun (Rumänien), Benedik und Stoklas (beide für Mazedonien) steht Mitte Mai die Einzel-Weltmeisterschaft in Brno (Tschechien) an.

"Darauf wollen wir uns nochmal konzentrieren. Es geht gleich am Montag zum Kadertraining der National-Mannschaft nach Zwickau", schaute Weber bereits voraus.

Und Teamchef Hoffmann meinte abschließend: "Aus Klubsicht haben wir mit der Mannschaft eine tolle Saison gespielt. Jetzt sollen die Nationalspieler, jeder für sein Land, bei der WM zeigen, dass sie auch sehr gute Einzelspieler sind."

Alle Ergebnisse sind im Internet unter www.dkbc.de eingestellt.

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