Coswig (mz/sza). Die Fußball-Kreisoberligamannschaft und die Kreisligaformation des SV Blau-Rot Coswig planen ihre Abschiedstournee. Mit Beginn der Saison 2011/12 wollen die Elbestädter komplett vom Kreisfachverband Wittenberg (KFV) zum KFV Anhalt wechseln. Coswig war 2007 im Zuge der Gebietsreform dem Wittenberger Verband zugeordnet worden. Zweimal wurde seitdem vom Verein ein Antrag gestellt, wieder in den alten Verband zurückzukehren.

Mit der jetzt beim Staffeltag des KFV Wittenberg erteilten Wechselzustimmung (die Anhalter hatten bereits im Dezember offiziell einer Rückkehr zugestimmt) scheinen alle sehr gut leben zu können. In Coswig herrscht erwartungsgemäß große Freude. Fußball-Abteilungsleiter Thomas Hillienhoff nennt die Zustimmung eine Entscheidung, "die uns alle sehr glücklich macht. Wobei ich ehrlich gesagt auch damit gerechnet hatte, dass der Wittenberger Verband uns ziehen lässt". Hillienhoff betont, dass die Trennung respektvoll über die Bühne ging. "Alte Geschichten sind kein Thema mehr." Auch werde man die verbleibenden Partien in den beiden Ligen sportlich fair und engagiert absolvieren.

Stephan Gräfe, Vorsitzender Spielausschuss KFV Wittenberg, zeigt sich erleichtert, dass das Thema nun endlich vom Tisch ist. "Coswig hatte den massiven Wunsch zum Wechsel. Und wenn wir erneut nicht zugestimmt hätten, wäre Blau-Rot spätestens zum Saisonende das dritte Mal an uns herangetreten. Jetzt kehrt endlich Ruhe im Fall Coswig ein."

Der Wechsel kommt, dies ist klar. Trotzdem bleiben Fragen. Nämlich die, welche Auswirkungen das Ganze auf den Spielbetrieb bei beiden Kreisfachverbänden hat. Die Antwort: keine. Bei beiden Verbänden werden die Auf- und Abstiegsregelungen nicht verändert. Gräfe erklärt die Sicht der Wittenberger. "Wir wollen jetzt nicht alles umwerfen." Punkt eins: In beiden Ligen geht es für die Coswiger normal weiter, Blau-Rot wird bei den Anhaltern die Saison 2011/12 in den Ligen beginnen, in denen man die Serie 2010/11 beendet.

Keine Formation wird somit jetzt etwa automatisch als Absteiger geführt. Punkt zwei: Über das Thema Aufstieg sieht man bei beiden Mannschaften keine Veranlassung für Gedankenspiele. "Realistisch betrachtet mischt Coswig auch nicht bis zum Saisonende im Kampf um die vordersten Plätze mit", so Gräfe.

Für die Varianten Klassenerhalt und Abstieg gilt folgendes: Coswig II steigt automatisch ab, sollte die Erste aus der Kreisoberliga abrutschen. Zwei Mannschaften eines Vereines dürfen nicht in einer Liga spielen. Halten die zwei Formationen ihre Klasse, bleibt je ein Platz nach dem Ausscheiden der Coswiger offen. Gräfe: "Wir werden dann für eine Saison in der Kreisoberliga und Kreisliga Wittenberg mit 15 statt mit 16 Mannschaften auflaufen." Sollte nur Coswig II absteigen, würde dies bedeuten, dass die Kreisliga unverändert in der Anzahl der Teams bleibt, dafür reduziert sich die Kreisklasse um eine Mannschaft (elf statt zwölf). Gräfe erklärt, "dass dies die in unseren Augen sinnvollste Regelung ist, um unnötige Unruhe mitten in der Meisterschaft zu vermeiden".

Den gleichen Weg geht der KFV Anhalt. Bernd Sitte, Staffelleiter Kreisoberliga, stimmt Gräfe zu: "Jetzt alles umplanen bringt nichts. Darauf hatten wir uns bereits beim Staffeltag im Dezember geeinigt." Hauptanliegen war es, dass die Coswiger niemanden verdrängen. "Wir werden bei uns für eine Saison in den betreffenden Klassen mit einer Mannschaft mehr, also den Coswigern, auflaufen. Dies hat nur zur Folge, dass sich die Serie 2011/12 um vier Spieltage verlängert."

Jetzt scheint alles geklärt. Oder? Noch nicht ganz. Auch wenn beide Kreisfachverbände dem Wechsel offiziell auf den Staffeltagen zugestimmt haben, in Anhalt wartet man noch auf das entsprechende Bestätigungsschreiben. Staffelleiter Sitte weist ausdrücklich auf einen wichtigen Termin hin. "Bis zum 28. Februar muss uns die schriftliche Genehmigung des Wittenberger Verbandes vorliegen. Nur auf Zuruf agieren wir nicht."

Habe man bis zu diesem Stichtag nichts auf dem Tisch, "würde es mir für Coswig sehr leid tun, aber dann klappt es nicht, dass die Blau-Roten wechseln". Ihn würde es aber wundern, wenn der Brief nicht rechtzeitig auf Reisen geht.