Viel hatten sich die Verbands-liga-Handballer des HSV 2000 Zerbst für ihr Auswärstspiel beim Tabellennachbarn Staßfurt vorgenommen, nachdem das Hinspiel denkbar knapp und unglücklich mit einem Tor verloren ging. Übrig bleibt jedoch nur die Ernüchterung über den Rückfall in alte, eigentlich abgestellte, Gewohnheiten. Durch einen kollektiven Totalausfall in allen Mannschaftsteilen setzte es bei der Staßfurter Regionalliga- Reserve eine deftige 27:36 (14:18)-Klatsche für den HSV.

Staßfurt (dae).Der HSV konnte nach dem Sieg in Bernburg in der Vorwoche mit breiter Brust nach Staßfurt reisen. Dementsprechend viel hatten sich Trainer Bodo Benecke und seine Mannschaft auch vorgenommen. Mit einer "vollen Kapelle" ging der HSV die Auswärstaufgabe beim Tabel- lennachbarn an. Lediglich Hannes Pöls fehlte. Um so verwunderlicher war die Startformation der Zerbster. Sebastian Daudert, Jonas Hohmann und Matthias Krümmling fanden sich zunächst auf der Bank wieder. Das Konzept ging nicht auf. Die Staßfurter Rückraumschützen fanden immer wieder den Weg am Block vorbei und konnten sich förmlich die Ecke aussuchen.

Auf der Gegenseite fehlte den Zerbstern die nötige Durchschlagskraft, um nicht gleich am Anfang den Anschluss zu verlieren. Im Mittelblock war David Maerten bei der offensiven Ausrichtung der Deckung sichtlich überfordert, aber auch Ralph Steffen und Tino Tiepelmann auf den Halbpositionen zeigten ungewöhnliche Schwächen im Deckungsspiel.

Trainer Benecke reagierte und stellte die Abwehr um. Eine deutliche Steigerung war nicht zu erkennen. Im Angriff wurden weiterhin die Bälle zu leichtfertig vergeben und so der Gegner immer wieder zu Kontern eingeladen. Entnervt verließ Keeper Hardy Haberland bereits nach acht Minuten seinen Kas- ten. Sein Gegenüber im anderen Tor trieb die Zerbster dagegen zur Verzweiflung. Ein ums andere Mal hielt er schwierigste Bälle und gab seinem Team so den nötigen Rückhalt.

Nach 15 Minuten (12:5) dann die längst fällige Auszeit der Zerbster. Kapitän Daudert, Hohmann und Krümmling kamen auf das Feld. Von nun an lief das Zerbster Spiel besser. Die Deckung agierte aggressiver und im Angriff war es vorallem Tiepelmann, der den HSV im Spiel hielt. "Die Schiedsrichter-Leistung war bis hierhin noch in Ordnung. Warum jedoch bei einem klaren Siebenmeter- und Zeitstrafenpfiff nach einer Aktion gegen Tiepelmann auf Stürmerfoul entschieden wurde, war keinem klar", äußerte David Maerten. Der HSV ließ sich jedoch nicht beirren und spielte weiter, versuchte den Rückstand zu minimieren. Durch einen 9:6-Lauf in den zweiten 15 Minuten der ersten Halbzeit konnte das Ergebnis bis zur Pause etwas erfreulicher gestaltet werden und ließ auf den zweiten Durchgang hoffen (18:14).

"Mit Wiederanpfiff zeigte sich eine kämpferische Zerbster Mannschaft, die jedoch jäh von eigenen Fehlern sowie etlichen strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen ausgebremst wurde", so Maerten. Bis auf 16:19 kamen die Zerbster heran, versäumten es aber, in der Folge klarste Torgelegenheiten zu nutzen. "Auch der Gastgeber schien verunsichert, konnte sich aber in der Anfangsphase der zweiten Hälfte auf die Schiedsrichter verlassen, die nun beim ein oder anderen Schrittfehler wegschauten oder auch beim Betreten des Sechs-Meter Raumes beide Augen zudrückten. Das brachte nicht nur Trainer Benecke auf die Palme (Gelb), auch bei den Spielern lagen die Nerven mittlerweile blank", so der HSV-Spieler.

Die Zerbster kassierteninsgesamt vier Zeitstrafen wegen Meckerns (2x Lewin, Krümmling, Steffen). Auch einen angeblichen Wechselfehler der Zerbster Torleute wollten die beiden Offizielen am Kampfgericht gesehen haben.

Ein richtiges Konzept war von nun an im Zerbster Spiel nicht mehr zu erkennen. Die Spieler verstrickten sich in Einzelaktionen, Spielfluss war in dieser Phase mal wieder ein Fremdwort. So zog Staßfurt Tor um Tor davon. Die oftmals von ihrer Deckung im Stich gelassenen Torhüter Haberland und Sebastian Engler machten leider auch nicht ihr bester Spiel an diesem Nachmittag.

Bis auf zwölf Tore zog der HV in der 55. Minute davon. Ein letztes Aufbäumen in den Zerbster Reihen war zu spüren, sodass das Ergebnis mit 36:27 wenigsten unter zehn Toren Differenz gehalten werden konnte. Dass sich darüber keiner freuen wollte, ist verständlich, angesichts der miserablen Leistung auf allen Positionen.

Dieses Spiel hat gezeigt, dass die Zerbster über ihre geschlossene Mannschaftsstärke und vorallem über eine solide Deckung ins Spiel finden müssen, um sich so von Minute zu Minute zu steigern. Hinzu kommt, dass die Chancenverwertung in den kommenden beiden Spielen gegen Halle und Erdeborn wieder besser werden muss.

Trainer Benecke sowie auch die Spieler werden sicherlich ihre Lehren ziehen, um am kommenden Wochenende zuhause gegen den Tabellenführer aus Halle eine andere Leistung abzurufen und um ihren Fans im letzten Heimspiel der Saison eine gute Partie zu liefern.

HSV:Haberland, Engler - Daudert (7/3), Bergholz (1/1), Maerten (1), Tiepelmann (5), Hohmann (3), Els (6), Kämpfer, Krümmling, Steffen (3), Lewin (1).