Tabellenführer Einheit Halle II behielt am Sonnabend-Nachmittag im letzten Heimpunktspiel des HSV 2000 Zerbst in der Handball-Verbandsliga die Oberhand und siegte mit 36:33 (17:16). Die Heimmannschaft verpasste es, in den letzten 180 Sekunden eine doppelte Überzahl zu nutzen und ver- gab so ein verdient besseres Ergebnis. Nur 144 Zuschauer waren in der Halle.

Zerbst (hjs). Beim HSV fehlte Trainer Bodo Benecke, der von Sebastian Siebert vertreten wurde. Dazu musste der HSV auf Oliver Kämpfer verzichten. Die Hallenser reisten nur mit neun Spielern an. Interessant, dass mit Matthias Niestroy (sollte am Abend in Halle aus der Ersten verabschiedet werden - d. Red.) und Dimitri Radkevitch (ehemals Spielertrainer der ersten Mannschaft - d. Red.) Akteure im Aufgebot standen, die in den vergangenen Jahren drei Klassen höher zum Einsatz kamen.

Höherklassig spielte auch schon der brandgefährliche Benedikt Schmidt (10 Tore), der auf beiden Außenbahnen und vom Siebenmeterpunkt für Hallenser Tore sorgte.

Nach der Gäste-Führung erzielte der vor dem Spiel verabschiedete Tobias Els das 1:1. Danach versuchten beide Mannschaften, mit schnellem Spiel zum Erfolg zu kommen. Mehr körperlichen Druck zeigten dabei die ballsicheren Hallenser. Der HSV versuchte über Aggressivität in der Abwehrarbeit die Saalestädter zu verunsichern. Hinten hielt Hardy Haberland, was es zu halten gab. Hätte der wieselflinke Els seine Chance genutzt und Daudert (sagenhafte 14 Tore) noch überlegter geworfen, eine Zerbster Führung wäre möglich gewesen. Dagegen nutzten die technisch gut ausgebildeten Hallenser (Sportgymnasium) ihre Möglichkeiten, "wackelten" einige Male ihre Gegenspieler aus und brachten sich so nach herrlichem Kempatrick (Radkevitch/ Niestroy) in Front (11./8:6).

Der HSV hielt aber gegen. Erik Lewin verwandelte einen Siebenmeter zum 8:8-Ausgleich. Bei den Zerbstern saß Ralph Steffen langeauf der Bank, war sichtlich damit unzufrieden. Auf der Aufbauposition kam nun David Maerten, sollte im Eins gegen Eins für Druck sorgen. Der Zerbster kam in dieser Saison nach eigener Aussage schon auf allen Feldpositionen zum Einsatz, sieht aber mehr im mittleren Rückraum seine Stärken.

Zerbster bleiben dran

Die Zerbster blieben dran, ließen den Tabellenführer nicht außer Sichtweite (23./12:13). Als Halle den vierten Siebenmeter zum 14:12 (27.) nutzte, nahm Trainer Siebert die fällige Auszeit zum richtigen Zeitpunkt. Danach schaffte Daudert mit tollen Einzelleistungen das 15:15.

Dann überschlugen sich die Ereignisse: Siebenmeter für Halle (Schmidt 29./16:15), Els lief allen davon, vergab aber unglücklich. Mit Blick zur Uhr erzielten die Hallenser Sekunden vor dem Halbzeitpfiff dann clever die 17:16-Führung.

"Das Spiel war für diese Klasse nicht hochklassig, hatte aber trotzdem viel zu bieten und eigentlich mehr als nur 144 Zuschauer verdient. Dazu kam eine für ein letztes Heimspiel nicht gerade berauschende Organisation. Hier sollte man sich beim HSV hinterfragen, ob allen im Vorfeld bewusst war, dass gerade sich mit diesem Spiel eine große Chance bot, das Image des Zerbster Vereins weiter aufzupolieren", äußerte Vizepräsident Hans-Jürgen Schilling.

Mit Freibier für die Fans und einem noch engagierteren HSV ging es in die zweiten 30 Minuten. Tino Tieplemann, "wie hat sich der Außen doch gemausert" (Schilling), warf mit Einsatz das 17:17. In der Halle wurde es immer lauter. Vereinzelte Schmährufe ignorierten die erfahrenen Schiedsrichter (Pohl/ Krause).

Mit einstudierten Spielzügen und körperlich präsenterer Abwehrarbeit (Niestroy) gingen die Saalestädter wieder zwei Tore in Front. Der leicht "angefressene" Steffen kam und kanonierte nun seine Sprungwürfe ins gegnerische Netz (38./ 19:20). Der Hallenser Keeper (noch A-Jugend) stand dabei regungslos unter dem Quergebälk. Steffen war im Spiel angekommen. Siebert wechselte durch, schuf so neue taktische Fronten (Hohmann Rechtsaußen). Die spielerisch reiferen Hallenser ließen sich die Führung aber nicht mehr streitig machen.

Schmidt zog seine Galashow auf Außen ab, die nur von Daudert getoppt werden konnte. Hinten, inzwischen stand der gute Sebastian Engler im HSV-Tor, wurden die Löcher beim HSV immer größer, funktionierte das Abwehrräderwerk nicht mehr störungsfrei. Der Tabellenführer sah bis zur 57. Minute (33:31) wie der Sieger aus. Der Hallenser Robert Pannicke wurde vorzeitig zum Duschen geschickt. Danach eine weitere Zeitstrafe für die Gäste und zwei Minuten gegen den aufgebrachten HV-Trainer.

HSV nutzt Räume nicht

Der HSV war zur offensiven Manndeckung übergegangen, wagte alles. Dann sogar bis zum Abpfiff doppelte Überzahl für die Zerbster (6:4). Doch der HSV nutzte seine Räume und dicken Chancen nicht. Dagegen demonstrierten die Gäste eindrucksvoll ihre individuelle Klasse (Schmidt, Radkevitch) und entschieden so das Überzahlspiel 3:2 für sich. Das war die Entscheidung gegen den HSV und der 36:33-Sieg für den Aufsteigers.

Der HSV hat sich trotzdem gegen die individuell wohl beste Mannschaft der Liga wacker geschlagen und wurde entsprechend von den eigenen Fans mit viel Applaus verabschiedet.

Zerbst: Haberland, Engler - Lewin (2/1), Tiepelmann (2), Maerten, Daudert (14/2), Krümmling (2), Markmann, Pöls, Hohmann (2), Els (3), Siebert, Steffen (8). Trainer:Siebert. Zuschauer: 144.

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