Sotschi - Der 57-jährige Sergej sagt es mit Stolz in der Stimme. "Ohne uns könnten die Stars der Winterspiele einpacken", betont der Russe und streicht sich durch das kurze graue Haar.

Ob Eislauflegende Jewgeni Pluschenko oder Eishockeyprofi Alexander Owetschkin: Bei Olympia in Sotschi bereitet Sergej den Athleten die Bühne - als ein Fahrer eines "Schuhkartons auf Rädern", wie Spötter die sperrigen Eismaschinen nennen. "Die Leute wissen nicht, wie schwer das ist", sagt aber Sergej. Vor Tausenden in der Halle und oft Millionen an den Fernsehern dürfe ein Fahrer keinen Fehler machen.

Rund 2900 Athleten kämpfen noch bis Sonntag in der Kurstadt am Schwarzen Meer um Edelmetall. Hinter den Kulissen sind Zehntausende Helfer wie Sergej im Einsatz, um für einen reibungslosen Verlauf zu sorgen. Sie bleiben im Hintergrund. "Wir haben gar keine Zeit zur Selbstdarstellung", sagt er der Nachrichtenagentur dpa.

Sein Kollege Pjotr stimmt zu: "Wir machen täglich frühmorgens Dienstpläne für alle Hallen und müssen dabei Trainings- und Wettkampfzeiten beachten." Bei seiner Fahrt übers Eis nehme er das Publikum nicht wahr. "Ich muss mich konzentrieren, wir haben in den Drittelpausen nur wenige Minuten Zeit", erzählt der 32-Jährige.

"Zamboni", so heißen weltweit die Fahrzeuge allgemein - nach dem Erfinder der Technik, dem US-Amerikaner Frank J. Zamboni. Pjotr nennt seine Eismaschine aber "Ruslan", weil ihm "der Name gefällt". Ruhig sitzen die Fahrer im bunten Outfit der Spiele am Lenkrad und drehen in der Drittelpause mit rund 15 Stundenkilometern ihre Runden.

Die Maschine, auf der die Maskottchen der Spiele aufgeklebt sind, kratzt Eisreste ab und trägt eine neue Wasserschicht auf, die schnell friert. "Bisher klappt alles gut. Also an uns liegt es nicht, wenn Russland kein Gold im Eishockey holt", sagt Sergej und lacht heiser.

Auch der 33-jährige Nikolai drückt den Stars seines Landes die Daumen. Der Russe arbeitet als Streckenposten in der Region Krasnaja Poljana, wo die Ski- und Rodelwettkämpfe stattfinden. Er habe dort zwar das malerische Kaukasusgebirge vor sich, aber eigentlich nur Augen für Olympia. "Streckenposten ist ein Job mit Verantwortung", sagt Nikolai. Er kümmert sich an der Rennstrecke um das Vereisen der Piste und die Sicherheitszäune. Ein "Berg voller Arbeit" sei dies.

An seiner Seite leistet Natalia Salmina Freiwilligendienste als Volunteer. "Ich komme aus der Stadt Ufa und bin verantwortlich für die Medienarbeit", sagt die Mittdreißigerin mit den streng zurückgekämmten Haaren. Rund 37,5 Milliarden Euro haben die Spiele am Schwarzen Meer gekostet - aber dass sie für die oft anstrengende Arbeit kein Geld bekomme, störe sie nicht. "Ich denke lieber nach, wie wir unsere Aufgabe lösen", sagt Natalia etwas staatstragend.

Salmina ist eine von rund 25 000 Volunteers hinter den Kulissen des Weltsportereignisses, die sich um Athleten, Politiker und Sportgäste kümmern. "Probleme kennen wir freiwilligen Helfer eigentlich nicht", sagt sie pathetisch, "sondern nur Ziele."