Sotschi - Experte Fritz Sörgel hat die Aussagen von Chef de Mission Michael Vesper zum Doping-Fall Evi Sachenbacher-Stehle scharf kritisiert und ihm Unwissenheit vorgeworfen.

"Kurz vor Ende der Winterspiele in Sotschi lässt der längst nicht mehr tragbare Herr Vesper seinen üblichen Kracher bei Großveranstaltungen los", sagte Sörgel. Er vergleiche das Stimulanzmittel Methylhexanamin mit Heroin und komme zu der "beglückenden Feststellung für den deutschen Sport, dass der Energieriegel ja doch nicht so schlimm sei wie Heroin". Die Biathletin war positiv auf ein Stimulans getestet worden. Sie hatte ein verunreinigtes Nahrungsergänzungsmittel als Ursache genannt.

"Man mag solche Vergleiche am primitivsten Stammtisch hören, aber von einem Topfunktionär des deutschen Sports?", kritisierte der Pharmakologe aus Nürnberg. Auch Alfons Hörmann, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), attackierte er. "Die Beiden mögen gut harmonieren, aber wenn sie weiter im Amt bleiben, stürzt der deutsche Sport weiter ab", meinte Sörgel. "Diese beiden Funktionäre verharmlosen." Wenn man die Dopingfälle der letzten Jahre mit einbeziehe, sei Deutschland "eine nicht besonders gut dastehende Doper-Nation, wenn man uns mit England, Frankreich oder anderen Industrieländern vergleicht". Sörgel: "Unsere Unschuld ist weg, auch wenn man am Schluss sagen wird, dieser böse Mentaltrainer."

Die Strafanzeige gegen unbekannt, die der DOSB im Fall Sachenbacher-Stehle gestellt hat, und dessen Ankündigung, der Staatsanwaltschaft München alle Informationen zur Verfügung zu stellen, hält er auch für Unfug. "Was soll das nun wieder. Die ermitteln bereits. Vom DOSB werden sie nicht viel Verwertbares brauchen. Er hat bereits versagt, als er Evi Sachenbacher-Stehle nicht um die Schachtel mit dem Inhalt von was auch immer bat", sagte Sörgel. "Die Verbände haben schon immer gemauert."

Für absurd hält er die Mutmaßung, der Genuss eines "Gute-Laune-Tees" könnte Auslöser des Doping-Falls gewesen sein. "Wenn ich so was höre, brauche ich auch einen solchen, und zwar literweise", sagte Sörgel. "Ich esse aber in solchen echten "Notfällen" lieber zwei Tafeln Schokolade. Die haben zwar viele Kalorien, aber sie wirken schnell und lassen den Unsinn vergessen."