"Überflieger" Simon Ammann träumte nach seinem Höhenflug beim chaotischen Neujahrsspringen schon vom ersten Vierschanzentournee-Triumph. Dafür rangen Österreichs vom Winde verwehte Ski-Adler nach der schweren Schlappe in Garmisch- Partenkirchen vor dem dritten Springen in Innsbruck mühsam um ihre Fassung.

Garmisch-Partenkirchen (dpa). Und obwohl die deutschen Skispringer am Neujahrstag nicht ganz an das Ergebnis vom Auftaktspringen in Oberstdorf anknüpfen konnten, Martin Schmitt als Siebter bester DSV-Adler war, kann sich das Zwischenergebnis sehenlassen. Zumal in Michael Neumayer (6.) und Severin Freund (9.) vor den abschließenden Wettbewerben in Innsbruck und Bischofshofen immerhin zwei DSV-Springer unter den Top Ten in der Gesamtwertung rangieren.

Österreichs Andreas Kofler hatte in dem nach einem Durchgang abgebrochenen Wettbewerb von Garmisch alle Chancen auf die Titelverteidigung und Spitzenreiter Thomas Morgenstern seinen komfortablen Vorsprung verspielt. Für den 24-Jährigen platzte zudem der Traum vom Grand Slam mit vier Siegen, den Sven Hannawald als bisher einziger Skispringer vor neun Jahren geschafft hatte.

In dem von langen Unterbrechungen und einem Sturz des Finnen Ville Larinto, der einen Kreuzbandriss erlitt und heute operiert wird, überschatteten Neujahrsspringen setzte sich Ammann mit einem Sprung auf 131 Meter vor dem Russen Pavel Karelin und Adam Malysz aus Polen durch.

In der Tournee-Gesamtwertung verkürzte Amman seinen Rückstand zu Morgenstern, der mit 124 Metern nur 14. wurde, auf 13,5 Punkte. "Ich bin hoch erfreut. Solch einen Tag habe ich gebraucht. Für einen, der 30 Punkte Rückstand hatte, ist das natürlich das schönste Geschenk zum Jahresbeginn", sagte der viermalige Olympiasieger.

"Ich bin froh, dass ich heil unten angekommen bin", stöhnte dagegen Morgenstern. Noch frustrierter war Kofler. Als der Titelverteidiger in der Luft von einer Böe erfasst wurde und nur dank seiner Klasse einen schweren Sturz vermied, stockte den 22 000 Fans an der Olympia-Schanze der Atem. "Da leidet man nicht nur, sondern das ist dann schon sehr belastend, weil man eine riesen Verantwortung hat. Man muss froh sein, dass nichts passiert ist", sagte Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner.

Seinen 40. Geburtstag hatte er sich ganz anders vorgestellt. Es herrschte Frust statt Partystimmung. Und so klagte Pointner die Jury an, die den Wettkampf erst nach einem rund zwei Stunden währenden Nervenkrieg wegen der einbrechenden Dunkelheit abbrach. Zuvor war auch der mitfavorisierte Finne Matti Hautamäki, der als Gesamtdritter nun 26,5 Zähler hinter Morgenstern liegt, vom Winde verweht worden.

"Man kann sich die Frage stellen, ob es wirklich notwendig ist, so viele Spitzenathleten vorzuführen. Hinsichtlich der Fairness wurde der Bogen heute überspannt. Es gab einige Möglichkeiten, den Wettkampf abzubrechen, und jeder hätte es verstanden", schimpfte Pointner. Kofler nahm es gestern schon wieder gelassen. "Es ist passé und egal. Die Jury hat nicht immer richtig reagiert. Ich hoffe, sie lernt aus ihren Fehlern." Meinung