Frankfurt/Main (dpa) | Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Südafrika, China, Indonesien - die Bundesliga spielt Weltenbummler. Die Winterpause nutzen die Clubs vermehrt zu Werbetouren, um die Auslandsvermarktung anzukurbeln.

So manches Testspiel gerät da trotz der meist luxuriösen Reisebedingungen zur Tortour, zumindest aus Sicht der Trainer. Der derzeitige Trip nach Indonesien etwa bringt dem finanziell angeschlagenen Hamburger SV zwar rund eine halbe Million Euro ein, stört aber aus Sicht Bert van Marwijks die gezielte Vorbereitung: "Das ist alles andere als optimal. Aber es gehört nun mal dazu. Die Vereine müssen Geld kassieren."

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) begrüßt die teilweise fernen Trainingslager der Erstligisten nicht nur, sie fordert sie geradezu - und finanziert sie sogar mit. Um die Vermarkung anzukurbeln, hat die Dachorganisation der Proficlubs diesen Winter 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Clubs erhalten bis 300 000 Euro, wenn sie in die ausgesuchten Kernmärkte gehen beziehungsweise Testspiele gegen dortige Clubs bestreitet. Zielmärkte sind vor allem China, USA, Russland, aber auch Japan, Türkei, Thailand, Brasilien und Südafrika.

Für Christian Seifert, den Vorsitzenden der DFL-Geschäftsführung, sind die Auslandsrechte "eines der größten Wachstumsfelder" im deutschen Fußball. In einem "Welt"-Interview sprach er mal davon, die Erlöse verdoppeln zu wollen: "Wir streben definitiv den Korridor von 100 bis 150 Millionen Euro an." Dafür müssten die Vereine allerdings auch etwas tun. Noch im Sommer beklagte sich Seifert darüber, dass zwölf deutsche Erstligisten ihr Trainingslager in Österreich abhielten und nicht in Ländern mit lukrativen neuen Märkten.

Jetzt trainiert der HSV nach seinem Abstecher nach Indonesien in Abu Dhabi, ebenso wie der VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt. Die Wolfsburger absolvieren im Rahmen ihres 20 000-Kilometer-Trips noch eine Testspielreise in China - "als Botschafter der Bundesliga", wie VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs betonte. Der VfB Stuttgart bereitet sich erstmals in Südafrika vor, neben den Übungseinheiten sind gezielte Werbemaßnahmen geplant. "Südafrika und zahlreiche Märkte in Subsahara Afrika sind für die Bundesliga Wachstumsmärkte", erklärte Steffen Busch, Leiter strategisches Marketing bei der DFL.

In Katar haben Schalke 04 und der FC Bayern ihr Trainingslager aufgeschlagen. Die Münchner sind auch in Sachen Auslandsvermarktung die Nummer 1 in Deutschland und sehen sich zu Recht längst als Global Player im internationalen Fußball. 2012/2013 schrieben sie einen Rekordumsatz von 432,8 Millionen Euro, beim weltweiten Kampf um Marktanteile kommen sie aber an den FC Barcelona, Real Madrid und Manchester United (noch) nicht heran. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sieht "die Marke Bayern" derzeit unter den Top fünf.

Mit Büros in China und New York legt der Triple-Sieger den Grundstein für weitere Werbemaßnahmen, in diesem Jahr ist auch eine USA-Reise mit einem Allstar-Spiel in Portland geplant. Und die Vorbereitung in Katar nutzt der Champions-League-Sieger zu einem erstmaligen Besuch in Kuwait. Dort bestreitet die Mannschaft von Pep Guardiola am 13. Januar eine Partie gegen Landesmeister Kuwait Sporting Club.

Trotz dieser Aktionen hinkt die Bundesliga England und Spanien bei der Auslandsvermarktung deutlich hinterher. Zuletzt kassierte die DFL jährlich knapp 70 Millionen Euro, die Premier League beispielsweise nimmt über 500 Millionen ein. Unvorstellbar heute, dass es bis 2004 bei der DFL nach Seiferts Angaben gar keine Auslandsumsätze gab.

Das Interesse der Fans in anderen Ländern an Schweinsteiger, Götze, Reus und Co. ist schließlich bares Geld wert. Von der Saison 2015/16 an zeigt Rupert Murdochs Sendernetzwerk 21st Century Fox die Spiele der höchsten deutschen Spielklasse in allen Ländern Nord- und Lateinamerikas, fast allen Ländern Asiens sowie in Italien, den Niederlanden und Belgien. Dann könnte Seiferts Vision von den 100 bis 150 Millionen Euro Einnahmen bereits Wirklichkeit werden.