Vuokatti (dpa) l Für die Paralympics in Sotschi hat Andrea Eskau nur ein Ziel: Sie will ihre erste Goldmedaille in einer Winterdisziplin gewinnen. Entweder im Langlauf oder im Biathlon - am liebsten aber in beiden Disziplinen. Seit dem Spätsommer 2012, nach dem Ende der Paralympics in London, trainiert sie darauf hin. In London holte die querschnittsgelähmte Athletin als Handbikerin jeweils Gold im Zeitfahren und im Straßenrennen. Praktisch mit dem Ausklang der Siegerhymne machte sie damals klar: "Das hier ist wunderschön, aber von jetzt an zählt nur noch Sotschi."

Dabei verlief die Vorbereitung bislang nicht optimal. Den geplanten Saisonauftakt im kanadischen Canmore im Dezember musste das sechsköpfige nordische Skiteam des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) absagen. Weil der DBS aus finanziellen Gründen die Reise zum ersten Weltcup nach Übersee nicht antreten konnte, beginnt der Schlussspurt auf die Paralympischen Spiele in Sotschi nun diese Woche im finnischen Vuokatti.

Eskau ist ehrgeizig, mit dem Hang zum Perfektionismus. Wobei nicht die Farbe der Medaille entscheidend sei, sondern das Wissen, sich optimal auf den Wettkampf vorbereitet zu haben. Das war 2010 in Vancouver, wo sie Silber im Langlauf und Bronze im Biathlon gewann, nicht der Fall. "Man kann mich ruhig Perfektionistin nennen. Aber nach Vancouver habe ich mir gesagt, dass ich endlich mit dem Gefühl zu Winter-Paralympics fahren will: Mehr geht nicht", sagt die 42-Jährige.

Um das zu schaffen, absolviert die Diplom-Psychologin neben ihrer Tätigkeit am Bundesinstitut für Sportwissenschaften in Bonn ein enormes Trainingspensum - im Schnitt zweimal täglich je anderthalb Stunden. Beinahe genauso viel Zeit investiert die Allrounderin in die technische Optimierung ihres Trainings- und Wettkampfschlittens oder am Biathlongewehr.

Spitzensport in drei unterschiedlichen Disziplinen, ein Job und die alltäglichen logistischen Probleme, die ihre Querschnittlähmung mit sich bringen - für Eskau sind das positive Herausforderungen. Auch das letzte Detail soll stimmen. So verbrachte sie in diesem Jahr mehrere Tage bei Orthopädie-Meister Martin Rapp im Schwarzwald, um die Sitzfläche an ihrem Schlitten perfektionieren zu lassen. "Der neue Schlitten sitzt perfekt. So habe ich auch bei Kurven und Abfahrten die optimale Kontrolle."

Um gegen die größtenteils jüngere Konkurrenz bestehen zu können, absolvierte Eskau sechs mehrtägige Trainingslager im Oberhofer Skitunnel. Zuletzt standen zudem täglich zweistündige Einheiten in künstlicher Höhenluft auf dem Programm. "In meinem Trainingsraum an der Kölner Sporthochschule herrschen Bedingungen wie auf 3000 Metern Höhe. So kann ich auch in der Nähe meines Arbeitsplatzes unter sportartspezifischen Bedingungen trainieren."

Erst nach den Biathlon-Wettbewerben vom 23. bis 26. Januar in Oberried wird Andrea Eskau wissen, wie sie sich vor den Paralympics einzuordnen hat. Bleibt sie verletzungsfrei, fährt sie als Deutschlands Gold-Kandidatin Nummer eins zu ihren vermutlich letzten Winter-Paralympics (7. bis 16. März) nach Sotschi.