Köln (SID/dh) lDie Ski-Nation Österreich befindet sich im Handball-Hype: Der sportliche Jahreshöhepunkt steht für die Alpenrepublik mit den Olympischen Winterspielen in Sotschi zwar erst in vier Wochen an, doch die am Sonntag beginnende Handball-EM hat in Österreich große Euphorie ausgelöst.

"Wer uns sieht, merkt, dass ein toller Teamgeist herrscht. Jeder ist bereit, dem Erfolg der Mannschaft alles unterzuordnen. Ich bin stolz, Kapitän dieser Mannschaft zu sein", sagte Viktor Szilagyi. Der Spielmacher des Bergischen HC ist einer von neun Bundesliga-Legionären im 18er-Kader von Teamchef Patrekur Johannesson, der als Kandidat für den Trainerposten ab kommendem Sommer beim SC Magdeburg gehandelt wird. Kein Wunder, dass da dem einen oder anderen deutschen Mitspieler im Verein in den vergangenen Wochen öfters mal beiläufig gesagt wurde, wer zur EM fahren darf und wer im Fernsehen zuschauen muss.

Offiziell ist das Ziel bei der EM erst einmal das Erreichen der Hauptrunde. Doch die Spieler träumen sogar von "einer Medaille um den Hals", verriet der Ex-Berliner Konrad Wilczynski. Der Magdeburger Torjäger Robert Weber spricht lieber von den "Top-Five".

Auf dieses Ziel bereiten sich Weber und Co. offensichtlich in aller Ruhe vor. "Ich bin mit den Teamkollegen in Wien. Wir haben gestern Abend noch ganz ruhig zusammengesessen, heute schön ausgeschlafen. Jetzt gehe ich zum Shoppen in die Stadt. Ein bisschen abschalten vom Handball", wird Weber am Donnerstag auf der Internetseite des SCM zitiert. Am Abend zuvor hatte er bei der EM-Generalprobe gegen Afrikameister Ägypten mit vier Toren zum 29:27-Sieg beigetragen. Am heutigen Freitag fliegt das Team nach Dänemark , am Sonntag tritt es in Herning zum ersten Spiel der Gruppe A gegen Tschechien (18 Uhr) an.

Die Österreicher müssen zunächst Platz drei in der Gruppe mit Titelverteidiger Dänemark, Mazedonien und eben Tschechien erreichen, um in die Runde der besten zwölf Mannschaften einzuziehen. Das Potenzial ist vorhanden. "Wir wollen das Turnier genießen. Aber das können wir nur, wenn jeder das Maximale aus sich herausholt", sagte Trainer Johannesson der "Handballwoche". Einen Glücksbringer für das Vorhaben hat Papa Weber von seinem Sohn erhalten: "Als besonderen Talisman habe ich eine kleine Trainingsjacke von Lio mitgenommen. Sie riecht ein bisschen nach ihm. So habe ich ein Stück Heimat immer bei der EM dabei."

Ein Stück Heimat ist Magdeburg längst auch für Bartosz Jurecki geworden. Mit der polnischen Nationalmannschaft bestreitet der 34-Jährige am kommenden Montag gegen Serbien (18 Uhr in Aarhus) das erste Spiel in der Gruppe C. Beim SCM schauen die Verantwortlichen zugleich mit bangem Blick auf die Einsätze ihres Weltklasse-Kreisläufers, der sich am 19. Oktober beim Bergischen HC einen Innenbandriss im Knie zugezogen hatte und bis in den Dezember hinein in der Reha um die Teilnahme an der EM kämpfte.

Der SCM hatte mit Jurecki vor seiner Abreise noch das Gespräch gesucht, berichtete Steffen Stiebler der Volksstimme. "Wir haben ihm unseren Wunsch nahegelegt, dass wir ihn gerne relativ stabil zurückbekommen wollen", erklärte der Geschäftsstellenleiter. Dazu gehört deshalb die Hoffnung, "dass er nur im Angriff und nicht in der Abwehr eingesetzt wird". Stiebler weiß allerdings auch, "dass man einen wie Bartosz, der so erfolgshungrig ist und für sein Land brennt, schlecht beschneiden kann".

Und wenngleich das Team um Michael Biegler mit Weitsicht auf die Heim-EM in vier Jahren hinarbeitet, wie er der "Handballwoche" berichtete, wollen die Polen natürlich auch in Dänemark ein starke Rolle spielen. "Wir haben dieselben Chancen aufs Weiterkommen wie unsere drei Gegner", erklärte Biegler dem Fachmagazin. "Das werden enge, richtig spannende Spiele."

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