Oberhof | Der Mann im Hintergrund wird nur selten gelobt, aber am Sonnabend ist er mit freundlichen Worten vor der Fernsehkamera und hinter den Kulissen übersät worden. Wolfgang Scholz war zwar auch beim Heimweltcup in Oberhof für den gemeinen Fan nicht zu sehen, aber aufgrund der Ergebnisse von Tatjana Hüfner und Toni Eggert/Sascha Benecken lassen sich die Qualitäten des Schlittenbauers und Kufenkünstlers Scholz nachvollziehen. Die 30-jährige Hüfner sagte nach ihrem Sieg auf der Heimbahn jedenfalls über den Techniker und Materialverantwortlichen der Oberhofer Rodelelite: "Es ist gigantisch, was er während der Saison zusammenbringt."

Mit 16 Tausendstelsekunden hatte sich die Blankenburgerin gegen die Seriensiegerin dieses Winters, Natalie Geisenberger (Miesbach), durchgesetzt. Nach dem ersten Durchgang lag sie nur mit 0,003 Sekunden (7,5 Zentimeter) vorn. "Der erste Lauf war nicht ganz so sauber", sagte die Olympiasiegerin von Vancouver 2010 im Interview mit dem ZDF. Vor dem zweiten Lauf hatte ihr Silke Kraushaar-Pielach (Olympiasiegerin von 1998) den entscheidenden Tipp gegeben, "wie ich besser durch die Kurve 13 komme".

Das hatte Hüfner beherzigt - und damit den Vorsprung in der Gesamtrechnung noch ausgebaut. Für sie war es nach den Rückenproblemen vor diesem Winter, der "harten Arbeit" an der eigenen Fitness und dem ebenso harten Kampf zurück in die Weltspitze der erste Weltcupsieg seit Sotschi im vergangenen Februar. Für Geisenberger war es indes die erste Saisonniederlage, trotzdem hat sie sich den Gesamt-Weltcup vorzeitig gesichert.

Ein Jahr nach dem Gewinn der Europameisterschaft auf der 945 Meter langen Bahn in Oberhof haben der 25-jährige Eggert und sein Sozius erneut auf der Heimbahn zugeschlagen: "Wir haben es heute geschafft, den Schlitten optimal auf die Bedingungen vorzubereiten und haben außerdem in beiden Läufen die wenigsten Fehler gemacht", sagte der Ilsenburger nach dem Triumph mit 0,379 Sekunden Vorsprung auf die nun feststehenden Weltcup-Gesamtsieger Tobias Wendl/Tobias Arlt (Berchtesgaden/Königssee). "Das war für uns die anstrengendste Woche der Saison, weil die Anspannung zu Hause immer am größten ist", berichtete der Suhler Benecken nach dem Sieg wieder erleichtert.

Bei den Männern feierte derweil Felix Loch (Berchtesgaden) seinen vierten Sieg in diesem Winter vor Andi Langenhan (Zella-Mehlis). Für die olympischen Rodler war Oberhof die vorletzte Station vor dem Ringespektakel. Während der Bob- und Schlittenverband nach dem Weltcup in Altenberg am kommenden Wochenende seine zweite Reihe zur Europameisterschaft nach Sigulda schickt, bereiten sich Hüfner und Co. auf den Höhepunkt vor - die Einsitzer in Altenberg, die Doppelsitzer in Königssee.