Neuanfang, Aufbruch, Wiederbeginn – und immer an Olympia denken: Ein Jahr nach dem EM-Debakel spielen Deutschlands Handballer bei der WM in Schweden nicht nur um ihren Ruf, sondern auch um ihre sportliche Zukunft.

Kristianstad (dpa). Ab dem Anpfiff des Auftaktspiels am Freitag (18.15 Uhr) gegen Ägypten geht es für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) um London 2012. Minimalziel ist Platz sieben und damit das Erreichen eines Olympia-Qualifikationsturniers. "Wir wollen ein gutes Ergebnis bei dieser WM, wir wollen uns für Olympia qualifizieren", betonte Kapitän Pascal Hens aus Hamburg. Das Turnier eröffnen heute (20.15 Uhr) Schweden und Chile.

Die deutsche Pleite von Österreich mit Rang zehn und der schlechtesten EM-Platzierung ist dauerhaft präsent, aber als Negativerlebnis aus den Köpfen heraus, behaupten die Spieler. "Wir brauchen nichts wieder gutzumachen. Wir hatten ein Turnier, was uns selbst wehgetan hat", sagte Torhüter Johannes Bitter. "Österreich war echt schlecht", bekannte der wiedererstarkte Spielmacher Michael Kraus, "dieses Jahr sind wir fit."

Kapitän Hens, der vor Jahresfrist aus Regenerationsgründen gefehlt hatte, sieht die deutsche Mannschaft aufgrund des EM-Debakels bei der WM in der Außenseiterrolle und kokettiert damit. "Mit uns rechnet keiner. Das ist eine gute Ausgangsposition. Aber wir haben andere Ziele: Wir wollen zeigen, dass wir eine gute Mannschaft sind", sagte Hens. Dass noch zehn Weltmeister von 2007 im vorläufigen 17-köpfigen Aufgebot stehen, lässt der Rückraumspieler als Argument für hohe Erwartungen nicht gelten. "Niemand erwartet viel von uns. Alle wissen, dass wir nicht mehr die Mannschaft von 2007 sind."

Zudem fehlt in Torsten "Toto" Jansen der "Mister Zuverlässig" der Heim-WM 2007. Bundestrainer Heiner Brand sortierte den erfahrenen Hamburger Linksaußen überraschend aus seinem WM-Kader aus und entschied sich stattdessen für Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen) und Dominik Klein (Kiel).

Erstmals seit der EM 2002 in Schweden, bei der die DHB-Auswahl Silber gewonnen hatte, hat Brand keinen Ausfall zu beklagen. Auch Rückraumspieler Holger Glandorf (Lemgo) wurde rechtzeitig nach seiner Knieoperation im Dezember wieder fit. "Stellte sich früher die Mannschaft oft von allein auf, so hatte ich diesmal die Qual der Wahl", sagte der Bundestrainer.

Schon die erste Turnierphase hat es gewaltig in sich. "Wir haben vier Endspiele in der Vorrunde", sagte Brand. Schon der Auftakt in Lund gegen Ägypten ist richtungweisend. Der Titelverteidiger, Olympiasieger und Weltmeister Frankreich, Ex-Weltmeister Spanien und Afrikameister Tunesien machen die Gruppe A mit den Spielen in Kristianstad zur "Hammergruppe". Nur Neuling Bahrain fällt dabei ab.

"Wenn man einen Großen in der Vorrunde schlägt, hat man die Chance, weiterzukommen", meinte Schlussmann Bitter. Und WM-Debütant Adrian Pfahl rechnete vor: "Ich hoffe, dass wir zwei Punkte mitnehmen in die Hauptrunde, dann ist vieles möglich." Zum Erreichen der zweiten Turnierphase ist mindestens Platz drei nötig. In der Hauptrunde würden dann in Jönköping die besten Drei aus dem Sextett Island, Ungarn, Norwegen, Japan, Österreich und Brasilien warten.

Die deutsche Mannschaft will sich bis mindestens Platz sieben durchboxen. "Wenn wir erfolgreich spielen, rückt Olympia näher", erklärte Kraus, der zuletzt in den Testspielen gegen Schweden und Island geglänzt hatte.

Favoriten auf Gold, Silber und Bronze aber sind andere Teams. Allen voran Frankreich, das trotz der Ausfälle von Daniel Narcisse und Guillaume Gille kaum zu schlagen sein dürfte. Kroatien mit seinem virtuosen Spielmacher Ivano Balic gehört ebenso zu den Medaillenanwärtern wie Spanien. Auch Ex-Europameister Dänemark, der Olympia-Zweite Island sowie Polen, WM-Zweiter 2007 und WM-Dritter 2009, zählen zum Favoritenkreis. Meinung

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