Berlin l Das lange Warten auf den ersten Punktspiel-Sieg gegen die Füchse Berlin nach fünf Jahren geht in die Verlängerung. Für den schwach startenden SCM gab es auch gestern nichts zu holen. Die Partie gegen diesmal dennoch schlagbare, weil nachlassende Berliner ging mit 24:27 (9:15) verloren.

"Vielleicht hat Neu-Trainer Uwe Jungandreas ja tatsächlich den Reset-Knopf gefunden", hatte Sport1-Kommentator Markus Götz im Fachblatt Handball-Woche bei seiner "Vorschau" auf das Fernsehspiel eine rhetorische Frage gestellt. Und die Antwor nach 60 unspannenden Minuten einer früh entschiedenen Partie in der Max-Schmeling-Halle lautete: Hat er (leider) nicht!

Dabei deutete sich die erste Überraschung schon rund 45 Minuten vor dem Anpfiff an, denn bei der Erwärmung fehlte beim Gegner ausgerechnet Bartlomiej Jaszka, der geniale Spielmacher der Berliner. Der Pole hatte sich kurzfristig mit "Rücken" krankgemeldet, für die Gastgeber ein nur schwer zu kompensierender Ausfall. Dazu fehlte auch noch Rückraum-Shooter Sven-Sören Christophersen.

Doch die Magdeburger konnten aus dem vermeintlichen Vorteil kein Kapital schlagen. Im Gegenteil, es stand mit Anpfiff ein völlig anderer SCM auf der Platte, als noch vor einer Woche beim Heimsieg gegen Hannover: Null Körpersprache, null Aggressivität, null Durchschlagskraft. Offensichtlich hatten die Gäste, die im Vorfeld selbstbewusst zum Angriff geblasen hatten, Angst vor der eigenen Courage. So lag der SCM gegen einen fuchsteufelswild angreifenden und in der Abwehr bissigen Gastgeber nach sechs Minuten mit 0:5 hinten.

Vor allem im Angriff waren die Magdeburger in die Steinzeit zurückgefallen, entweder waren technische Fehler im Spiel, oder Keeper Silvio Heinevetter wurde mit schwachen, unplatzierten Würfen nahezu berühmtgeschossen. Nach einer Viertelstunde hatte Jungandreas bereits mit Andreas Rojewski, Marko Bezjak und Stefan Kneer den kompletten Rückraum ausgewechselt, nach 20 Minuten beim 3:10 bereits die zweite Auszeit genommen. Erst danach kam seine Mannschaft ein wenig besser ins Spiel, verkürzte durch einen verwandelten Siebenmeter von Robert Weber auf 6:11 (23.). Als es in die Pause ging, standen dennoch nur neun Tore zu Buche. Auf der anderen Seite glänzte Heinevetter mit einer Fangquote von 73 Prozent. Das sagte schon vieles.

Aber eben nicht alles, denn der SCM kam wie verwandelt aus der Kabine. Auf einmal war die Deckung präsent, packte entschlossen zu, störte früh. Auch vorne lief vieles besser zusammen und zuguterletzt steigerte sich Dario Quenstedt im Tor. So hatte sich die Partie in der zweiten Halbzeit fast um 180 Grad gewendet. Der SCM konnte das Schwächeln der Füchse nutzen und sogar bis auf zwei Tore verkürzen (17:19/48.). Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Heinevetter nicht alle vier Siebenmeter in der zweiten Halbzeit gehalten hätte ... So aber ließen die Magdeburger die Gunst der Stunde nutzlos verstreichen und kassierten im 14. Derby die elfte Niederlage.

Füchse: Heinevetter, Stochl - Löffler 1, Wiede, Spoljaric, Romero 5, Zachrisson 2, Horak 1, Igropulo 4, Nielsen 4, Petersen 6/3, Thümmler 1, Richwien

SCM: Eijlers, Quenstedt - Kneer 1, Rojewski 5, Musche 2, van Olphen, Hornke, Natek 3, Haaß 1, Bezjak 1, Weber 6/2, Oneto, Jurecki 2

Zuschauer: 8477. Schiedsrichter: Pritschow/Pritschow (Stuttgart). Siebenmeter: Füchse 3/3; SCM 6/2. Zeitstrafen: 3/3.