Sotschi (dpa) | Der neue Steuermann des deutschen Sports blickt der sich anbahnenden Medaillen-Havarie bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi unerschrocken entgegen. "Wir sind hier nicht zum Schönwettersegeln da", sagte Alfons Hörmann, der neue Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Wie viel Kritik und Haue wir von außen und innen kriegen, obliegt anderen."

Der DOSB hatte 30 Medaillen wie 2010 in Vancouver als Wunschziel genannt und wird bis zum Schlusstag wohl weniger als 20 auf dem Konto haben. "Für mich ist das keine Belastung, sondern ich finde es bedauerlich und sehe mich bestätigt", erklärte der 53-jährige Unternehmer. "Ich habe immer gesagt, dass das nicht einfach sein wird."

Allerdings kann Hörmann nach seiner ersten großen Bewährungsprobe im DOSB-Spitzenamt auch mitnehmen, dass er im deutschen Olympia-Team allseits Anerkennung gewonnen hat. "Er ist ein super Typ", lobte Skispringer Andreas Wank. Auch Mitflieger Severin Freund kann nur Gutes über den früheren Skiverbands-Präsidenten sagen, der beim Team-Olympiasieg der DSV-Adler über eine Bande in den Auslaufbereich an der Schanze gesprungen war, um das Quartett zu herzen. "Ich glaube, er wird es nicht los, dass er nah am Sport ist und die Emotionen auch lebt", sagte Freund. "Man hat ihm schon angemerkt, was ihm das bedeutet, dass wir ganz oben gestanden haben."

Hörmann ist dicht an deutschen Olympia-Athleten

Auch in seiner neuen DOSB-Rolle sucht Hörmann die Nähe zu den Athleten und verkrümelt sich nicht - wie viele Sportfunktionäre - lieber in die warmen VIP-Zelte. "Mehr auf Abstand ist er nicht gegangen", bemerkte Freund. Als DSV-Präsident habe Hörmann einen extrem guten Job gemacht. "Wir stehen als Verband gut da. Dasselbe kann er auch mit dem DOSB tun", sagte das Skisprung-Ass.

Wenn am Sonntag die olympische Flamme erlischt und die XXII. Winterspiele in Sotschi vorbei sein werden, wird Hörmann 78 Tage DOSB-Boss sein. "Er ist ein Mann, der dicht an den Athleten ist und der mittendrin steht", anerkennt der deutsche Aktivensprecher Christian Breuer.

Ähnlich äußerte sich Eisschnelllauf-Präsident Gerd Heinze: "Alfons Hörmann hat mit hohem Engagement und Nähe zu den Sportlern die Situation gemeistert." Zudem habe er seinem Verband, der mehr Schlagzeilen mit dem Streit unter seinen Athletinnen als auf dem Eis machte, geholfen: "Für uns war er eine großartige Unterstützung", erklärte Heinze.

DOSB will Strukturreform debattieren

Als früherer Skiverbands-Präsident bewegte sich Hörmann fachlich in Sotschi auf sicherem Terrain. Und abgesehen von Kabbeleien im Lager der Rodler und Eisschnellläufer war er nicht als großer Krisenmanager gefragt. "Schön, dass es in der Mannschaft keine Probleme gab, die Wellen geschlagen haben", freute sich Hörmann.

Vor den Winterspielen war er durch das Sportland Deutschland getourt, um Landes- und Fachverbände, Vereine sowie Sportinstitutionen zu besuchen und kennenzulernen. "Es war eine Bereitschaft zu erkennen, die Dinge konstruktiv und im Sinne der gemeinsamen Aufgabe zu diskutieren", berichtete Hörmann. "Denn alle wissen, das Leben ist kein Wunschkonzert."

Nach der Rückkehr aus Sotschi gilt dies auch für ihn: Das Abschneiden bei den Winterspielen muss analysiert werden, mit dem Bund stehen Verhandlungen über mehr Fördergeld an und im DOSB wird eine Strukturreform zu debattieren sein. "Wir nehmen viele Hausaufgaben mit nach Hause", weiß Hörmann.