Peter Fechner
59 Jahre alt, verheiratet, 1 Kind, 2 Enkel
Beruf: Dipl-Ing. f. Maschinenbau
derzeitige Tätigkeit: Geschäftsführer der Weißen Flotte Magdeburg und des Flughafens Magdeburg
spielte Fußball aktiv bei: Einheit Magdeburg
erster Trainer: Wiethold Schmidt, damals stellv. Direktor der Wander-POS
FCM-Präsident seit: 15. April 2011

Olaf Herbst
54 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder, 1 Enkel
Beruf: Bau-Ingenieur
derzeitige Tätigkeit: Inhaber eines Bauplanungs-Büros
spielte Fußball aktiv bei: Empor Dedeleben
sein erster Trainer: Henning Rühe, später Landrat des Landkreises Halberstadt
Germania-Präsident seit: 20. Januar 2000

Am Sonntag (13.30 Uhr) steht mit dem Landesderby zwischen Germania Halberstadt und dem 1. FC Magdeburg wieder ein Highlight in der Fußball-Regionalliga Nordost bevor. Die Volksstimme-Redakteure Klaus Renner und Uwe Tiedemann baten aus diesem Anlass die beiden Präsidenten Olaf Herbst (54) und Peter Fechner (59) zum Doppel-Interview.

Volksstimme: Die beiden Vereine sind Rivalen, die beiden Präsidenten pflegen dagegen eine gute, fast freundschaftliche Beziehung. Woher resultiert das?
Olaf Herbst: Weil einfach die Chemie stimmt und Sympathie für den anderen Menschen da ist. Wir sind uns zwar erst im März 2010 das erste Mal begegnet, haben aber inzwischen das Gefühl, dass wir uns schon ewig kennen. Selbst die schwierige Zeit, als unser damaliger Trainer Andreas Petersen nach Magdeburg wechselte, hat unserem guten Verhältnis nicht geschadet.
Peter Fechner: Das kann ich nur bestätigen. Es ging von Anfang an offen und ehrlich zu.

Volksstimme: Seit wann sind Sie per Du?
Herbst: Nicht gleich beim ersten Gespräch, aber schon kurze Zeit danach.
Fechner: Das war auch für mich völlig normal. Gerade im Sport geht so etwas schnell.

Volksstimme: Wie sehen Sie die sportliche Situation vor dem Derby?
Herbst: In der Regionalliga Nordost geht es abgesehen von Spitzenreiter TSG Neustrelitz sehr eng zu. Ich glaube, alle anderen Mannschaften können sich gegenseitig schlagen. Allerdings spricht der Tabellenplatz für den FCM.
Fechner (schmunzelnd): Wir sind bereit. Seit knapp zwei Jahren geht es bei uns wieder aufwärts, und wir haben auch das Angriffsproblem mit Hilfe von Germania Halberstadt gelöst. Gemeint ist natürlich Christian Beck.

Volksstimme: Bitte vervollständigen Sie den Satz: "Wir gewinnen das Derby, weil ..."
Herbst: ... unsere Spieler "Gras fressen" werden, und weil wir einfach mal wieder dran sind. Ich erinnere mich noch an das mit 1:3 in der Verlängerung verlorere Pokalfinale 2013. Das war der traurigste Tag meines Lebens.
Fechner: ... bei uns eine hervorragende Atmosphäre herrscht sowie Motivation und Einsatzbereitschaft stimmen.

Volksstimme: Was schätzen Sie am jeweils anderen Verein besonders?
Herbst: In Magdeburg gibt es immer wieder Stehaufmännchen, die auch nach schwierigen Zeiten losgelegt und einen Neuanfang gewagt haben. Hinzu kommt, dass der FCM eine große Tradition hat und für die gesamte Region von Bedeutung ist. Nicht zu vergessen das tolle Stadion. Zusammengefasst kann man sagen, dass der Verein in eine höhere Liga gehört und das auch zeitnah erreichen sollte.
Fechner: Mich hat die Aufbauarbeit beeindruckt, wie Germania in die vierte Liga aufgestiegen ist und sich dort seit Jahren behauptet. Der Verein hat aus relativ wenig Möglichkeiten Bemerkenswertes gemacht.

Volksstimme: Glauben Sie an ein ruhiges und störungsfreies Sachsen-Anhalt-Derby?
Herbst: Wir wollen versuchen, das gute Verhältnis beider Präsidenten auf die Fans zu übertragen. Emotionen gehören zu einem Derby selbstverständlich dazu. Aber niemand kann die Hand dafür ins Feuer legen, wenn es vereinzelt zu Ausrastern kommt.
Fechner: Auch in einem Derby kommt es immer darauf an, sich bei aller Rivalität sportlich vernünftig auseinanderzusetzen. Deshalb rufe ich alle Fans auf, fair zu bleiben. Letztlich leben wir in einer Region, die zusammengehört.

Volksstimme: Gegenwärtig gibt es bei beiden Vereinen beträchtliche Baustellen in der sportlichen Führung. Germania hat sich von Fait-Florian Banser (sportlicher Leiter/d. Red.) getrennt und lässt Trainer Willi Kronhardt ziehen. Und beim FCM hängt das Trainergespann Andreas Petersen/Danny König, deren Verträge auslaufen, in der Luft ...
Herbst: Wir werden in der Woche nach dem Derby unseren neuen Trainer vorstellen.
Fechner: Wir halten an unserem Plan fest, dass wir erst den Auftakt der Rückrunde abwarten und uns dann entscheiden.

Volksstimme: Wäre eventuell sogar ein Austausch der Trainer zwischen beiden Vereinen denkbar?
Herbst: Ich denke nicht. Wir betrachten die gesamte Trai-nerdiskussion als eine vereinsinterne Geschichte. Ein vierköpfiges Gremium beschäftigt sich seit Wochen mit der Trainersuche, zwei Namen kamen dann in die engere Auswahl.
Fechner: Bei uns gilt die Regelung, dass sich vorrangig unser Präsidiumsmitglied Mario Kallnik mit dieser Thematik beschäftigt. Fakt ist, Andreas Petersen ist ein Kind der Region und hat seine Verdienste in Halberstadt ebenso wie in Magdeburg.

Volksstimme: Wo sehen Sie Ihren Verein in drei Jahren?
Herbst: Ich bin kein Hellseher, aber wir werden versuchen, weiterhin die gesamte Harzregion einzubeziehen und uns in der Regionalliga zu stabilisieren. Vielleicht ist irgendwann sogar mehr möglich. Die Wirtschaftskraft im Harz mit rund 230 000 Einwohnern ist gut. Allerdings ist es uns bislang nicht gelungen, die Zuschauer so zu animieren, dass sie zahlreich zu unseren Heimspielen kommen. Es fehlt häufig die Identifikation mit den Spielern. Nur: Talente aus den eigenen Reihen mit einzubauen, hatte für die Oberliga noch gereicht, aber eben nicht mehr für die Regionalliga.
Fechner: Unser Ziel kann nur höherklassiger Fußball sein. Und das so schnell wie möglich.

Volksstimme: Sie opfern sehr viel Zeit für Ihre Vereine. Was motiviert Sie, schließlich bekleiden Sie Ehrenämter?
Herbst: Ich gehöre zu den Menschen, die selber gerne Verantwortung übernehmen und mitgestalten möchten. Und für mich gibt es nichts Schöneres, als wenn junge Menschen Sport treiben. Da bin ich dann auch bereit, rund 40 Prozent meiner Arbeitszeit für den Verein aufzubringen.
Fechner: Mein Herz schlägt einfach blau-weiß. Es ist für mich eine Riesen-Herausforderung. Da nimmt man so manche Belastung - ich bin jeden Tag für den Verein rund vier Stunden im Einsatz - in Kauf. Ganz wichtig ist natürlich die Rückendeckung der Familie. Ohne das Okay meiner Frau hätte ich vor fast drei Jahren das Präsidentenamt niemals angetreten.
Herbst: Da hast Du völlig recht.

Volksstimme: Abschließende Frage: Wie lautet Ihr Tipp für das Derby?
Herbst: Wir gewinnen 2:1, weil wir dringend drei Punkte brauchen und wie schon gesagt einfach mal wieder dran sind.
Fechner: 2:1 für uns. Es wird ein harter Fight, und Halberstadt ist immer für ein Tor gut. Aber wir wollen und müssen Anschluss halten.

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