Halberstadt l Christian Mokosch, Geschäftsführer der Germania Halberstadt GmbH, und Willi Kronhardt saßen am Donnerstag nochmals zusammen, um bei einem Kaffee die finalen Modalitäten der Trennung zu besprechen. Am Tag zuvor hatten sich beide Seiten auf eine vorzeitige Beendigung der bis zum Saisonende befristeten Zusammenarbeit verständigt.

Beide Seiten betonten gestern, dass "die Trennung im Interesse aller Beteiligten getroffen wurde. Der Erhalt der Leistungsfa¨higkeit der Mannschaft steht im Vordergrund". Mokosch: "Um auch weiterhin einen zielgerichteten und erfolgsversprechenden Trainings- und Spielbetrieb garantieren zu ko¨nnen, musste zum jetzigen Zeitpunkt gehandelt werden." Kronhardt unterstrich später, dass "es sich nicht um einen Rücktritt, sondern um eine Beurlaubung" handele.

Inwieweit die Vorfälle vom letzten Sonntag beim Heimspiel gegen den SV Babelsberg (1:2) abseits des Rasens bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben, blieb offen. Bekannt wurde, dass Kronhardt seinem Co-Trainer Enrico Gerlach vor Anpfiff in einem Vier-Augen-Gespräch mitgeteilt hatte, dass er ihn diesmal nicht mit auf der Bank haben möchte. Kronhardt wollte durch Gerlach und zeitgleich zur Babelsberg-Partie eine Spielbeobachtung des kommenden Gegners Lok Leipzig beim Berliner AK absichern. Dazu erklärte Gerlach am Donnerstag: "Ich hatte beruflich zu tun, hätte es zeitlich nicht zum Berliner AK geschafft."

Nach der Trennung trat aber auch der frühere Publikumsliebling keineswegs nach. "Ich habe in den vergangenen 19 Monaten viel von ihm gelernt. Die Spieler haben das Fußballerische betreffend sehr viel mitgenommen." Gerlach gibt sich diplomatisch, zwischen den Zeilen wird indes deutlich, dass beide nicht immer auf einer Längenwelle waren. "Willi hat seine Linie durchgezogen. Er war der Chef und trug die Verantwortung und hatte seine eigene Art. Er kommt aus dem Profifußball."

Die Mannschaft muss schon heute Abend beim Abstiegskandidaten Lok Leipzig ran (Bruno-Plache-Stadion, 19.30 Uhr). Dabei soll Gerlach die Verantwortung an der Seitenlinie übernehmen. Für das Team geht es inzwischen darum, nicht noch tiefer in den Tabellenkeller zu rutschen. Zwar sind es noch zehn Zähler auf den ersten Abstiegsrang, allerdings werden auch noch 30 Punkte bis zum Saisonende vergeben.

An der weiteren Trainerzukunft, und damit am Chefposten ab der kommenden Woche, arbeiten die Germania-Verantwortlichen derzeit mit Hochdruck. Geschäftsführer Mokosch: "Wir basteln an einer Lösung." Denkbar sei, dass Achim Hollerieth, der zum 1. Juli als Nachfolger feststeht, schon früher im Vorharz seine Tätigkeit aufnimmt.

Ex-Trainer Kronhardt hofft nach einer "sowohl sportlich als auch menschlich bewegenden Zeit, dass das Team schnellstmöglich Punkte einfährt. Aber ich bin davon überzeugt, denn es ist in der Liga zu 100 Prozent konkurrenzfähig".