Magdeburg l Nur noch bis zum 15. April gilt in Österreich die Winterreifen-Pflicht, und für den einen oder anderen "Alpenjodler" drängt allmählich die Zeit, sich für den Sommer zu rüsten. Dominik Baumann hat erst gar nicht angefangen, die täglichen Telefonate mit Interessenten an Sommerreifen zu zählen, sein Handy klingelt derzeit unheimlich oft deswegen.

"Die Leute wissen eigentlich, dass ich nicht zu Hause bin", sagt der 21-jährige Pilot von Schubert Motorsport in Oschersleben lächelnd. Zuhause ist Rum im schönen Tirol, dort hat er eine kleine Reifenbude, die er mehr oder weniger zum Zeitvertreib unterhält, oder wie es Baumann sagte: "Um einen Grund zum Aufstehen zu haben in meiner motorsportfreien Zeit."

Die Reifenbude muss sowieso nun lange ohne ihren Chef klarkommen. Denn Baumann fährt ab dem 26./27. April im Team mit Claudia Hürtgen um die Meisterschaft im ADAC GT Masters. "Für uns kann es nur um den Titel gehen", betonte Baumann am gestrigen Dienstagmittag in der "etropolis Motorsport Arena", als sich die Serie im vollbesetzten Medienraum präsentierte.

14 Teams werden mit 25 Autos in acht Saisonveranstaltungen und damit 16 Rennen an den Start gehen. Und wenn man die Medienpräsenz von gestern auch als Zeichen für eine gewachsene Popularität der Serie verstehen will, dürfte sich die Arena Ende April auf mehr als die 14.500 Fans freuen, die 2013 nach Oschersleben strömten. Die Schubert-Crew stellt neben der 42-jährigen Hürtgen, die heute zu den Tests anreist, und Baumann (beide belegten in der Fahrerwertung 2013 Rang fünf), noch ein zweites Pilotenduo im Z4: Max Sandritter (25) und Neuzugang Jens Klingmann (23).

Klingmann hatte bereits 2013 als Ersatzmann mit dem damals verletzten Stammfahrer Jörg Müller seine Visitenkarte abgegeben, als er mit Sandritter auf dem Sachsenring einmal auf Rang drei und einmal zum Sieg gefahren war. Zuletzt war er in einer kompletten Masters-Saison vor vier Jahren aktiv, damals wurde er Fünfter. "Ich freue mich einfach, dass ich wieder die gesamte Serie fahren kann. Mein Ziel ist ja immer der Gewinn der Meisterschaft, aber man freut sich dann besonders, wenn man auch ein siegfähiges Team und Auto hat", erklärte Klingmann. "Bei Schubert stimmt das Komplettpaket." Routinier Müller ist derweil in die Masters-Serie nach Japan gewechselt.

Ob Heinz Harald Frentzen mit H.T.P. Motorsport Saarbrücken konkurrenzfähig sein wird im Titelkampf, weiß der Formel-1-Vizeweltmeister von 1997 selbst nicht so genau. "Wir lassen uns überraschen", blickte er vorsichtig auf die Saison voraus. Frentzen steigt in einen Mercedes SLS AMG GT 3, er teilt sich ein Cockpit mit dem erst 18-jährigen Luca Stolz. "Es ist eine der interessantesten Serien Deutschlands", erklärte der 46-Jährige. Es ist die Serie der "Supersportwagen", in der sich auch Frentzen zunächst an sein neues Gefährt gewöhnen muss. Denn für Mercedes fuhr er zuletzt 1990 im Juniorteam unter anderen mit Michael Schumacher. 2011 und 2012 startete er im GT Masters in einer Corvette.

"Jedes Auto fährt sich anders, was zählt, ist, dass es ein Lenkrad und vier Räder hat", gab Frentzen den Pressevertretern schmunzelnd zu Protokoll. Vor allem aber hat er diesen Vorteil mit allen Piloten gemein: Um den Reifenwechsel müssen sich andere kümmern.