Magdeburg l Erst eine schwere Verletzung am linken Arm hatte ihn einst zu jenem Kreisspieler gemacht, der 1970 und 1974 die Weltmeisterschaft mit der rumänischen Handball-Nationalmannschaft gewann und der mit ihr 1972 Silber und 1976 Bronze bei Olympia holte. Gheorge Licu, genannt Ghita, war kein körperlich großer, aber ein harter Spieler und ein exzellenter Abwehrspieler außerdem. Er wurde der "Mann des Waldes" in seiner Heimat genannt, weil er der unüberwindbare "Baum" im Mittelblock, außerhalb des Spielfeldes aber die Ruhe in Person war. Genau so haben ihn auch die Magdeburger erlebt.

Nun aber "hat der rumänische Handball eine große Persönlichkeit verloren", schreibt das Internetportal "Progport.ro". Denn Ghita Licu ist am Dienstag im Alter von 68 Jahren gestorben. Er erlag einem schweren Krebsleiden.

Licu ist am 1. Februar 1945 in Fierbini im Süden Rumäniens geboren worden, er spielte für Dinamo Bukarest, er gab mit 22 Jahren sein Debüt im Nationaltrikot, das er in 198 Länderspielen trug. "Handball war sein Leben", sagt Harry Jahns über die gemeinsame Zeit beim SC Magdeburg. Zwischen 1995 und 2006 waren Licu und Jahns für den Nachwuchs verantwortlich, "zehn deutsche Meistertitel haben wir wenigstens gefeiert", berichtet Jahns. Licu unterstützte ab 1999 zudem Bundesliga-Coach Alfred Gislason als Assistent und folgte dem Isländer nach dessen Abgang im Januar 2006 für ein halbes Jahr ins Amt. Er war damit fester Bestandteil der erfolgreichsten Ära des SCM nach der Wiedervereinigung: beim Gewinn der deutschen Meisterschaft (2001) und der Champions League (2002).

"Ghita war ein harter Hund", so Jahns, "er hat viel von den Spielern verlangt, aber er war auch ein herzensguter Mensch."

Der SCM schreibt zum Tod Licus: "Wir sind von der Nachricht sehr betroffen. Ghita hat über Jahre den SC Magdeburg und insbesondere die Nachwuchsarbeit geprägt. Wir sind in den Gedanken bei seiner Familie, mit der wir um einen hervorragenden Menschen und Trainer trauern." Zur Familie gehört der Sohn Robert Licu, ein Linkshänder mit 243 Länderspielen für Rumänien, der zwischen 1993 und 1998 sowie in der Saison 2003/04 für den SCM spielte.

Jahns hatte bis zum Dezember Kontakt zu Licu: "Wir haben einmal im Monat miteinander telefoniert", berichtet er, ehe die fortschreitende Krankheit die weitere Kommunikation verhinderte. Licu wollte selbst die Familie nicht mehr sehen, wenn seine Schmerzen zu groß waren: "Er wollte als starker Handballer und nicht als Bedürftiger in Erinnerung bleiben", erklärt Cristian Gau, Licus ehemaliger Teamgefährte, dem Internetportal "gsp.ro".

Zur Beerdigung wird es Jahns nicht schaffen, bereits am heutigen Donnerstag wird Gheorge Licu in Pantelimon, in der Nähe von Bukarest, beigesetzt. Jahns bereitet seine A-Junioren bereits auf die Ausscheidungsspiele zur deutschen Meisterschaft vor. Er ist sich sicher: "Es wäre nicht in Ghitas Sinne gewesen, wenn ich die Jungs allein gelassen hätte. Das hätte er nicht gewollt."