Uwe Jungandreas hat als Interimstrainer des SCM bis dato zehn Punktspiele absolviert. Seine Bilanz: Fünf Siege, zwei Remis und drei Niederlagen - das ergibt bei insgesamt zwölf Pluspunkten einen Durchschnitt von 1,2 Punkten pro Spiel.

Im Vergleich dazu kam der im Dezember beurlaubte Frank Carstens in seinen letzten zehn Spielen mit dem SCM auf einen Durchschnitt von 1,0 Punkten (5 Siege, 5 Niederlagen). Allerdings hinkt der Vergleich ein wenig, da Jungandreas mit bisher sieben Auswärts-Partien, davon allein vier gegen ein Spitzenteam, das schwerere Programm hatte. (jb)

Seit seinem Amtsantritt am 17. Dezember hat Uwe Jungandreas als Interimstrainer des SCM zehn Punktspiele absolviert, noch sechs hat der 52-Jährige vor der Brust. Vor dem Saison-Endspurt zog der Sachse mit Volksstimme-Redakteurin Janette Beck eine Zwischenbilanz und gewährte auch einen Blick in seine Zukunftspläne.

Volksstimme: Wie beurteilen Sie das bisher Erreichte?
Uwe Jungandreas: Ich bin zufrieden, denn ohne auf die Gesamtpunktzahl zu schauen, hat sich die Mannschaft in dieser Zeit gut entwickelt. Vor allem die Art und Weise, wie sie die letzten Spiele bestritten hat, imponiert mir. Zu behaupten, ich hätte noch mehr erwartet, wäre Quatsch. Ich bin ohnehin angesichts des Programms, das es mit zehn Auswärts- und sechs Heimspielen in sich hat, recht realistisch an die Aufgabe rangegangen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass viele Spieler infolge der Verletzungsmisere physisch und psychisch zum Zeitpunkt meiner Übernahme angeschlagen waren.

Volksstimme: Gibt es Punkte, denen Sie nachtrauern?
Jungandreas: Nein. Ich bin sowieso nicht der Typ, der nach hinten schaut, denn ein Nachtrauern oder Hätte-Wenn-und-Aber bringt uns die verlorenen Punkte auch nicht zurück. Klar könnte ich jetzt beispielsweise sagen, hätten wir in Berlin nicht eine Halbzeit verschlafen ... Oder der unsägliche 1:18-Lauf der Löwen beim Spiel in Mannheim hätte so nicht passieren dürfen ... Viel wichtiger ist doch, dass wir die Sachen analysieren, nach den Gründen suchen, die richtigen Schlüsse daraus ziehen und es beim nächsten Mal besser machen. Das hat letztlich ja auch unmittelbar danach zur erhofften Trendwende geführt, die mit dem Sieg in Lemgo eingesetzt hat. Das war für mich das Schlüsselspiel, denn da haben wir erstmals das 1:1 umgesetzt, was wir uns vorher vorgenommen hatten.

Volksstimme: Was ist das Geheimnis der sich anschließenden Erfolgsserie?
Jungandreas: Entscheidend ist, dass jetzt wieder alle Mann an Deck und in einem ordentlichen physischen Zustand sind. Auch mental sind die Jungs stabiler, denn wenn der Kopf mitspielt, spielt auch der Körper mit.

Volksstimme:
Aber das brauchte offensichtlich seine Zeit?
Jungandreas: Natürlich ist das Ganze ein langfristiger Prozess. Die beiden Spiele um Weihnachten haben wir in der Tat mehr schlecht als recht über die Runden gebracht. Erst danach habe ich mir in Ruhe Gedanken machen können, was mit Blick auf die Rückrunde zu ändern ist und was kurzfristig Erfolg bringen könnte. Hier und da wurden dann in der Vorbereitung neue Reize gesetzt, einige Dinge mussten aber auch grundsätzlich geändert werden. Das betraf weniger die Abwehr- und Angriffsarbeit, sondern mehr das Kraft-, Athletik- und Konditions-Training. Das ist jetzt abwechslungsreicher und ganzheitlicher. Die Jungs haben offensichtlich mehr Spaß, sie sind körperlich stabiler und beweglicher. Das kommt unserem Spiel zugute.

Volksstimme: Wo konstatieren Sie noch Fortschritte?
Jungandreas: Die Mannschaft geht mit einer viel höheren Intensität und Spielfreude zu Werke. Die Abwehrspieler reagieren variabler in bestimmten Systemen und sind in der Lage, situationsbedingt zu reagieren. Irgendwie hängt alles zusammen: Mit der verbesserten Abwehrleistung ging eine Leistungssteigerung der Torhüter einher. Das wiederum erhöht die Chance auf leichte Tore. Das Selbstbewusstsein wächst und führt wiederum zu einer verbesserten Angriffsleistung.

Volksstimme: Und wo klemmt noch die Säge?
Jungandreas: Man sollte in der Kürze der Zeit keine Wunderdinge erwarten. Es ist gut so, wie es jetzt ist, und so soll es bleiben.

Volksstimme: Sie haben mitgeholfen, die Karre aus dem Dreck zu ziehen. Bedauern Sie nicht, dass Sie - völlig unabhängig vom Erfolg - das Team im Sommer dem neuen Coach Geir Sveinsson überlassen müssen?
Jungandreas: Es war vom ersten Tag an klar, dass ich nur ein halbes Jahr Trainer des SCM bin, und ich habe das so akzeptiert. Deshalb beschäftige ich mich auch nicht in der Tiefe damit, das Thema ist tabu. Dass mir die Art und Weise der Zusammenarbeit mit der Mannschaft gut gefällt und Spaß macht, steht allerdings außer Frage. Ich würde mich immer wieder so entscheiden, wie ich es im Dezember getan habe.

Volksstimme: Maximal zwölf Punkte gibt es noch zu holen, wie viele davon sind realistisch?
Jungandreas: Ich schiele weder auf einen Tabellenplatz noch auf Punkte. Wir sind bis jetzt gut gefahren damit, nur von Spiel zu Spiel zu schauen und uns der Aufgabe zu widmen, dem Publikum Spaß zu bereiten.

Volksstimme: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Jungandreas: Ein konkretes Jobangebot gibt es noch nicht. Wenn man als Trainer in der besten Liga der Welt gearbeitet hat, dann möchte man das natürlich auch weiterhin tun. Aber in der ersten Liga gibt es 18 Trainerstellen, dazu noch einmal 18 in der 2. Liga - dem gegenüber stehen gut 120 Trainer, die auf eine Chance hoffen. Sollte es noch etwas darunter sein, dann muss es Sinn machen und ein sehr ambitionierter Verein sein.

Volksstimme: Wäre der Job als Co-Trainer des SCM für Sie eine Option?
Jungandreas: Das ist zu keiner Zeit thematisiert worden - weder von mir noch vom SCM. Die Frage was-wäre-wenn? stellt sich also für mich nicht.