Die Arena in Zahlen

BEGINN
Am 8. Juli 1996 wurden mit den Bauarbeiten begonnen. 1,25 Millionen Kubikmeter Erde wurden bewegt, allein 40.000 Arbeitsstunden waren für die Tiefbauarbeiten nötig. Zunächst entstand ein 3,667 Kilometer langer Rundkurs mit 14 Kurven und einer 680 Meter langen Start-Ziel-Geraden. Für die Sicherheit wurden Doppelt- und Dreifachplanken installiert und 40.000 Reifen an der Strecke gestapelt. 20 Kilometer Elektro- und Glasfaserkabel und 4,5 Kilometer Trinkwasserrohre wurden unter anderem verlegt. 12.400 Quadratmeter wurden gepflastert.

ERÖFFNUNG
Am 25. Juli 1997 wurde die Rennstrecke als "Motorpark" Oschersleben eingeweiht. 2005 erfolgte mit Abschluss des Insolvenzverfahrens die Umbenennung in Motorsport Arena Oschersleben, 2012 wurde mit "etropolis" ein Namenspartner gefunden.

HOTEL
Das hauseigene Vier-Sterne-Hotel zählt 88 Doppelzimmer und sieben Suiten.

AUSBAU
2007 wurde die bisherige Streckenführung verändert, der Kurs auf 3,696 Kilometer ausgebaut. Besonders spektakulär für die Fans ist seitdem die erste Kurve: Die Start-Ziel-Gerade wurde verlängert und führt nun im 90-Grad-Bogen mit anschließender Rechtskurve auf die alte Strecke zurück.

DTM-Zeitplan
Sonnabend, 17.5., 9.55 Uhr: Freies Training; 11.35 und 13.00 Uhr: Stuntshow; 15.10 Uhr: Qualifying (ab 15.03 live in der ARD)

Sonntag, 18.5., 12.50 Uhr: Präsentation des Starterfeldes; 13.30 Uhr: Start zum zweiten Saisonrennen (ab 13.15 Uhr live in der ARD); 14.55 Uhr: Siegerehrung; 15.05 Uhr: Stuntshow

Die Siegerehrung wird vom Schirmherrn der Veranstaltung, Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel, vorgenommen.

Im Rahmenprogramm werden die Läufe zum Porsche Carrera Cup, zum Volkswagen Scirocco R-Cup und zum Ladies Lotus Cup ausgetragen.

Oschersleben l Seine Lieblingsfarbe ist Blau, und sein Herz schlägt durchaus grün: Aber wenn das Deutsche Tourenwagen-Masters (DTM) in der "etropolis Motorsport Arena Oschersleben" einkehrt, verspürt gerade deren Geschäftsführer Thomas Voss ein besonders wohliges Gefühl in der Magengegend. Dann grummelt es schön sonor im Bauch, wenn der Auspuff durch die Boxengasse knattert, es vibriert so herrlich im Einklang mit dem Büroteppich unter seinen Füßen, wenn die Motoren über die Strecke heulen.

"Die DTM bedeutet den größten Aufwand für die Mitarbeiter."

Das Gefühl ist nicht nur ein besonderes, weil es nachweislich an den DTM-Tagen lauter dröhnt und brummt durch die Arena als bei jedem anderen Rennen im Jahr, sondern "weil diese Veranstaltung den größten Aufwand für die Mitarbeiter bedeutet", erklärt Voss. Erst wenn zum Rennen am Sonntag die Startampel auf Grün schaltet, hat sich auch in den Katakomben der Arena der Puls der Vorbereitungszeit erstmals beruhigt.

Am letzten Tag im April ist noch gar nichts beruhigt im Verwaltungsgebäude der Arena, nur der Schokoladenkuchen liegt gelangweilt im Empfangsbereich. Ansonsten klingeln Telefone, werden Absprachen getuschelt, Menschen laufen eilig durch den langen Gang, Sitzungen dauern länger als angekündigt. Jedes Atmen klingt nach Hektik. Die DTM wirft ihre Schatten voraus.

Zusätzliche Parkplätze müssen angemietet werden, zusätzliche Tribünen braucht der Fan, gibt Voss einen kleinen Einblick. Über Videowände soll über das Geschehen in der Boxengasse und in uneinsehbaren Abschnitten auf der 3,696 Kilometer langen Runde mit jeweils sieben Links- und Rechtskurven informiert werden. "In die Organisation sind einfach viel mehr Unternehmen und Behörden involviert als bei jeder anderen Serie", sagt Voss.

"Der Betrieb hat immer Gewinn abgeworfen."

Er sitzt lässig zurückgelehnt in seinem Büro mit schlicht gehaltenem Mobiliar, mit direktem Blick in die Boxengasse. Aktiver Rennfahrer war Voss nie. Er war Schwimmer, und er war Wasserballer. Aber sein Vater hat ihn in den Siebzigern mal zum Nürburgring mitgenommen, zu einem Formel-1-Rennen. "Das hat bei mir sofort gezündet", erklärt Voss. Zwei Pokale in der Glasvitrine künden dennoch von einem Sieg auf ganzer Motorsportlinie: Die Arena ist 2009 und 2010 zum DTM-Veranstalter des Jahres ausgezeichnet worden. Eine Ehrung, die Voss nicht unwichtig ist.

Die DTM ist ein Segen für Oschersleben, als Sportveranstaltung, als Prestigeobjekt, als finanzielle Einnahmequelle. Und die DTM war aus diesen Gründen schon zweimal ein Fluch. Als die Arena als damaliger "Motopark" am 25. Juli 1997 eingeweiht wurde, hatte sich die Serie in die Zwangspause verabschiedet. Hersteller wie Opel und Alfa mussten der Kostenexplosion beim Kampf um den schnellsten Boliden am Ende der ersten Ära (1984 bis 1996) Tribut zollen, Mercedes hätte als Alleinunterhalter in der Serie keinen Unterhaltungswert gehabt. Oschersleben musste bereits vor dem ersten Betriebstag einen wichtigen und geplanten Posten aus der Bilanz streichen.

2000 kehrte die neu gegründete DTM zwar zurück, 2001 sogar mit zwei Läufen. Trotzdem musste der "Motopark" am 10. Januar 2002 einen Insolvenzantrag stellen. Noch im gleichen Jahr und auch 2003 verzichtete Serien-Rechteinhaber ITR e.V. auf einen weiteren Start in Oschersleben. Die schwierigste Phase in der Geschichte der Arena dauerte insgesamt drei Jahre. Das Bittere: "Der Betrieb hat immer Gewinn abgeworfen, aber der reichte nicht, um die Tilgung und Zinsen für die Finanzierung der Anlage zu deckeln", erinnert sich Voss, seit 14 Jahren im Unternehmen und damals Marketingleiter. Für 58 Millionen Euro war das Areal einst aus dem Boden gestampft worden.

Neuer Renntermin ist Problemen am Lausitzring zu verdanken

Die Rettung kam mit einem Bauunternehmen aus dem hohen Norden, zu 92 Prozent noch heute der Gesellschafter (acht Prozent gehören einer niederländischen Firma) der Motorsport Arena, die wiederum 2005 ihren Namen von Thomas Voss erhalten hat. Diese Firma kaufte die Rennstrecke samt Hotel zu einem Bruchteil der ursprünglichen Verbindlichkeiten aus der Insolvenz heraus, Tilgung und Zinsen wurden damit bezahlbar.

Bereits seit 2004 grummelt die DTM wieder in Oschersleben - ununterbrochen. Mehr als 70.000 Zuschauer durfte Voss zumindest 2012 und 2013 resümieren. Eine ähnliche Resonanz erhofft sich der gebürtige Remscheider auch für 2014 - wenngleich diesmal etwas anders ist als in den Jahren zuvor.

Anders ist nämlich der Termin: Mai statt September, zweiter statt achter Lauf - und alles nur, weil der Lausitzring mit den Reparaturen an seiner Strecke nicht pünktlich fertig wurde. Oschersleben verliert deshalb den Status, den Titelkampf vorzuentscheiden. In den vergangenen Jahren fand die DTM in der Arena im jeweils drittletzten der zehn Saisonläufe fast immer ihren Meister.

"Entscheidungen getroffen, die in der Seele wehtaten."

"Vielleicht geben wir auch in diesem Jahr das Orakel", sagt Voss lachend. Wenn die Hersteller BMW, Audi und Mercedes ihre insgesamt 23 Boliden in der Arena am Sonnabend zum Qualifying und am Sonntag zum Rennen an den Start stellen, steht die DTM immer noch am Anfang der Saison. Der Anfang kann auch ein Vorteil sein, sucht Voss den positiven Blick auf die Dinge: "Es ist alles neu für die Zuschauer, die Fans sind neugierig auf die Fahrer und die Autos."

Thomas Voss gehört nicht zu den Geschäftsführern, die Panik verbreiten, wenn etwas entgegen der wirtschaftlichen Erwartungen läuft. Der Diplom-Sportlehrer und ausgebildete Wirtschaftsreferent hat als Geschäftsführer - ab 2005 mit Peter Rumpfkeil, seit 2008 alleiniger Chef - zu viele negative Umstände erlebt und "auch einige Entscheidungen getroffen, die in der Seele wehtaten". Wie zum Beispiel die Entscheidung, die Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTTC) ab 2012 aus dem Programm zu nehmen, "weil die Verluste immer größer wurden".

Der zweifache Familienvater hat deshalb niemanden entlassen. Sein Lebensmotto für alle Bereiche lautet vielmehr: "Entdecke die Möglichkeiten." Es hat sich einiges verändert in seiner Ära: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Verwaltung ist gebaut worden, "in 15 bis 17 Jahren hat sie sich amortisiert", freut sich Voss. Die erste Kurve hinter der Start-Ziel-Geraden ist mit ihrem 90-Grad-Bogen noch spektakulärer gestaltet worden.

Die Belegschaft wurde von 70 auf 100 Angestellte erhöht, zur DTM werden sie von 300 ehrenamtlichen Helfern unterstützt. "Wir haben eine geringe Fluktuation", sagt Voss nicht ohne Stolz. Der 48-Jährige hat das "Portfolio der Arena erweitert" mit neuen Angeboten für den Hobbypiloten zum Beispiel. Er hat mit "etropolis", einem Hersteller von Elektro-Zweirädern, einen Namenspartner gefunden. Das alles drückt sich selbst nach einem mäßigen Jahr 2013 mit 257 Betriebstagen (in der Regel 280 Tage) aufgrund eines langen Winters und weniger Besucher wegen des Hochwassers immer noch in einem Gewinn von 1,4 Millionen Euro vor Steuern aus.

"Wir haben es geschafft, das Leben in der Arena familiär zu gestalten."

"Aber trotz aller Professionalisierung haben wir es geschafft, das Leben auf dem Areal familiär zu gestalten, darauf sind wir alle stolz", betont Voss und blickt dabei aus dem Bürofenster direkt auf die Tribüne an der Start-Ziel-Geraden: "Alle identifizieren sich mit dieser Anlage." Erstmals musste Voss in diesem Jahr eine Urlaubssperre aussprechen, weil die Arena innerhalb von sieben Wochen mit dem ADAC GT Masters, dem DTM-Lauf und dem Opeltreffen ihre drei absoluten Jahreshöhepunkte ausrichtet. "Aber ich bin mir sicher, ich hätte sie gar nicht verhängen müssen", weiß Voss.

Denn jeder in der Arena, der immer noch einzigen privaten Rennstrecke in Deutschand, mag das sonore Grummeln in der Magengegend, das Heulen der Motoren an den DTM-Tagen. Und das alles ist bereits bis 2016 vertraglich mit dem Rechteinhaber gesichert.

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