Trainer Andreas Petersen (53) und sein Co., Danny König (39), bilanzieren mit Volksstimme-Redakteur Klaus Renner ihr Wirken beim 1. FC Magdeburg. Sie kritisieren vor allem die fehlende Anerkennung ihrer Arbeit.

Wie ist Ihre Stimmungslage so kurz vor dem Abschied?
Andreas Petersen:
Kein Gedanke an Wehmut. Wir haben am Sonnabend gegen Auerbach noch eine wichtige Aufgabe. Ich genieße wie immer jeden Tag beim FCM, jedes Training und jedes Spiel.
Danny König: Vor allem nach unserem Pokalerfolg in Halle ist die Stimmung sehr gut. Und gegen Auerbach haben wir noch etwas vor.

Wie verleben Sie Ihre letzten Tage beim FCM?
Petersen:
Wir haben mit der Mannschaft weiter sehr viel Spaß. Erst am Montag habe ich das Team, die Betreuer und den medizinischen Stab zu mir nach Hause eingeladen. Wir haben uns auf unsere Weise bei der Mannschaft bedankt und sie hat mir ein Buch mit dem Titel "Am Ende kackt die Ente" geschenkt. Das ist ein beliebter Spruch von mir. Und es gab auch ein paar Tränen. Diese Zusammenkunft, zu der sich die Mannschaft eigens einen Bus gechartert hatte, war mit Verlängerung und Elfmeterschießen. Nachts wollte keiner wieder nach Hause. Und zum sportlichen Teil: Von Mittwoch bis Freitag haben wir trainiert, um gegen den VfB Auerbach alles für einen guten Saisonabschluss zu tun.
König: Für mich war die Dampferfahrt des Vereins mit der Mannschaft am Dienstag ernüchternd. Wenigstens Präsident Peter Fechner hat sich persönlich bei jedem bedankt. Schade, dass die Stimmung dem Pokalsieg nicht angemessen war.

Wie fällt die Bilanz Ihrer Tätigkeit beim FCM aus?
Petersen:
Als ich 2012 geholt wurde, hatte der FCM einen Dreijahresplan. Den habe ich mit Platz zwei in dieser Saison und zwei Pokalsiegen übererfüllt. Rein sportlich habe ich mir nichts vorzuwerfen. Andererseits habe ich mit den zwei Pokalsiegen und den damit verbundenen 218.000 Euro Einnahmen auch zur wirtschaftlichen Gesundung des Vereins beigetragen. Ganz zu schweigen von den Einnahmen durch die stabil hohe Zuschauerzahl.
König: Die Zuschauer kommen, weil wir attraktiven Fußball spielen und als einzige Mannschaft der Nordost-Regionalliga in jedem Spiel mindestens ein Tor erzielt haben. Und das beschränkt sich nicht allein auf Christian Beck und Lars Fuchs.

Ist Ihnen in Ihrer Zeit beim FCM etwas nicht so gut gelungen?
Petersen:
Mir ist es nicht gelungen, bei den handelnden Personen Vertrauen für unsere Arbeit zu schaffen. Man war mit unserer Arbeit zu ungeduldig und hat unsere Arbeit als Trainer nie vor der Mannschaft gelobt.

Ihr Engagement beim FCM ist nach offizieller Lesart an Ihrer fehlenden Fußball-Lehrer-Ausbildung gescheitert. Werden Sie diese nun nachholen?
Petersen:
Würde ein Verein diesbezüglich an mich herantreten, würde ich den Fußball-Lehrer-Schein machen. Hätte übrigens der FCM darum gekämpft, hätten wir eine Möglichkeit gefunden, dass Danny die Mannschaft in den Tagen, an denen ich abwesend wäre, trainiert.
König: Als Andreas vier Spiele gesperrt war, habe ich ja gezeigt, dass ich diese Mannschaft erfolgreich führen kann. Das war ein Vorgeschmack, wie es in der Zeit der Ausbildung hätte laufen können.

Hätten Sie weiter gern beim FCM gearbeitet?
Petersen:
Ja.
König: Ja, aber seit der Winterpause ahnten wir, wohin die Reise geht und dass der FCM keinen Wert auf eine weitere Zusammenarbeit mit uns legt.

Wie werden Sie die kommenden Tage verbringen?
Petersen:
Ich werde erst einmal alles in Ruhe sacken lassen und bestimmt in aller Stille eine letzte Runde im Stadion drehen und mich dann von jedem Spieler persönlich verabschieden. Es war etwas Tolles, Trainer beim FCM zu sein. Was wir in unserer gemeinsamen Zeit hier geschafft haben, ist einzigartig.
König: Ich hoffe, es bleibt mir Zeit, mich von der Mannschaft persönlich zu verabschieden.

Wann werden Sie Ihre neue Tätigkeit beginnen?
Petersen:
Als künftiger Trainer von Nord-Regionalligist Schwarz-Weiß Rehden werde ich kommende Woche dort einige Dinge zu erledigen haben.
König: Das Angebot des FCM für die Nachwuchstrainer-Stelle war für mich leider finanziell nicht akzeptabel. Deshalb werde ich Andreas als Co-Trainer nach Rehden folgen. Im Übrigen haben wir dort noch nicht vor der Mannschaft gestanden und mit noch keinem Spieler gesprochen. Das gebietet der Respekt.

Wie bleibt Ihnen der FCM in Erinnerung?
Petersen:
Mit wunderbaren Erfahrungen mit der Mannschaft, den Fans, der Stadt und der Region. Die tolle Zusammenarbeit mit dem Trainer- und Funktionsteam bleibt ein Leben lang unvergessen.
König: Der FCM ist ein toller Verein mit überragenden Fans.

Würden Sie den Schritt zum FCM wieder gehen?
Petersen:
Ja, ich würde wieder zum FCM zurückkehren. Ich kann in den Spiegel schauen und distanziere mich von Besserwissern, die sagen, so einfach wie in dieser Saison wäre der Aufstieg nie wieder.
König: Man sieht sich im Fußball immer wieder ...

Was trauen Sie dem FCM in der kommenden Saison zu?
Petersen:
Wenn der Verein den von uns eingeschlagenen Weg weitergeht und sich punktuell verstärkt, wird der Erfolg nicht ausbleiben. Mein Nachfolger Jens Härtel ist ein guter Trainer, der es mit dem FCM in die 3. Liga schaffen kann.
König: Mit Platz zwei in der laufenden Serie und dem Pokalgewinn haben wir Jens Härtel eine Steilvorlage geliefert. Jens ist ein absoluter Fachmann. Ich wünsche ihm und der Mannschaft den Erfolg. Sie haben es verdient.

Und wann spielt der FCM in der 3. Liga?
Petersen:
In der Serie 2015/16.
König: Das sehe ich auch so.