Brandenburg/Magdeburg l Es wird die größte Kanu-Europameisterschaft der Geschichte. Auf der traditionsreichen Regattastrecke am Brandenburger Beetzsee paddelt bis Sonntag die Rekordzahl von 484 Sportlern aus 39 Nationen um Medaillen. Dem 29-köpfigen deutschen Team gehören sieben Olympiasieger an. In 26 Disziplinen werden Medaillen vergeben, der Deutsche Kanu-Verband (DKV) ist in 25 vertreten. Nur der Zweier-Canadier der Damen bleibt unbesetzt.

Den SC Magdeburg vertreten mit Weltmeister Erik Leue, Weltcupsieger Yul Oeltze und Michael Müller drei Canadierfahrer. Leue und Müller sitzen mit den Leipzigern Peter Kretschmer und Sebastian Hennig im C IV über 1000 m. Oeltze möchte im C II mit dem Potsdamer Ronald Verch an seine herausragenden Weltcup-Ergebnisse des Frühsommers anknüpfen und blickt voraus: "Mit einer EM-Medaille wollen wir uns für die Weltmeisterschaften in Moskau (6. bis 10. August/d. Red.) empfehlen." Auch der DKV-Vierer-Canadier sollte in Brandenburg bei der Medaillenvergabe ein gehöriges Wörtchen mitreden können.

DKV-Sportdirektor Jens Kahl legt die Latte hoch: "Zwölf Medaillen wollen wir gewinnen. Bei den Olympischen Spielen in Rio wollen wir sechs Medaillen holen. Da brauchen wir hier nicht rumzueiern und setzen uns deswegen diese hohen Ziele."

Anders äußerte sich Thomas Konietzko. Der in Wolfen beheimatete DKV-Präsident formulierte es so: "Wir tun gut daran, uns kein Medaillenziel zu setzen und stattdessen die Grundlage für künftige Medaillen zu legen. Die Titelkämpfe von Brandenburg sollten aus diesem Grund zunächst der WM-Vorbereitung für Moskau dienen." Konietzko stellte erfreut fest, dass "Kanu-Rennsport national und international boomt" und leitete daraus die Hoffnung ab: "Deshalb ist die Heim-EM Motivation genug für gute Ergebnisse."

Auch Chef-Bundestrainer Reiner Kießler beließ es nicht bei Allgemeinplätzen: "Bei der Hälfte der EM-Entscheidungen sollten wir zu Medaillen in der Lage sein."

Zu den Top-Favoriten gehören auf dem Beetzsee Canadier-Einer-Ass Sebastian Brendel (Potsdam) und Sprint-Spezialist Ronald Rauhe (Potsdam) mit seinem neuen K-II-Partner Tom Liebscher aus Dresden. "Ich will auf meinen drei Strecken drei Medaillen und mindestens einen Titel", sagte Brendel, der im Einer über 500 m, 1000 m und 5000 m an den Start geht.

Die Brandenburger Gastgeber erwarten an den drei Wettkampftagen rund 10 000 Besucher. Die EM wird am heutigen Donnerstag um 19 Uhr eröffnet. Die Wettfahrten beginnen von Freitag bis Sonntag jeweils um 9 Uhr. Der rbb berichtet in der "ARD Sportschau live" im Ersten und im rbb-Fernsehen von der Kanu-EM.