Magdeburg l Über Nico Walther muss man wohl nicht viel mehr Worte verlieren. Es reicht zu sagen, dass der Bobpilot aus Riesa "jung und wild" ist. Und die das sagen, sind älter als Walther, sie sind bereits Väter. Der eine Vater heißt Andreas Bredau, 30 Jahre, er und seine Angela sind Eltern von Xeno und Nuri. Der andere Vater ist Marko Hübenbecker, 28 Jahre, er und seine Aileen sind Eltern von Marvin. Das sind die kleinen Familiengeschichten aus dem neuen Team.

Die große Familiengeschichte handelt ebenfalls von einem Kind, es heißt: Olympia 2018. Mit Bredau, Hübenbecker und Birk Lösche (27) schieben gleich drei Hünen des Mitteldeutschen Sportclubs (MSC) in der neuen Saison den "wilden" Walther (24) an. Zur Familie gehört zudem Philipp Wobeto (23/SC Potsdam).

Hübenbecker findet die Mischung "aus den jungen Wilden und den alten Hasen gut". Ebenso gut findet Hübenbecker, dass er mit Bredau erstmals seit 2012 wieder in einem Schlitten sitzt, einst waren die ehemaligen Leichtathleten Konkurrenten im Diskusring. "Wir sind unkompliziert, und das, was wir uns zu sagen haben, kommt immer richtig an", sagt Bredau und meint damit auch: Kritik.

Kritik an seiner Person kam bei Hübenbecker in jüngster Vergangenheit nicht so gut an. Gleich nach Olympia in Sotschi, als er mit Maximilian Arndt (Oberhof) im Vierer nur Sechster wurde, wurde die Enttäuschung darüber ihm angelastet (Volksstimme berichtete). "Damit habe ich abgeschlossen", betont Hübenbecker. "Der Spaß ist zurück, ich schaue nur noch nach vorn."

Dafür hatte Bredau mehr als ein halbes Jahr Zeit. Seit seiner Fußfraktur im November 2013 hat er kein Rennen bestritten, kein Ergebnis geliefert, weshalb ihm zunächst die Sporthilfe gestrichen worden war. "Das war ein Irrtum, und inzwischen ist alles nachgezahlt worden. Ich habe einen Sonderstatus, werde aber wie ein Mitglied des A-Kaders gefördert", bestätigt Bredau.

Der "wilde" Walther gehört zum B-Kader des Bob- und Schlittenverbandes, er ist in diesem Jahr Junioren-Weltmeister im Zweier geworden, Erfahrung auf dem Elite-Terrain hat er nicht. Trotzdem kämpfen die arrivierten Anschieber mit ihm um den Start auf internationaler Bühne. "Unser Ziel ist natürlich der Weltcup", erklärt Hübenbecker. Und es gibt ja Beispiele dafür, dass es die neue Familie trotz der starken Breite an der deutschen Bob-Spitze schaffen kann: Die Piloten Manuel Machata (Vierer/2011) und Francesco Friedrich (Zweier/2013) waren aus dem Juniorenbereich direkt zum WM-Titel bei der Elite gefahren.

In der Selektion im Oktober werden für den Weltcup die besten drei Teams im Zweier und Vierer von Bundestrainer Christoph Langen gesucht. Bredau und Hübenbecker sagen: "Sollten wir das nicht schaffen, greifen wir eben wieder im nächsten Jahr an." Schritt für Schritt soll es zu Olympia 2018 gehen. Irgendwie wird die Familie das Kind schon schaukeln.