Hamburg l Sein Heimtrainer Roland Oesemann freute sich sogar über die 100 Kilogramm Körpergewicht, welche Philipp Syring dem starken Gegenwind entgegensetzen konnte. In Hamburg stemmte sich der 17-jährige Hüne im Bug des SCM-Doppelzweiers aber nicht nur gegen Wellen und Sturm, sondern vor allem im harmonischen Einklang mit Max Appel (85 Kilo) gegen die Konkurrenz. Mit zwölfeinhalb Sekunden Vorsprung auf Litauen und fast 14 auf Australien sicherten beide Magdeburger sich und dem Deutschen Ruderverband (DRV) bei den U-19-Weltmeisterschaften die Goldmedaille. "Das war eine saubere WM für die beiden", freute sich auch Sachsen-Anhalts Landestrainer Bernd Stumpe, der Appel/Syring sowohl in der unmittelbaren WM-Vorbereitung als auch während der Wettkämpfe betreut hatte.

SCM-Coach Oesemann und sein Eliteruderer Marcel Hacker drückten derweil am Uferrand im Wasserpark Elbe-Dove die Daumen, sie bereiten sich derzeit in Ratzeburg auf die WM Ende August in Amsterdam vor. "Das haben die Jungs souverän gelöst", freute sich Oesemann. "Das war eine sehr geile Sache, auch für Bernd Stumpe, unter dem ich vor 20 Jahren bereits Junioren-Weltmeister im Doppelvierer und ein Jahr später im Einer geworden war", berichtete der 37-jährige Hacker.

Schon im vergangenen Jahr hatten Appel (im Doppelvierer) und Syring (im Doppelzweier) einen Titel bei der WM in Trakai (Litauen) gewonnen. Aber jener von Hamburg ist für beide noch schöner, wenngleich er erwartbarer war, wie der 18-jährige Appel bestätigte. "Wir konnten unsere Leistung aus dem vergangenen Jahr bestätigen, deshalb ist unsere gemeinsame Goldmedaille schon wichtiger", sagen beide. Über das Finale, das sie nach der Entscheidung der Fairness-Kommission auf der vermeintlich besten Bahn sechs absolvierten ("Das war aber kein Vorteil für sie", so Stumpe), sagten sie: "Wir haben uns an die Taktik gehalten, wollten wieder schnell am Start rauskommen und nach Möglichkeit unseren Vorsprung ausbauen, das ist uns heute perfekt gelungen."

Nicht perfekt, aber "auch keineswegs enttäuschend in Anbetracht aller Umstände", wie Stumpe resümierte, lief es für Lena Dankel im Finale des Vierers ohne Steuermann. Mit Carolin Dold, Leah Labudde und Vanessa Wuttig fuhr die 18-Jährige auf Rang vier, zu Bronze fehlten den Mädels fünfeinhalb Sekunden. Es gewann China vor den USA und Italien. "Wir sind ein gutes Rennen gefahren, aber die anderen hatten dem Gegenwind einfach mehr entgegenzusetzen. Auch ein paar gesundheitliche Probleme spielten sicher eine Rolle", sagte Dankel mit dem Hinweis auf die Mandelentzündung bei Dold. "Aber es war eine tolle Erfahrung und hoffentlich nicht meine letzte WM." SCM-Coach Oesemann ist sich sicher: "Sie wird ihr Glück im Riemenbereich finden."

Landestrainer Stumpe durfte letztlich eine erfolgreiche Bilanz ziehen. An zwei der sieben Goldmedaillen des DRV (Platz eins in der Nationenwertung) waren drei Sachsen-Anhalter beteiligt: Sophie Gnauck (Halle) gewann nämlich noch den Titel mit dem Achter. "Die Ausbeute kann sich wirklich sehen lassen."