Magdeburg l Die internationale Konkurrenz sitzt dem Deutschen Kanu-Verband (DKV) dramatisch im Nacken. Zeichnete sich diese Tendenz bereits bei den Heim-Europameisterschaften in Brandenburg Anfang Juli ab, lieferten die Weltmeisterschaften in Moskau die Bestätigung. Die kritische Bestandsaufnahme von Chef-Bundestrainer Reiner Kießler: "In den olympischen Disziplinen haben wir es nicht gepackt, auf dem Höhepunkt in breiter Spitze zu überzeugen", verdeutlicht "trainingsmethodische Probleme" für Deutschlands Olympia-Vorzeige-Spitzenverband der vergangenen zwei Jahrzehnte.

Lichtblicke gab es dennoch. Eine Vielzahl junger Athletinnen und Athleten, darunter auch ein Quintett des SC Magdeburg, klopfte in diesem Sommer lautstark an die Tür zur Weltspitze. An die Spitze dieser Bewegung setzte sich aus Magdeburg Yul Oeltze. Der erst 20-jährige Schützling von Trainer Eckhard Leue gewann mit seinem Potsdamer Partner Ronald Verch im Canadier-Zweier über 1000 Meter in Moskau WM-Bronze. Das Duo hatte in dieser Saison bereits einen Weltcup für sich entschieden. Für eine weitere WM-Bronzemedaille hatte Jasmin Fritz bei der Junioren-WM in Szeged im Kajak-Einer über 500 Meter gesorgt. Mit dem Vierer wurde die Magdeburgerin Vierte.

Knapp an den Medaillen vorbei paddelten auch die SCM-Hoffnungsträger Michael Müller als Vierter bei der U-23-WM. Im DKV-Canadier-Vierer wurden Müller und SCM-Routinier Erik Leue Fünfte bei der WM. Platz vier im C II über 1000 Meter ging zudem an den von Detlef Hummelt trainierten Felix Gebhardt. Nina Krankemann legte mit WM-Rang fünf im DKV-Kajak-Vierer nach - alles in allem also fünf Magdeburger Talente auf dem Sprung nach ganz oben.

Das sah auch SCM-Trainer Eckhard Leue beim Empfang des Vereins für seine erfolgreichen Athleten so: "Sie haben gezeigt, dass sie in ihren jeweiligen Altersklassen mit zur Weltspitze gehören und sind mit ihren vierten und fünften Plätzen größtenteil nur knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt."

Die Ergebnisse hätten gezeigt, so Leue, dass "die Auseinandersetzungen in der Weltspitze deutlich härter" geworden sind. Die Fahrzeiten bei allen internationalen Meisterschaften in diesem Jahr "vom Nachwuchs bis zur Leistungsklasse sind überall Weltbestleistungen". Weltrekorde werden bekanntlich beim Kanu-Rennsport nicht gemessen. Deshalb heißt Leues Schlussfolgerung für die Zukunft in Richtung Rio 2016: "Wer Weltspitze fahren will, muss auch Weltspitze trainieren - und nicht Kreisklasse."