Berlin l Die Liste der Favoriten, die die EM-Organisatoren vor dem Wettkampf verteilt hatten, las sich derart prominent, als wäre das Rennen bereits auf dem Papier entschieden worden. Da standen Namen von Olympiateilnehmern sowie Welt- und Europameistern, Namen wie Thomas Lurz, Daniel Fogg oder Luca Ferretti. Nur der Name Rob Muffels stand da nicht. Mit ihm hatte niemand gerechnet.

Auch Muffels selbst hatte das Ende des Rennens allenfalls mal geträumt, weshalb der 19-jährige Freiwasser-Athlet vom SC Magdeburg am gestrigen Mittwoch nach seinem Silbergewinn im Zeitrennen über fünf Kilometer bei der Schwimm-Europameisterschaft in Berlin gestehen musste: "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll." Dafür färbten sich seine Wangen rot, sein Lächeln verriet Verlegenheit. Und eigentlich, so sprachen seine Augen, war ihm gerade nach Heulen zumute: "Ich war zwar zweimal Jugend-Weltmeister, aber bei der Elite ist es was ganz anderes. Das ist mein größter Erfolg."

Als Muffels das in der Mixed-Zone an der Regattastrecke in Berlin-Grünau erklärte, hatte der Brite Fogg sein Zeitrennen über fünf Kilometer soeben beendet auf der Dahme. Mit 53:41,4 Minuten schnappte der 26-Jährige seinem deutschen Konkurrenten die Goldmedaille weg, dafür hatte Muffels (54:01,8) Rekordweltmeister Lurz (34) mit acht Hundertstelsekunden Rückstand auf Rang drei verwiesen. "Mit diesem Ergebnis war nicht zu rechnen", erklärte SCM-Trainer Bernd Berkhahn. "Und dann noch einen Thomas Lurz geschlagen zu haben, das habe ich noch gar nicht auf der Kette", meinte Muffels, dessen Traum sich bereits erfüllt hätte, hätte er mit Lurz überhaupt auf dem Podium gestanden.

Berkhahn hatte schon vor der EM von der Form seines Schützlings einen guten Eindruck gewonnen, aber "diesmal hat er seine Leistung wirklich auf die Spitze getrieben". Zum Beispiel mit einer starken 38er Schlagfrequenz auf der zweiten der beiden Runden über je 2,5 Kilometer. Von einer Staffelstabübergabe vom Würzburger Lurz an den Magdeburger Muffels wollte jedoch niemand sprechen. "Das ist viel zu früh", sagte Berkhahn, "Rob hat jetzt die Grundlagen für die olympischen zehn Kilometer, aber auf dieser Distanz ist ihm Thomas noch einiges voraus." Umso trauriger allerdings war der Trainer, dass Muffels die Qualifikation für diesen Wettbewerb, bei dem heute der Europameister gesucht wird, nicht geschafft hatte. Dafür wird er wohl in der Teamstaffel am Sonnabend dabei sein.

Finnia Wunram vom SCM darf dagegen heute noch zum Zeitrennen über fünf Kilometer der Frauen antreten. "Dafür habe ich mir kein gesondertes Ziel gesetzt, ich will einfach alle Kräfte zusammennehmen und ein gutes Ergebnis erzielen", erklärte die 18-Jährige nach ihrem 14. Platz (2:00:41,2 Stunden) über die zehn Kilometer. "Ich wollte unter die Top-Acht, aber das Ziel habe ich bereits am Start verpasst", so Wunram, die dennoch zufrieden war. Es gewann Sharon van Rouwendaal (Niederlande/1:56:06,9) vor London-Olympiasiegerin Eva Risztov (Ungarn/1:56:08,5) und Aurora Ponsele (Italien/1:56,08,5).