Berlin (dh) l Natalia Charlos schlug mit dem Kopf gegen die vorletzte Boje, dann taumelte sie weiter durchs Wasser. Wenige Meter vor dem Ziel hatte die Polin das Bewusstsein verloren, ehe ein Helfer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) die 21-Jährige aus dem Wasser holte. "Ist kein Rettungsboot daneben, ertrinkt sie", brachte es der Arzt des Deutschen Schwimmverbandes, Alexander Beck, auf den Punkt. "Sie hat sich überanstrengt, aber sie ist wieder stabil" - und liegt in einem Berliner Krankenhaus.

Der große Aufschrei galt nach dem Zehn-Kilometer-Rennen der Frauen bei der Schwimm-EM am Mittwoch der DLRG, eine gefühlte Ewigkeit hatte es gedauert, ehe ein Retter Charlos zur Hilfe eilte. SCM-Trainer Bernd Berkhahn litt mit seinem ehemaligen Schützling mit, mehr als fünf Jahre hatte er vor seinem Wechsel an die Elbe 2012 Charlos in Elmshorn trainiert. Dort lebt die Polin mit ihrer Familie, dort ist sie mit Finnia Wunram und Rob Muffels vom SCM aufgewachsen. "Da muss man schneller reagieren, da haben wir viel Glück gehabt", sagte Rekordweltmeister Thomas Lurz zum Charlos-Drama, das zwangsläufig an den Tod von Francis Crippen erinnerte. Der Amerikaner war 2010 bei einem Rennen in den Emiraten gestorben, danach wurde die Zahl der Rettungsboote bei Wettkämpfen erhöht. Aber Lurz und Berkhahn sagten auch: "Man muss mit sich selbst vorsichtiger sein." Charlos war es diesmal nicht: Auf dem Weg zu einem Top-Ten-Platz hatte sie an der letzten Verpflegungsstation die Nahrungsaufnahme verweigert.