Steckby l Anstrengend ist so ein Tag schon für die elfjährige Gymnasiastin des Francisceums Zerbst. Seit die Schule am Donnerstag wieder startete, muss sie das Lernen und das Training wieder unter einen Hut bekommen. Zum Glück fällt ihr das Lernen leicht.

Helen wollte immer schon mit dem Pferdewagen fahren. Kein Wunder, wuchs sie doch mit den Großpferden auf und hat mit Papa Steffen einen deutschlandweit erfolgreichen Fahrer als Vorbild. Auch Mutti Stephanie ist eine erfahrene und erfolgreiche Fahrerin. Sicher liegt Helen das Fahren, der Umgang mit und die Liebe zu den Pferden im Blut. Unvergessen ist ihr Opa Rolf Natho, der zu den Zu¨chtern der 100 erfolgreichsten Fahrpferde zählt und selbst im Fahrsport zahlreiche Erfolge feierte. Leider verstarb er zu früh.

Mit neun Jahren legte Helen ihr Fahrabzeichen ab. Seitdem nimmt sie an Turnieren teil.

Ihren ersten Wettkampf bestritt sie in Naumburg bei einem Kostüm-Turnier. Mutti Stephanie zeigt Fotos, wie ihre Tochter als Jungpionier verkleidet auf dem Kutschbock sitzt und strahlt.

Damals spannte sie noch "Hemmingway" an, was aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ging. Es folgten die Pferde "Valentino" und "Happy Lady". Seit diesem Jahr sind "Geronimo" oder "Happy John" die Begleiter der kleinen Fahrerin, die mit allen Pferden bereits diverse Platzierungen erringen konnte.

Nach Naumburg folgten Turnierteilnahmen in Steckby, Zerbst, Bösdorf und erneut in Naumburg. Immer musste sich die 1,46 Meter große und nur 37 Kilogramm schwere Fahrerin zwischen den Erwachsenen oder viel älteren Jugendlichen behaupten. Dies gelang ihr vor allem in Steckby mit Platz vier oder in Bösdorf mit Platz sechs und später sogar Rang drei in der U16 sehr gut. Da traten Großpferde und Ponys gemischt an.

Als Beifahrer und Berater stehen ihr stets ihre Mama, ihr Papa oder Anke Fräßdorf zur Seite. Mit Mama Stephanie wird in den Ferien dreimal pro Woche trainiert. Papa Steffen gibt ebenfalls Tipps, wenn er die Zeit findet. Jetzt in der Schulzeit trainieren die Gerbers zweimal pro Woche.

Helen, die sehr ehrgeizig ist, "fast zu ehrgeizig", meint Mutti Stephanie, kam über das Voltigieren zum Fahrsport. Mit ihrem Einspänner fährt sie in der A-Klasse, hatte die E-Klasse gleich übersprungen. Um im Parcourviereck erfolgreich zu sein, muss das zierliche Mädchen viel lernen, die verlangten Übungen auswendig lernen. Es gibt definierte Bahnpunkte, welche den Ort der Bahnfiguren bestimmen, die während einer Dressurprüfung auszuführen sind.

Sofort hat Helen die Eselsbrücken parat, sie sprudeln förmlich aus ihr heraus: "Mein Ross braucht Paraden für alle korrekten Volten. Es soll hinter Cesar gehen in x-leichte Dressur."

Hier merkt sie sich jeweils die Anfangsbuchstaben für die Einteilung des Vierecks. Klingt einfach, ist dennoch äußerst kompliziert, denn in jedem Teil des Parcours müssen Fahrer und Pferd noch schwierige Aufgaben lösen. Äußerste Konzentration und sehr viel Geschick sind notwendig, um das Gespann zu lenken und zu leiten. Für jeden kleinen Fehler gibt es Punktabzüge. "Da fehlt ihr manchmal noch etwas die Kraft", meinte Mutti Stephanie. "Das Essen ist nicht so meine Stärke", lächelte Helen.

Auch im Kegel-Parcours ist ein gutes Gedächtnis gefragt, muss sie sich doch den Aufbau des Parcours genauestens merken, um die zirka 15 Kegelpaare nach Zeit zu durchfahren. Außerdem gibt es noch Stilnoten. "Das Kegelfahren mache ich lieber", so Helen, die gleich anfügte: "Naja, es kommt auf die Aufgabe in der Dressur an".

Ansonsten hat Helen weitere Hobbys. Sie fährt gern Inliner oder mit ihrem Bruder Laurenz (4 Jahre) Fahrrad. Gern möchte sie auch reiten lernen. Sie bringt sich bei den Turnieren immer voll ein und ist laut Aussage ihrer Mutti schon ein "guter TT", also Turniertrottel, geworden. Sie füttert die Tiere, spannt mit an und hilft, wo sie kann.

Ein großes Ziel hat die kleine Fahrerin vor den Augen: "Ich möchte einmal so erfolgreich sein wie mein Papa."

Wenn die Steckbyerin weiter so fleißig übt und bei den Erwachsenen Erfahrungen sammelt, werden sich bald noch größere Erfolge einstellen.