Hannover l Martin Ziemer wird in Hannover "der Hexer" genannt. Den Namen hat sich der 31-Jährige verdient, mit neun Paraden im Schnitt gehörte er schon vor dem Spiel am Sonntag zu den Besten seiner Zunft in der noch jungen Saison. Und gegen den SCM hat der ehemalige Magdeburger (2001 bis 2004) nicht nur seine bisherige Leistung bestätigt, er hat sie mit weiteren 15 Paraden (allein elf in der ersten Hälfte) auch in der Statistik ausgebaut. Ziemer machte also seinem Künstlernamen alle Ehre, er hatte den Abschluss des Gegners verhext - allerdings nur eine Halbzeit lang. Danach war nicht zuletzt der Zauber des Andreas Rojewski stärker gegen immer kraftloser werdende Gastgeber vor 2708 Zuschauern in der Swiss Life Hall.

Ziemer allein schaffte es eben nicht, die Magdeburger auf Distanz zu halten. Hannover leistete sich zu viele technische Fehler oder griff zum unvorbereiteten Abschluss, weil die bewegliche Abwehr des SCM den Gastgeber unter Druck setzte. Während die Schützlinge von Trainer Geir Sveinsson im 6-0-Verbund früh Räume und Wege des Kontrahenten einengten und mit Keeper Jannick Green (fünf Paraden vor der Pause, neun insgesamt) mögliche Gegentreffer verhinderten, spielte der Angriff zunächst "Triff den Hexer" oder ins Leere. Aus all diesen Gründen konnte sich in der ersten Halbzeit kein Team absetzen. 13:12 stand es zur Pause für den Gastgeber. "Trotzdem waren wir auf dem richtigen Weg, wir mussten nur cool bleiben und durften die Nerven nicht verlieren", erklärte SCM-Coach Geir Sveinsson nach der Partie, was er seiner Mannschaft in der Halbzeit erklärt hatte.

Auch Andreas Rojewski war zunächst gescheitert an Martin Ziemer, aber gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit war er der coolste Werfer des SCM und ohne Nerven. Erst traf er zweimal zum 14:14, und dann trafen Robert Weber und Rojewski bis zur 40. Minute gleich zum 18:15. Und weil bei Hannover, das mit Fiete Buschmann und Mait Patrail auf wichtige Spieler verzichten musste, weiterhin im Angriff zu wenig lief, die technischen Fehler sich häuften, bewegten sich die Magdeburger unter den Gesängen ihrer Fans über ein 23:20 (51.), ein 25:20 (54.) zum klaren 28:24-Erfolg, über den sich Jacob Bagersted besonders gefreut haben dürfte: Ab der 22. Minute bestritt der 27-jährige Däne sein erstes Bundesliga-Spiel für Magdeburg, bildete mit Fabian van Olphen den Mittelblock.

"Wir haben eine ganz starke Abwehrleistung gezeigt", lobte Trainer Sveinsson sein Team. Nur ein Treffer blieb Bagersted diesmal noch verwehrt. Dafür traf der wiedergenesene Yves Grafenhorst, der wie Bagersted wegen einer Oberschenkelverletzung ausgefallen war, nach der Pause zweimal.

TSV-Trainer Christopher Nordmeyer sprach letztlich "von einem verdienten Auswärtssieg der Magdeburger, wir hatten in der zweiten Halbzeit nicht die Leistung, um zu punkten." Hannover hatte an diesem Tag eigentlich nur Martin Ziemer.

Hannover: Ziemer, Weber - Johannsen 5/1, Andreu, Hykkeryd 1, Lehnhoff 5/4, Häfner 2, Szücs 1, Sevaljevic 3, Gudmundsson, Karason, Pollex 1, Christophersen 6, Kastening

SCM: Green, Quenstedt - Rojewski 7, Musche, van Olphen, Natek 1, Bagersted, Grafenhorst 2, Haaß 3, Bezjak 4, Weber 9/5, Jurecki 1, Lie Hansen 1

Schiedsrichter: Fleischer/Rieber; Zuschauer: 2708 Siebenmeter: Hannover 5/5 - SCM 5/5; Zeitstrafen: 4/2