Hamburg (dpa) | Der Nächste, bitte! Lediglich sieben Monate durfte sich Mirko Slomka als Trainer des Hamburger SV ausprobieren. Am Montagabend verkündete der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer dem Mathematiklehrer aus Niedersachsen das Aus. Bei Slomkas Vorgänger Bert van Marwijk war schon nach fünf Monaten Endstation.

Dagegen muten die knapp zwei Jahre zuvor von Thorsten Fink wie eine Ewigkeit an. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen: Beim HSV gibt es eine Drehtür zum Trainerzimmer, die im Dauerbetrieb kreiselt. Acht Trainer und fünf Interims-Übungsleiter in den vergangenen sieben Jahren sind reif fürs Guinnessbuch.

Slomkas Bilanz in der Fußball-Bundesliga ist erschütternd: 16 Punktspiele saß er beim HSV auf der Bank, herausgesprungen sind zehn Niederlagen, drei Siege und drei Unentschieden. Mit Ach und Krach entkam der Verein vor wenigen Monaten seinem ersten Abstieg aus der Eliteliga. Die Punkteausbeute weist Slomka hinter Michael Oenning als erfolglosesten Trainer der HSV-Geschichte aus. In den vergangenen zehn Partien gelang dem ehemaligen Coach von Hannover 96 und Schalke 04 kein Sieg. Selbst mit einer zuletzt auf sieben Positionen runderneuerten Mannschaft konnte er am vergangenen Sonntag beim 0:2 in Hannover keine Fortschritte nachweisen.

Obwohl das Heuern und Feuern im Volkspark seit Jahren anhält, besteht leise Hoffnung auf Besserung. Grund: Die Strukturen beim Bundesligisten sind grundlegend andere geworden, die verantwortlichen Personen wurden ausgetauscht. Durch die ausgegliederte Profi-Abteilung, die auf Aktienbasis neue Finanzquellen erschließen will, ist eine andere Entwicklung des mittelständischen Unternehmens HSV möglich, als das in Form eines eingetragenen Vereins mit Mitgliedervetorecht bisher der Fall war. Größter Hoffnungsträger für eine Umwälzung beim HSV ist dabei Dietmar Beierdorfer. Der 50 Jahre alte Vorstandsvorsitzender gilt als seriöser und emsiger Arbeiter, der im Gegensatz zu vielen anderen nicht das Bad in der Menge sucht und sich lieber die Zunge abbeißt, bevor er Interna ausplaudert.

Was beim HSV aber an frühere Zeiten erinnert: Leute wie HSV-Edelfan und Investor Klus-Michael Kühne mischen sich ins operative Geschäft ein und torpedieren damit Beiersdorfers Kurs. Milliardär Kühne, der dem HSV bislang 25 Millionen Euro zu einem erklecklichen Zinssatz geliehen hat, posaunt seine Vorstelllungen von guten und schlechten Trainern und eben solchen Spielern heraus. Slomka mochte er nie. Thomas Tuchel, so hört man, soll er super finden.

Wer jetzt den bislang als Schleudersitz verrufenen Trainerstuhl einnimmt, ist noch nicht entschieden. Tuchel ist der Wunschkandidat. Der frühere Mainzer Coach, der sich eine Auszeit gönnt und bis Saisonende beim FSV Mainz unter Vertrag steht, ist ein junger, dynamischer Trainer moderner Prägung. Käme er, würde eine Ablösesumme an Mainz fällig. Der HSV muss aber schon jetzt tüchtig bluten für die verkorkste Vergangenheit: Fink und van Marwijk und Slomka sowie Ex-Sportchef Oliver Kreuzer kosten stattliche Abfindungen. Ein Fass ohne Boden.

Interessanterweise werden auch Namen kolportiert, die das Gegenteil von Tuchel verkörpern: Felix Magath zum Beispiel. Der ehemalige Profi und Trainer des HSV ist mit seinem englischen Zweitligisten FC Fulham am Tabellenende angekommen und muss in England mit seinem Rauswurf rechnen. Zudem geistern die Namen Thomas von Heesen, Markus Babbel, Bernd Schuster, Stefan Effenberg, Thomas Doll und Huub Stevens durch den Volkspark. Auch Nachwuchstrainer Josef Zinnbauer wird genannt. Als Coach der U-23-Mannschaft des HSV hat er in der Regionalliga Nord acht Siege in Serie gefeiert.

Wer immer auch kommt, am Samstag bekommt er es in der Bundesliga mit Bayern München zu tun. Ob gerade dann das Startsignal für den Aufbruch in eine erfolgreiche Zukunft gegeben werden kann, ist fraglich.