Magdeburg l Acht Tage der Ruhe hat sich Franziska Hentke gegönnt, sie ist mit dem Schiff auf Kreuzfahrt über die Ostsee gegangen, sie hat Tallinn, St. Petersburg, Stockholm und Helsinki gesehen. Ab dem kommenden Montag sieht sie vor allem wieder die Elbeschwimmhalle, wenn der "Schmetterling" des SCM in die Vorbereitung auf die vorolympische Saison fliegt. Dann ist es wiederum vier Wochen her, dass Hentke bei den Europameisterschaften in Berlin den sechsten Platz belegt hat über die 200 Meter - worüber sie immer noch genervt ist. "Eigentlich habe ich damit abgeschlossen, und ich bin auch nicht mehr traurig darüber", sagt sie zwar. "Aber ich kann mir das Ergebnis immer noch nicht erklären, die ganze Saison zuvor war ich immer schneller geschwommen."

Die Erklärung wird folgen, in den Tagen nach dem Trainingsauftakt. Trainer Bernd Berkhahn wollte sich beim Empfang seiner EM-Schwimmer am Dienstag durch den SCM nicht zur Analyse äußern, "weil ich es mit Franzi noch nicht besprochen habe". Zumindest liegt die Vermutung nahe, dass die Wende eine Rolle gespielt hat. "Da hat es am Abstoß gehapert, ich hatte einfach keine Kraft dahinter", meint die 25-jährige Athletin.

Viel besser war es auch bei den Kurzbahn-Weltcups danach in Doha (Katar) und Dubai (Emirate) nicht - nicht vom Gefühl. Ihren dritten und zweiten Platz will Hentke deshalb gar nicht als Erfolg einstufen. Mit 2:04,55 in Doha und 2:06,07 Minuten in Dubai war sie einiges über Bestzeit (2:03,47), erzielt im Dezember 2013 bei der Kurzbahn-EM in Herning (Dänemark), geblieben. "Auch bei den Weltcups hatte ich das Gefühl, vorne geht es gut und hinten raus geht nichts mehr. Normalerweise müsste ich ja im Sommer schneller sein als im Winter", lautet die Faustregel. Dass dies nicht so war, weder auf der langen noch auf der kurzen Bahn, wollen Hentke und Berkhahn nun ergründen.

Doha war trotzdem gut - um das Wasser zu fühlen, um die Halle zu erkunden. In Doha wird die Kurzbahn-WM vom 3. bis 7. Dezember ausgetragen. "So gesehen bin ich darauf jetzt topvorbereitet", erklärt Hentke lächelnd, für sie wird es sogar eine WM-Premiere sein: "Bei den vergangenen Titelkämpfen war immer ein Bundeswehr-Lehrgang dazwischengekommen."

Aber Doha ist nicht das Ziel der Vorbereitung, erklärt Berkhahn: "Unser Ziel ist die Vorbereitungssaison für die Olympischen Spiele in Rio 2016, dabei werden die Kurzbahn-Events weniger von Bedeutung sein. Wir werden wieder an den Grundlagen arbeiten, mehr im Rumpfkraftbereich tun, einige neue Dinge probieren." Berkhahn ist sich sicher: "Die Norm für die WM in Doha wird Franzi schaffen, eine 2:05, 2:06 Minuten kann sie immer schwimmen." Die Norm, die sie für ihre Teilnahme an den Titelkämpfen in Doha unterbieten muss, ist vom Deutschen Schwimmverband mit 2:06,90 Minuten ausgegeben worden. Für ihre Nebenstrecke, die 400 Meter Lagen, muss sie einmal 4:34,70 Minuten und damit 39 Hundertstel schneller als bei ihrer Bestzeit schwimmen.

Wettkampfhärte dafür holt sich Franziska Hentke wie im vergangenen Jahr auf der Asientour bei den Weltcups in Peking, Tokio und Singapur zwischen dem 24. Oktober und 2. November, bevor es zur deutschen Meisterschaft in die Schwimmoper nach Wuppertal (19. bis 22. November) geht - so lautet der Plan. Ein besonderes Ziel hingegen hat sie zunächst nicht, auch nicht mit Blick auf ihre Bestzeiten: "Sollte ich die nicht erreichen, wäre ich doch nur enttäuscht. Ich lasse mir lieber die Möglichkeit zur Freude."