Neu-Ulm (dpa) l Das war Pech: In der Schlusssekunde verschenkten die deutschen Handballer ihren zweiten Sieg und verwehrten ihrem neuen Bundestrainer Dagur Sigurdsson eine perfekte Premiere.

Trotz einer Energieleistung kam der Gastgeber in Neu-Ulm nicht über ein 28:28 (11:14) gegen die Schweiz hinaus. Einen Tag nach dem 32:26 (19:12) in Göppingen drehte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in den letzten zehn Minuten erst einen Zwei-Tore-Rückstand in eine 24:21-Führung (53.). Doch in der letzten Sekunde entriss Andy Schmid mit seinem zehnten Treffer dem Gastgeber den sicher geglaubten Sieg.

Vor 4412 Zuschauern warfen Uwe Gensheimer (6/1) und Sven-Sören Christophersen (5) die meisten deutschen Tore. Bei der Schweiz sah Daniel Fellmann nach drei Zeitstrafen Rot (39.).

Die Länderspiele waren der erste und einzige Test für die neue DHB-Auswahl vor der Qualifikation für die EM 2016 in Polen. Zum Auftakt trifft dafür das deutsche Team in den ersten beiden Gruppenspielen am 29. Oktober in Gummersbach auf Finnland und am 2. November in Wien auf Gastgeber Österreich. "Die Qualifikation ist für uns sehr wichtig, aber das ist ein Prozess auf dem Weg zur WM", sagte Kapitän Uwe Gensheimer.

Zugleich startet Sigurdssons Mannschaft damit in die Vorbereitung auf die WM vom 15. Januar bis 1. Februar in Katars Hauptstadt Doha. Der Nachrücker, der sportlich in der Ausscheidung an Polen gescheitert war und eine Wildcard bekam, spielt in der Vorrunde erneut gegen Polen sowie Dänemark, Russland, Bahrain und Argentinien.

Auf dem Weg zum WM-Turnier bleibt jedoch noch viel zu tun. Denn dem vergleichsweise leichten Sieg am Samstag folgte ein zähes Ringen. Die Eidgenossen hatten ihre Lehren aus dem ersten Spiel gezogen und setzten die deutsche Mannschaft mit einer offensiven Abwehr unter Druck. Der Gastgeber mit dem jungen Paul Drux als Spielmacher für den angeschlagenen Tim Kneule leistete sich dadurch zu viele Fehler.

Und weil die Schweizer sich mit ihrem deutschen Trainer Rolf Brack auch viel besser auf die Deckung der DHB-Auswahl eingestellt hatten, geriet Sigurdssons Team mit 3:7 (11.) ins Hintertreffen. Fortan lief die deutsche Mannschaft, in der erstmals seit sieben Jahren kein Weltmeister von 2007 stand, einem Rückstand hinterher und ging mit 11:14 in die Pause.

Mit Wiederanpfiff startete der WM-Fünfte seine Aufholjagd. Nach dem ersten Länderspieltreffer von Torhüter Silvio Heinevetter markierte Kapitän Uwe Gensheimer per Siebenmeter mit dem 17:17 (41.) den ersten Ausgleich. Allerdings bekam die Abwehr den Schweizer Spielmacher Andy Schmid nicht in den Griff, der fast nach Belieben traf. So blieb die Partie bis zum Schluss auf des Messers Schneide.

Am Vortag hatte das alles noch ganz anders ausgesehen. Mit großer Leichtigkeit hatte die deutsche Mannschaft die Partie in Göppingen dominiert und die 3800 Zuschauer begeistert. 23:13 (36.) war der Gastgeber in Vorhand, ehe er durch Konzentrationsschwächen noch einiges von seinem Vorsprung einbüßte. "Ich bin im Großen und Ganzen zufrieden mit unserem Spiel. In der zweiten Halbzeit ist uns ein bisschen die Konzentration weggebrochen. Das können wir besser machen", hatte Sigurdsson bilanziert und gleichzeitig davor gewarnt, dass kommende Spiele kein Selbstläufer werden: "Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen."