Magdeburg/Oklahoma l Normalerweise legt Andreas Ihle bei Wettkämpfen 500 oder 1000 Meter im K2 im Höchsttempo zurück. Bei EM, WM oder Olympia. Und oftmals im Ziel mit einer Medaille als Belohnung. Am heutigen Sonnabend stehen für Ihle 30 Kilometer auf dem Programm. Was nach einer entspannten Ausfahrt im Herbst mit Kumpels klingt, ist ebenfalls eine Weltmeisterschaft: in Oklahoma City (USA) laufen die Titelkämpfe im Kanu-Marathon.

Nachdem der Kanu-Veteran im Sommer die Qualifikation zur Rennsport-WM in Moskau verpasst hatte, reifte der Plan zum Umstieg auf "fremde Gewässer". In den vergangenen Wochen hat sich der 35-Jährige akribisch auf die WM auf dem Oklahoma River vorbereitet. Die gute Nachricht: "Gesundheitlich bin ich ohne Probleme durch die ganze Vorbereitung gekommen", sagt Ihle, der zuletzt immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte.

"Nach der Kanu-Marathon-EM Anfang Juni war viel Zeit für einen großen Block mit viel Umfängen. Das heißt, es standen fast ausschließlich 20-, 18- und 15-Kilometer-Einheiten auf der Elbe mit verschiedenen Intensitätsprofilen auf dem Plan", berichtet Ihle, der bei seinen Trainingsfahrten oft von Florian Horenburg begleitet wurde. Der Junior vom SC Magdeburg ist ebenfalls am Montag mit in die USA gereist und startet im KI sowie im KII mit Torben Blume (KC Potsdam).

Wichtiger Bestandteil des Trainings waren immer wieder die sogenannten Portagen. Während des 30 Kilometer langen WM-Rennens müssen die Sportler sieben Mal aus dem Boot aus- und wieder einsteigen und das Kanu über eine etwa 150 Meter lange Laufstrecke über Land transportieren. Mit guter Technik ist hier viel Zeit gutzumachen. "Aus dem Paddeln heraus schnelles Aussteigen, laufen mit Boot, schnelles Einsteigen bringen den Rhythmus völlig durchein-ander. Das zu handeln, lernt man nicht so eben schnell im Vorbeigehen", berichtet Ihle.

Von einer Medaille wagt Ihle nicht zu träumen. "Ziel ist natürlich eine vordere Platzierung. Wenn ich am Ende unter die ersten zehn der Welt komme, wäre ich zufrieden", sagt der Sportsoldat. "Im Kanumarathon als Neuling einen ganz großen Coup zu landen, ist nahezu unmöglich. Die Erfahrungen zeigen, dass man mit zwei , drei Wettkämpfen nicht die nötige Erfahrung sammeln kann, die es für einen Medaillenrang braucht." Ohnehin soll der Marathon nur Zwischenstation sein - im nächsten Jahr will er wieder auf den kurzen Strecken angreifen. Und mit Blick auf Rio 2016 wäre da eine Medaille auch viel wertvoller.