Spitzengruppe des SCM
Frauen: Jana Barrasch (16): 800 m Freistil, 200 m Rücken sowie Freiwasser - Paula Beyer (19): 200 m Schmetterling und 400 m Lagen - Daria Berestov (17): 100 und 200 m Brust - Johanna Friedrich (19): 200 und 400 m Freistil - Ines Hahn (23): 25 km Freiwasser - Franziska Hentke (25): 200 m Schmetterling, 400 m Lagen - Julia Thiemann (19): 50 und 100 m Freistil - Finnia Wunram (18): 400 m Lagen und 800 und 1500 m Freistil sowie Freiwasser
Männer: Henrik Dahrendorff (18): 100 und 200 m Brust - Christian Hagen (18): 100 und 200 m Brust - Marcus Herwig (18): 800 und 1500 m Freistil sowie Freiwasser - Rob Muffels (19): 800 und 1500 m Freistil sowie Freiwasser - Eric Reuß (21): 400 bis 1500 m Freistil und Freiwasser - Hendrik Rijkens (21): 1500 m Freistil sowie Freiwasser - Matthias Schweinzer (24): 1500 m Freistil und Freiwasser - Florian Wellbrock (17): 200 m Delfin und 10 km Freiwasser - Poul Zellmann (19): 200 bis 1500 m Freistil

Magdeburg l Marcel Nagy hatte einen Abstecher nach Berlin gemacht im vergangenen August, er wollte ein wenig Schwimm-EM lunschen und Kumpels treffen. Er gehörte auch mal zum Athletenkreis zwischen 50-Meter-Sprint und 25-Kilometer-Freiwasser-Distanz, der Essener war ein Teil der SCM-Familie. Aber als dieser hatte er in einem Vorlauf bei den vergangenen nationalen Titelkämpfen im Mai bereits seinen letzten Auftritt. Denn Nagy schwimmt nicht mehr im Leistungssport. Er studiert jetzt Wirtschaftsjura in Wiesbaden. Der Grund für den Wechsel klingt durchaus plausibel: "Im Schwimmen werde ich mein Geld nicht verdienen können", sagt Nagy.

Neben ihm und Annika Wunram, die bereits im Frühjahr ihre Karriere beendet hat, dem SCM aber treugeblieben ist, hat die Spitzengruppe sowie der Anschlusskader des SCM drei weitere Athleten verloren. Sie hatten Geld noch nicht im Sinn, ihnen fehlte das Wohlgefühl in Magdeburg: Lena Bermel und ihr Bruder Thore sind deshalb in ihre Heimat Elmshorn zurückgekehrt, Ludwig Teßmar schwimmt wieder in seiner Heimatstadt Dresden. Für Spitzencoach Bernd Berkhahn ist das nicht einfach der Lauf der Dinge im Leistungssport, er findet es vielmehr schade, Talente zu verlieren. Denn Berkhahn freut sich über "jeden Sportler, den ich weiterentwickeln kann", erklärt er. Davon sind ihm für die neue Saison allerdings viele geblieben. Seine Gruppe ist trotz der Abgänge von 13 im Vorjahr auf 17 Athleten gewachsen.

Aus dem eigenen Nachwuchs trainieren nun Jana Barrasch, Henrik Dahrendorff und Christian Hagen unter Berkhahn. Die 16-jährige Barrasch hatte bereits einen Auftritt bei den deutschen Freiwasser-Meisterschaften im Juli in Hamburg, als sie zwei fünfte Plätze im Einzel und Silber mit Finnia Wunram und Julia Thiemann in der SCM-Staffel gewann. Dahrendorff und Hagen, beide 18 Jahre, sind ausgewiesene Brustspezialisten, von denen Berkhahn sich und für das derzeit einzige Mädchen in dieser Disziplin, Daria Berestov, den nächsten Schritt erhofft.

Den Schritt nach Magdeburg gewagt haben indes der Österreicher Matthias Schweinzer (Volksstimme berichtete) sowie Ines Hahn, Florian Wellbrock und Eric Reuß. "Die Verbindung zwischen Sport und Studium ist hier einfach besser", berichtet Reuß über eine Motivation seines Wechsels. Die andere Motivation ist die Tatsache, dass Berkhahn nicht zuletzt viele Langstreckler geformt hat. Reuß, 21 Jahre und aus Berlin, fühlt sich über 400 bis 1500 Meter Freistil wohl, außerdem will er erstmals die Operation Freiwasser angehen. "Ich möchte mich sowohl persönlich als auch sportlich weiterentwickeln", sagt der Student der Sportwissenschaften, der bei vergangenen deutschen Meisterschaften in die A-Finals geschwommen war. Seine Stärke? "Ich arbeite unheimlich stark für den Erfolg", betont Reuß. Ob er sich nun im Becken oder auf offener See einstellt, das wird die Zeit bringen, so Berkhahn.

Das größte Entwicklungspotenzial bringt indes Florian Wellbrock allein aufgrund seines Alters mit: Er ist 17 Jahre jung. Auf seiner Hausstrecke, den 200 Meter Delfin, gewann der Bremer in diesem Jahr bei der Junioren-EM Silber. Und ebenfalls bei der JEM holte der Gymnasiast über die zehn Kilometer im Freiwasser Bronze. "Ich kann noch im Schnelligkeitsbereich zulegen und muss kräftiger werden", sagt er, "aber ich habe eine gute Ausdauer."

Ausdauernd für den Erfolg hat auch Ines Hahn immer gearbeitet: auf der ganz langen Distanz, auf den 25 Kilometern im Freiwasser nämlich. In den vergangenen zwei Jahren hat sie Erfolg allerdings selten gefühlt, ihr letzter großer datiert aus dem Jahr 2011, als sie bei der Europameisterschaft Elfte wurde und außerdem die Gesamtwertung im Europacup für sich entschied. "In Magdeburg habe ich einfach die kurzen Wege", sagt die 23-Jährige aus München, die an der Guericke-Uni ihr Masters in Sportwissenschaften/Management schreiben will. Hahn fehlt es nicht an Athletik oder Ausdauer: "Ich hoffe, den richtigen Biss wiederzufinden", sagt sie. "Ines verfügt bereits über internationale Erfahrung, hatte aber in den vergangenen zwei Jahren ihre Schwierigkeiten", so Berkhahn. "Wir wollen wieder an ihre erfolgreichen Tage anknüpfen."

   

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