Volksstimme: Herr Herbst, das 0:2 war nicht das erste mangelhafte Heimspiel, gegen den ZFC sind die Zuschauer schon fünf Minuten vor dem Abpfiff gegangen. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Olaf Herbst: Ja, die Zuschauer waren sauer. Wenn sie dann vorzeitig nach Hause gehen, ist das ein Zeichen der Unzufriedenheit und somit auch ein Zeichen an Mannschaft und Trainer.

Die Lage war vor wenigen Wochen nach einer Siegesserie entspannt, jetzt steckt die Germania wieder drin im Abstiegskampf. Warum?
Die Mannschaft hat in der ersten Halbserie den Beweis ihrer Regionalligatauglichkeit geliefert. Wir konnten gute bis sehr gute Spiele nicht nur in Halberstadt, sondern auch auswärts sehen. Wir denken dabei an den FCM, Auerbach, bei Union II oder Hertha II. Leider fehlt die Kontinuität und die Leistungsbeständigkeit. Hier bleibt noch sehr viel Arbeit. Wir sind zuversichtlich, dass die sportliche Leitung gemeinsam mit dem Trainer diese Schwäche Stück für Stück überwinden wird.

Hat die Umstellung der Defensive auf eine Dreier-Abwehrreihe gegen Meuselwitz Ihrer Meinung etwas mit der 0:2-Niederlage zu tun?
Der Trainer hat das Sagen, wenn es um Aufstellung und Taktik geht. So wie es in der Welt des Fußballs heißt: "Wenn du gewinnst, hast du alles richtig gemacht, verlierst du, sagen alle: Das war doch klar, so kann man nicht gewinnen."

Sie hatten angekündigt, mit den Spielern hart ins Gericht zu gehen. Wie kann man sich das vorstellen?
Natürlich muss sich jeder Spieler nach solch einem Spiel selber fragen, ob er alles gegeben, sich voll reingehauen und seine Regionalligatauglichkeit unter Beweis gestellt hat. Das haben wir am Sonntag bei einem Großteil der Mannschaft vermisst.

Haben Sie mit den Spielern persönlich gesprochen?
Nein, das ist Job des Trainers und der sportlichen Leitung.

Ihre Vereinsführung ist geprägt von überlegten Schritten. Voreilige Schnellschüsse oder Unruhe sind nicht Ihre Art. Jetzt ist allerdings die Hälfte der Saison vorbei, und es sieht sportlich nicht erfolgreich aus. Sehen Sie sich diesmal zum Handeln gezwungen?
Es hat sich in 15 Jahren meiner Präsidentschaft ausgezahlt, dass es besser ist, in Ruhe und überlegt zu handeln als hektische Entscheidungen zu treffen. Das hat sich auch vor kurzem gezeigt, als wir in den Tabellenkeller gerutscht sind. Es bleibt also dabei, in der Ruhe liegt die Kraft.

Mit Zwickau und Nordhausen warten jetzt die Topteams der Liga. Was ist da möglich?
Wir sind der Meinung, dass in dieser Liga jeder jeden schlagen kann. Wenn unsere Jungs das tun, was wir erwarten, nämlich ihr Bestes geben, kämpfen bis fast zum Umfallen und Gras fressen, dann ist auch ein Sieg in Zwickau und gegen Nordhausen möglich. Gerade die Partie gegen Wacker Nordhausen soll ein echtes Harzderby werden. Darauf freuen wir uns schon sehr.

Greifen Sie vor diesen Begegnungen auch aufgrund der aktuellen Lage motivierend ein oder lassen sich etwas Spezielles einfallen?
Im Rahmen meiner Möglichkeiten schon. Oft hilft es, einfach nur da zu sein, wenn es nicht gut läuft, und Mut zu machen. Denn eins weiß ich genau: wir haben ein gutes Team, dufte und anständige Jungs, einen guten Trainer und eine sehr motivierte, ehrgeizige sportliche Leitung, die sehr eng mit dem Aufsichtsrat und dem Präsidium zusammenarbeitet.