Magdeburg l Bennet Wiegert war als Spieler kein Leisetreter. Eher fungierte er, der sich wie kaum ein anderer mit dem Verein und den Magdeburger Handball-Tugenden identifizierte, als Sprachrohr der Mannschaft. Und wenn es an der Zeit war, Klartext zu reden und damit die Mitspieler auch mal an der Ehre zu packen, dann war sich "Benno" nicht zu schade, dies zu tun.

Knapp ein Jahr nachdem er beim Remis gegen Balingen (22. Dezember 2013) das letzte Mal im Erstliga-Kader stand, springt der Allrounder nicht auf den Zug der Kritiker an van Olphen Co. auf. Warum, erklärt der 32-Jährige so: "Ich sehe die Jungs zwar bei den Heimspielen oder auch mal kurz beim Training, aber ich bin inzwischen viel zu weit weg von der Mannschaft, um mir eine reale Meinung über die Leistungsfähigkeit oder die Arbeit des Trainers zu erlauben - schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Das steht mir auch nicht zu."

Erfolg beim SC Magdeburg wird sich einstellen

Aus seiner persönlichen Gefühlslage heraus sieht Wiegert "weder eine Krise noch einen Grund zur Sorge". Zwar habe er das Spiel in Lübbecke nicht gesehen, sodass er zur kritisierten Einstellung der Akteure nichts sagen könne, "aber wenn ich mir nur alleine die Tabelle und die reinen Zahlen anschaue und sehe, was in der ersten Liga in dieser Saison so los ist, dann muss ich sagen: Der SCM auf Platz sieben, das ist doch okay."

Seine aktiven Zeit, aber auch die Erfahrungen als Trainer der Youngsters haben Wiegert vor allem eines gelehrt: "Der Sport ist nun mal nicht berechenbar und Erfolge nicht planbar. Es gibt Phasen, da geht es bergauf und Phasen, da läuft es eben nicht so. Warum - das ist oft nur schwer zu erklären."

Und eben deshalb sehe er keinen Anlass, den Glauben an die Sache zu verlieren: "Ich bin nach wie vor stolz auf den Verein. Und ich bin davon überzeugt, dass wir beim SCM ein gutes Premiumprodukt haben und gute Arbeit geleistet wird. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Erfolge nachhaltig einstellen."

SCM-Nachwuchs mit Talent

Die aktuelle Mannschaft sei in der Lage, die momentan auftretenden Probleme zu lösen. "Das sind alles Profis, die Jungs wissen, was zu tun ist", so Wiegert. Und weil er nur zu gut weiß, wie das Magdeburger Umfeld tickt, sagt er voraus: "Ein Heimsieg am Samstag gegen Friesenheim und dann gleich noch einer gegen die Füchse, dann ist die Welt wieder in Ordnung."

Konkret wird der Nachwuchscoach indes, wenn es um das Perspektivteam geht - schließlich ist das sein täglich Brot: "Mit der Entwicklung der Jungs bin ich sehr zufrieden, auch wenn sich die Einsatzzeiten in der ersten Mannschaft bislang in Grenzen halten." Aber das sei der Verantwortungsbereich von Geir Sveinsson, "und der hat seine eigenen Pläne und seine eigene Philosophie".

Dennoch bricht Wiegert, der mit den Youngsters in der 3. Liga Ost auf Platz zwei rangiert und in zehn Spielen nur einen einzigen Punkt abgegeben hat, eine Lanze für seine Talente: "Wir sind und bleiben zuallererst eine Ausbildungsmannschaft, und der Sprung zur ersten Mannschaft ist nun mal sehr groß. Die Jungs müssen Fehler machen dürfen. Und sie brauchen Zeit, um Konstanz in ihre Leistung zu bringen." Daran arbeitet nicht nur Bennet Wiegert jeden Tag.