Halberstadt l "Das war ein Dusel-Punkt", fasste Interimstrainer Enrico Gerlach nach dem Abpfiff zusammen, "da hatten wir mehr als den Papst in der Tasche." In der Tat hatte der VfB Fortuna auf seiner Seite, die Begegnung der Teams aus dem Vorharz und dem Südharz hatte aber noch viel mehr zu bieten.

So notierte sich Schiedsrichter Lars Albert schon nach drei Minuten ein besonderes Vorkommnis auf seinem Zettel. Aus dem Wacker-Fanblock war eine Leuchtrakete nur wenige Meter neben die Spieler geflogen. Zum Glück passierte hier nichts.

Germania, bei der Frederic Schütze für den gelb-gesperrten Carl Labisch in die Startelf rückte, lief mit einem 4-4-2 auf, wobei Telmo Teixeira als hängende Spitze agierte. Er sollte als Lenker im Mittelfeld agieren.

Von der ersten Minute an zeigte Nordhausen den besseren Fußball. Die Thüringer spielten direkt, ohne Schnörkel und dabei meist in die Tiefe. Das Anfangstempo war extrem hoch. Germania wurde zunächst in die Rolle des Reagierenden gedrängt. Einer dieser schnell vorgetragenen FSV-Angriffe endete mit einem Strafstoß. Tino Semmer nutzte das Gewusel mit Torwart Pascal Nagel und Außenverteidiger Arbnor Dervishaj im Strafraum und ging zu Boden. Nordhausens Kapitän Nils Pfingsten-Reddig jagte das Leder weit über den Querbalken (9.).

Auch danach blieb es ein sehr intensiv geführtes Derby. Beide Seiten schenkten sich nichts, scheuten auch keinerlei Zweikämpfe, so dass es mehrfach "auf die Socken gab". Nachdem Wacker bereits mehrere gute Chancen ausgelassen hatte, bekam Halberstadt nach knapp 20 Minuten Zugriff auf diese Begegnung. Florian Beils Schuss blieb aber ungefährlich. Jetzt ging es hin und her. Erst hatte der VfB eine Doppelchance durch Teixeira (23.), danach drehten wieder die beiden FSV-Sturmspitzen Martin Hauswald und Semmer auf. Beide agierten immer haarscharf am Abseits und kamen etliche Male aus besten Positionen zum Abschluss.

Auch nach dem Wiederanpfiff war noch nicht Schluss mit dem Hochgeschwindigkeitsfußball. Kevin Nennhuber rettete auf der Linie (53.). Die verdiente Führung der Gäste durch Marcel Goslar (61.) glich Nennhuber per Kopf nur wenig später aus. Dann war Pascal Nagel der Retter in der Not. Nach einem Foul und seiner zweiten Gelben Karte musste Nennhuber vom Platz. Den Elfmeter von Lasse Schlüter parierte Nagel (85.). Im Nachschuss setzte Ex-Germane Maik Georgi den Ball an die Querlatte.

Von diesem hochdramatischen Drehbuch hatten erneut einige Unbelehrbare aus dem Gästeblock die Nase voll, bewarfen den Assistenten mit Gegenständen. Nach einer fünfminütigen Unterbrechung brachte Germania das 1:1 mit viel Einsatz und Kampf noch über die Bühne.

Halberstadt: P. Nagel - Schlitte, Nennhuber, Meier, Dervishaj, Schütze (71. Buntschu), Schubert, Beil, Teixeira-Rebelo, J. Nagel, Ristovski (90.+3 Kullmann)
Wacker: Siefkes -Schulze, Peßolat, Langer, Schlüter, Löhmannsröben, Goslar (72. Georgi), Pfingsten-Reddig, Farrona-Pulido, Semmer (76. Pichinot), Hauswald
Schiedsrichter: Albert (Muldenhammer). Zuschauer: 675. Tore: 0:1 Goslar (61.), 1:1 Nennhuber (67.). Gelb-Rot: Nennhuber (81.). Gelb: P. Nagel / Löhmannsröben, Hauswald, Langer. Bes. Vorkommnisse: Pfingsten-Reddig verschießt Foulelfmeter (9.); Pascal Nagel pariert Foulelfmeter von Schlüter (84.)