Magdeburg l Sein letzter sportlicher Gang 2014 führte Nico Walther in das Büro von René Spies, einem der Bobbundestrainer. Es war in Winterberg, am 31. Dezember, etwa eine Stunde nach seiner Silberfahrt bei den deutschen Meisterschaften im Vierer, als der 24-jährige Pilot die frohe Kunde erhielt, die nächsten Weltcups und die Weltmeisterschaft (23. Februar bis 8. März) im großen und kleinen Schlitten fahren zu dürfen. "Ich muss ehrlich sagen, es fällt eine Menge Druck ab", sagte Norman Dannhauer vom Mitteldeutschen Sportclub (MSC), der Walthers Anschieber trainiert.

Diese Erleichterung teilten am Mittwoch natürlich nicht alle, vor allem der direkte Konkurrent nicht: Manuel Machata (Stuttgart), Weltmeister von 2011, belegte nur Platz fünf. Er hatte damit seine zweite Chance, noch auf den WM-Zug aufzuspringen, verpasst. Machata wurde wie schon bei der Selektion im Herbst von Walther und seinen Anschiebern Marko Hübenbecker, Andreas Bredau (beide MSC) sowie Philipp Wobeto (SC Potsdam) geschlagen, die mit 18 Hundertstelsekunden Rückstand auf Maximilian Arndt (Oberhof) Platz zwei erreichten. Mit Kevin Korona hatte ebenfalls ein MSC-Anschieber den Meister in die Spur gebracht.

All die leidigen Kufendiskussionen, die Machata sowohl vor dem Vierer- als auch vor dem Zweierwettbewerb angezettelt hatte, hatten dem 31-Jährigen nichts genützt. Walther und Hübenbecker waren im kleinen Schlitten sogar zum Titel gefahren. "Es war schon ein Risiko, auf ein Pferd zu setzen, das in der zweiten Reihe steht. Aber jetzt sind wir nach vorn galoppiert", erklärte Dannhauer zur Entscheidung im vergangenen Sommer, seine MSC-Anschieber mit Youngster Walther (BRC Riesa) zusammenzuführen.

Aber es hat wirklich niemand bereut. Auch der "alte Hase" Andreas Bredau nicht: "Es macht einfach Spaß, mit den jungen Kerlen am Start zu stehen. Wir sind eine absolut harmonische Truppe geworden." Das Ziel der Saison ist damit erreicht: "Auch wenn Olympia 2018 für uns im Vordergrund steht, wollten wir ganz klar zur WM 2015 nach Winterberg fahren", sagte der 30-Jährige.

Zuvor stehen aber nicht nur weitere Weltcups an. Die Piloten und Anschieber müssen sich am 4. Januar in Oberhof beim Startertest noch einmal beweisen. Dannhauer: "Ich bin davon überzeugt, dass alle aus dem Walther-Team ihre Leistungen bringen werden. Und dann werden es noch zwei schöne Monate in dieser Saison."